Kabarett Europa wächst nicht aus Verträgen, sondern den Herzen der Menschen

Sebastian Schnoy nahm sich am Freitag im Spitalhof des Themas Europa auf kabarettistische Weise an.
Sebastian Schnoy nahm sich am Freitag im Spitalhof des Themas Europa auf kabarettistische Weise an. © Foto: Gabriele Böhm
Reutlingen / Von Gabriele Böhm 19.09.2017

„Darf man über Europa lachen?“ fragte Guido Wolf, Minister der Justiz und für Europa, die Gäste am Freitagabend im vollbesetzten Spitalhofsaal und schloss die Hoffnung an, dass alle am Ende des Abends die Frage mit Ja beantworten würden.

Gelacht wurde jedenfalls reichlich beim Kabarett „Hauptsache Europa! Jetzt erst recht!“ mit Sebastian Schnoy. Der 48-jährige Familienvater aus Hamburg ist mehrfacher Bestsellerautor und erhielt für seine humorvolle Auseinandersetzung mit Politik und Geschichte bereits acht Kulturpreise.

Europa, so Wolf, müsse den Menschen wieder nähergebracht werden. „So etwas wächst nicht aus Verträgen, sondern aus den Herzen der Bürger.“ Das Anliegen, es auf kabarettistische Weise zu versuchen, sei ein Experiment. „Europa ist für uns nicht richtig greifbar“, begann Schnoy sein Programm. Momentan wolle jedes Land nur für sich das Beste, und auch der Brexit habe für Erschütterungen gesorgt. Der Ausstieg der Briten sei indes kein Wunder, denn einem Gerücht zufolge habe Brüssel versucht, in Großbritannien den Rechtsverkehr einzuführen. „Zunächst jedoch nur für LKWs“. Das mit der Queen sei jedoch eine schöne Sache. Sie habe Stil und schaffe Identität mit dem eigenen Land. Als Warm-up durfte das Publikum gleich selbst ausprobieren, wie es sich mit Majestäten lebt. Zum rechten und linken Sitznachbar sagte man „Du bist meine Königin!“ oder „Du bist mein Knecht!“

Historisch gesehen, so Schnoy, hätten Deutsche und Britten doch viele gemeinsame Wurzeln. Georg aus Hannover sei zum englischen König George I. mutiert, gleichwohl, ohne im fremden Land Englisch zu sprechen. „Das erinnert an Oettinger in Brüssel.“

Europäische Geschichte sei wichtig, weil man aus ihr lernen könne. „Vorausgesetzt, man merkt sich endlich mal was.“ Napoleon sei auf einem Feldzug vom Winter überrascht worden, doch die Deutsche Bahn werde noch immer jedes Jahr vom Winter überrascht. Gutenberg habe 1450 den Buchdruck erfunden und damit das Abschreiben überflüssig gemacht. „Aber 500 Jahre später führt der andere Guttenberg es wieder ein.“

Versteinerter Putzlappen

Man solle sich, so Schnoy weiter, davor hüten, auf Griechen und Italiener herunterzuschauen, weil sie angeblich nichts gebacken kriegten. Denn hier hätten schon Hochkulturen existiert, während es bei den Germanen nur Grunzen im Eichenwald gegeben habe. Aber immerhin habe man in einer Albhöhle einen versteinerten Putzlappen gefunden. An anderen europäischen Ländern könnten wir uns ein Beispiel nehmen. „Warum müssen wir dieses ekelhafte Vollkornbrot essen, während alle anderen Europäer leckere Sachen wie Croissants oder Ciabatta genießen dürfen?“

Aber Deutsche neigten nun einmal dazu, gerne zu leiden und sinnlose Dinge bis zum bitteren Ende durchzuziehen. Von den Österreichern könne man sich Ruhe und Gelassenheit abschauen, von Estland, Lettland und Litauen knappe Frauenbekleidung und von Frankreich Anarchie: „Werfen Sie doch einfach mal nach 19 Uhr eine grüne Flasche in einen weißen Container!“, schlug Schnoy vor.

„Wenn wir alle voneinander gelernt haben, dann kann Europa Wirklichkeit werden“, resümierte er. Großer Beifall zog noch eine Zugabe nach sich, die Vision eines idealen Europa mit den Schweizern als Organisatoren, den Briten als Polizisten und den Italienern als Liebhabern.