Reutlingen Es wird ein heißer Sommer

Auf der provisorischen Theaterbühne im Kunstverein versammelt: fünf von sieben Vorstands-Mitgliedern in der Reutlinger Regionalgruppe der Künstlerinnen-Gemeinschaft Gedok - (von links) Barbara Thom-Kollross, Tanja Niederfeld, Agnete Bauer-Ratzel, Ulrike Holzapfel und Izumi Yanagiya.
Auf der provisorischen Theaterbühne im Kunstverein versammelt: fünf von sieben Vorstands-Mitgliedern in der Reutlinger Regionalgruppe der Künstlerinnen-Gemeinschaft Gedok - (von links) Barbara Thom-Kollross, Tanja Niederfeld, Agnete Bauer-Ratzel, Ulrike Holzapfel und Izumi Yanagiya. © Foto: Ulrike Franz
ULRIKE FRANZ 30.03.2015
Was die Reutlinger Künstlerinnen-Gemeinschaft Gedok 2015 alles plant: Bei einem Pressegespräch im Kunstverein Eberhardstraße stellte die Erste Vorsitzende Agnete Bauer-Ratzel das Jahresprogramm vor.

Absoluter Schwerpunkt im Jahresprogramm der Gedok-Regionalgruppe ist die Bundestagung am 13./14. Juni. Sie findet schon zum zweiten Mal in Reutlingen statt. Doch anders als 2000 wird die Gedok Reutlingen weit mehr und intensiver an die Öffentlichkeit treten: mit einem üppigen Rahmenprogramm, in monatelanger Vorbereitung zusammengestellt. Es umfasst Preis-Verleihungen, Empfänge, Konzerte und mehrere Ausstellungen, die sich im Stadtzentrum um die organisatorischen und verbandsinternen Arbeitstreffen gruppieren. Alle 26 Regionalgruppen aus dem ganzen Bundesgebiet werden zusammenkommen. Die 80 bis 100 erwarteten Tagungsgäste sollen hier eine anregende Umgebung vorfinden, die Austausch und Kommunikation fördert.

Bei den Vorbereitungen, berichtet die 1. Vorsitzende Agnete Bauer-Ratzel, sei es eine besondere Herausforderung gewesen, all die "hochkomplizierten Kooperationsebenen zusammen und unter einen Hut zu bringen". Bauer-Ratzel kümmert sich mit viel Herzblut um die organisatorischen Belange der 1951 gegründeten Reutlinger Regionalgruppe. Der traditionsreiche Dachverband der Künstlerinnen-Vereinigung Gedok ist bereits 1926 in Hamburg entstanden.

Ganz im Zentrum dieses bundesweiten Treffens steht ab 12. Juni eine Ausstellung zur Verleihung des mit 20 000 Euro vergleichsweise hoch dotierten Klaus Oschmann Preises. Dessen Witwe Elke G. Oschmann hatte 2005 den Preis "Gedok FormART" gestiftet und ihn im Gedenken an ihren verstorbenen Mann benannt. Die Stiftung fördert speziell die angewandte Kunst, eine Kunstsparte, in der Frauen schon von jeher stark vertreten waren. Es geht hierbei um Formen der angewandten Kunst, deren künstlerischer Charakter aber weit über den Gebrauchswert der Arbeiten hinausweist. Das bislang eher belächelte "Kunsthandwerk" soll somit mehr und mehr dem Anspruch eigenständiger Kunst gerecht werden.

Von den im Januar bundesweit eingegangenen 82 Bewerbungen wurden 27 ausgewählt. Die drei ersten Preisträgerinnen werden einen Teil des Preisgeldes erhalten. Davon wird auch die Ausstellung samt Katalog finanziert. Für die Präsentation der Arbeiten aus den Bereichen Schmuck, Textil, Keramik, Glas, Leder und Papier stellt das Reutlinger Kunstmuseum Spendhaus seine Räume in der Städtischen Galerie zur Verfügung und organisiert in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband und der Region federführend die Ausstellung. Die Preisverleihung geht im kleinen Saal der Stadthalle über die Bühne, danach wird die Ausstellung eröffnet.

Die Regionalgruppe der Gedok wird sich schon einen Monat vorher bemerkbar machen: am Dienstag, 12. Mai, startet die breit angelegte und dennoch jurierte Ausstellung für alle Mitglieder der Region Reutlingen - zu sehen in der Volkshochschule und in der Stadtbibliothek. Der Titel "Gedok in Form und Farbe" lässt viel Spielraum, um auch individuelle Entwicklungsphasen der einzelnen Künstlerinnen präsentieren zu können. Hinzu kommen noch zwei umfangreiche Einzelpräsentationen: ab 11. Juni bis 11. Juli zeigt Tanja Niederfeld großformatige Malerei in der Galerie im Gewölbe (Osiander). Zum 100. Geburtstag der vor zwei Jahren verstorbenen Reutlinger Künstlerin Gude Schaal richtet die Gedok eine große Retrospektive aus - ab 14. Juni bis 2. Juli in der Kreissparkasse am Marktplatz.

Neue Arbeiten der Sparte Literatur und Musik - Kompositionen und Texte - werden als "literarisch-musikalische Begegnung" bei einem Konzert in der Stadthalle vorgestellt am Samstag, 13. Juni, 20 Uhr.

Für die Jahresausstellung "Neue Wege" ab 11. November steht wegen des Rathaus-Umbaus nur der Spitalhof zur Verfügung. Um mit diesen Einschränkungen klarzukommen, wird das Herbstkonzert - entgegen der Tradition - außerhalb der Ausstellung am 24. Oktober stattfinden. Wie die Teilnahme der Gedok an der Kulturnacht 2015 aussieht, ist noch offen. Je nachdem, wie viel Energie nach diesem gespickten Sommer noch übrig ist, wird sie sich wohl auf Einzelaktivitäten beschränken.

Die Umbruchsituation der gesamten Kulturszene in Reutlingen scheint der Gedok Aufwind zu verleihen. Der akute Mangel an geeigneten Räumen scheint die derzeit sehr vitale Gedok-Truppe sogar zu vermehrtem Engagement zu motivieren: Not macht erfinderisch.

Mehr zum Gedok-Jahresprogramm auf www.gedok-reutlingen.de.