Würziger Käse, leckerer Schinken, ein Zelthimmel voller deftiger Salami, Wein, Grappa, Dolci und jede Menge „Olio extra vergine di Oliva“. Am Freitagmittag wurde erstmals an der Marienkirche der Toskanische Markt mit Spezialitäten aus Pistoia und Umgebung eröffnet. 14 Händler sind zum 14. Markt dieser Art angereist. Bis Sonntagabend kann man in italienischen Genüssen schwelgen.

Einige Händler der „ersten Stunde“ sind noch heute dabei. „Damals war es noch kein Markt, sondern ein Austausch der Metzger“, sagte Sanja Falkone, die am Stand der Brüder Lunardi mithilft. „Es macht Spaß dabei zu sein“, so Riccardo Lunardi. „Wer in Reutlingen war, hat in der Heimat Werbung für den Markt gemacht.“ Auf diese Weise seien immer neue Händler hinzugekommen. Nach den Anfängen an der Nikolaikirche wurden die italienischen Produkte zunächst auf dem Marktplatz und im Spitalhof angeboten. Typisch seien kleine Betriebe, die alles noch in Handarbeit herstellten.

„In Pistoia gibt es umgekehrt auch einen Schwäbischen Markt“, sagte Finanzbürgermeister Alexander Kreher. So würden beispielsweise Mutscheln in den Süden exportiert. Mit einem „Buon giorno a tutti, è un grande piacere!“ begrüßte Kreher die Gäste. „Wir sind glücklich, unsere Freunde willkommen heißen zu können.“ Der Markt sei eine wunderschöne Möglichkeit, Europa zu leben und zu sehen, wie auf kommunaler Ebene die Beziehung zwischen Deutschland und Italien funktioniere. Die Freundschaft ruhe auf einem breiten Fundament. Gemeinderäte aller Fraktionen seien gekommen, die Volkshochschule trage unter anderem mit Sprachkursen zur Verständigung bei. Kreher dankte Tanja Ulmer vom Stadtmarketing und der Deutsch-Italienischen Gesellschaft für ihren Einsatz. „Viele Reutlinger und Gönninger waren bereits in Pistoia. Ich kann Ihnen nur raten, selbst einmal hinzufahren.“

„Es sind im Lauf der Zeit viele Freundschaften entstanden“, sagte Ulmer. „Es gibt einen Schüleraustausch, die Chöre besuchen sich, beim Orgelsommer gab es italienische Gastmusiker.“ Mit Hilfe des Marktes könne man „ein bisschen Urlaub schmecken“. Das passe zum „Jahr des Genusses“ des Tourismusverbandes.

„Vor 20 Jahren begann die Beziehung zu Pistoia und wächst seitdem kontinuierlich weiter“, sagte Dr. Ulrich Bausch, Geschäftsführer der Volkshochschule. „Dass beide Seiten den Austausch wollen, macht die Städtefreundschaft aus.“ Thomas Becker (VHS) informierte über das Rahmenprogramm. Bewusst habe man den Markt terminlich so gelegt, dass die Freunde aus Italien den verkaufsoffenen Sonntag und die Tulpenblüte in Gönningen miterleben könnten. Begleitend zum Markt finden über die VHS ein Workshop mit toskanischer Hausmannskost, eine Fotoausstellung von Andrea Alfieris und „Quattro passi in musica – Italienische Opernschätze“ statt.

Claudia Roos-Bazzani, in Italien verheiratete Reutlingerin und seit 25 Jahren Präsidentin der deutsch-italienischen Gesellschaft „Stammtisch“ in Pistoia, hatte damals die Verbindung beider Städte initiiert. Sie dankte den Fraktionen des Gemeinderats, die den „Geist der Verständigung“ unterstützten. „Das brauchen wir jetzt in Europa.“