Eine kleine Sensation ist das schon: Die drei Reutlinger Festivals Kultur vom Rande, Burning Eagle und KuRT sind mit dem EFFE-Siegel der European Festival Association ausgezeichnet worden. Gültig ist diese Auszeichnung, die nicht mit einem Geldbetrag oder einer sonstigen Vergünstigung verbunden ist, zwei Jahre lang, 2017-18. Die Abkürzung EFFE steht für „Europe for Festivals – Festivals for Europe“.

Als EFFE-Preisträger finden sich die drei Reutlinger Festivals in bester Gesellschaft – von kulturellen Institutionen wie dem Bozar Centre for Fine Arts (Brüssel), der Stiftung Mozarteum Salzburg oder den Berliner Festspielen. Wer sich da alles bewirbt, zeigt folgende Zahl: Bei der vorangegangenen Vergabe wurden 750 Festivals aus 31 Ländern gesichtet und begutachtet. Überreicht wird die Auszeichnung am 4. Mai in Wiesbaden.

Dass dieses Qualitätssiegel unter anderem  auch an drei Reutlinger Festivals geht, hat eine neunköpfige Jury unter Vorsitz von Sir Jonathan Mills entschieden. Mills selbst ist nicht nur Komponist, sondern auch erfahrener Kulturmanager, von 2007 bis 2014 war er Leiter des weltweit renommierten Edinburgh Festivals in Großbritannien.

Starke Gemeinschaft

Der Reutlinger Wegbereiter dieser Auszeichnung ist Michael Herrmann von der Stadtkämmerei gewesen, sozusagen der Europa-Beauftragte  der Verwaltung. Herrmann, so berichtet Klaus Kupke vom Jugendamt, sei auf diese Aufzeichnung aufmerksam geworden. Macher der drei Festivals – Kultur vom Rande, Burning Eagle und KuRT – haben daraufhin die erforderlichen Anträge gestellt. Und siehe da, im ersten Anlauf gewannen die drei Reutlinger Festivals das begehrte EFFE-Zertifikat.

Jonathan Mills, der Jurypräsident, fasst die Intention der Siegel-Vergabe so zusammen: Er freue sich, mit dem EFFE-Label 2017-18 ausgewählte Festivals „für ihre wichtige europaweite Arbeit“  auszeichnen zu können, sie seien nun „Teil einer starken internationalen Gemeinschaft von Festivalmachern“.

Klaus Kupke, Sachgebietsleiter Kinder- und Jugendarbeitsangebote der Stadt Reutlingen, kommentiert die Auszeichnung so: „Wir wussten schon immer, dass Reutlingen nicht nur in den klassischen Kulturbereichen gut aufgestellt ist. Durch die EU-Auszeichnung haben wir nun auch den Beleg, dass das heimische Festivalangebot sich im europäischen Vergleich durchaus sehen lassen kann.“

Kultur vom Rande ist von Anfang an ein europäisches Festival, denn schon seit dem Jahr 2000 kommen Theater- und Tanz-Ensembles aus ganz Europa, ja aus der ganzen Welt nach Reutlingen. Kultur vom Rande versteht sich somit als internationales Festival „von und mit Menschen unabhängig von Benachteiligung und Behinderung“. Als Festival, bei dem auch Menschen mit Handicap künstlerisch aktiv sind. „Wir sind stolz auf die Anerkennung unserer Arbeit, bei der die Talente und Fähigkeiten von Menschen mit Behinderung und besonderen Bedürfnissen im Mittelpunkt stehen“, freuen sich die beiden Leiterinnen Rosemarie Henes und Prof. em. Elisabeth Braun.

Das Burning Eagle Festival, ein Treffen handverlesener Bands und Solisten, das sich selbst als „Kleinod für Liebhaber(innen) der außergewöhnlichen Musik“ bezeichnet, überzeugte die international besetzte Jury mit seinem konsequent auf Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit ausgerichteten Konzept. „Unsere Gäste schätzen insbesondere die familiäre Atmosphäre und unsere einmalige Location auf dem Gelände am Umweltbildungszentrum Listhof“, so beschreiben Dennis Adler und Henrik Junger, die beiden Hauptverantwortlichen des Festivals, die Alleinstellungsmerkmale.

Das KuRT-Festival, benannt nach der Initiative „Kultur für Reutlingen“, folgt dem Motto Umsonst & Draußen. Das Treffen mit angesagten Hip-Hop-, Rap-, Rock- und Indie-Gruppen könnte aber auch heißen „von Jugendlichen für Jugendliche“. Denn organisiert wird es auf ehrenamtlicher Basis durch eine kleine Gruppe von 15- bis 25-jährigen Machern. Es kann jährlich mehrere Tausend Besucher vorweisen, zuletzt waren es 16 000. Von der Auswahl der Künstler über einen Graffiti-Wettbewerb bis hin zu Poetry Slam orientiert sich das Angebot daher an der jüngeren Zielgruppe und überzeugte die EFFE-Jury mit seiner Stimmigkeit. „Das EFFE-Siegel ist die Bestätigung unserer Arbeit und zugleich Auftrag, das Programm weiterzuentwickeln“, sagt Ida Wied, Vorsitzende des Vereins KuRT.

Die ausgezeichneten Festivals können das EFFE-Siegel für die kommenden zwei Jahre tragen. In der zweiten Jahreshälfte werden unter allen Gewinnern die herausragenden Konzepte mit dem EFFE-Preis gewürdigt.

Die bevorstehenden Festivaltermine im Überblick


Kultur vom Rande Das 7. internationale Festival steigt von 24. Juni bis 2. Juli in Reutlingen – an verschiedenen Orten der Innenstadt, regelmäßig im franz.K und mit einem Finale auf dem Marktplatz.
KuRT-Festival vom 13. bis 15. Juli im Bürgerpark Reutlingen. Konzept: Umsonst und Draußen.
Burning Eagle Festival am 4. und 5. August auf dem lauschigen Wiesengelände des Listhofs.