Lichtenstein Es soll ein Park der Stille sein

Folgenutzung: Der alte Friedhof Oberhausen soll ein würdevoller „Park der Stille“ werden.
Folgenutzung: Der alte Friedhof Oberhausen soll ein würdevoller „Park der Stille“ werden. © Foto: Jürgen Herdin
JÜRGEN HERDIN 08.07.2016
Soll eine Urnen-Grabstätte geschaffen werden, oder kommt ein  Park der Stille? Die Räte entschieden sich gegen die erneute Nutzung als Friedhof.

Dass es eine umsichtige Folgenutzung des alten Friedhofs Oberhausen am Eingang zum Reißenbachtal werden sollte, darüber waren sich die Gemeinderäte einig. Jedoch stand im Rahmen der Bürgerbeteiligung und nach einem Vorort-Termin Anfang November auch die Nutzung als neu zu schaffende Urnengrabstätte zur Diskussion. Etwas unverbindlicher war der Gedanke, ihn zu einem „Treffpunkt für Jung und Alt“ umzugestalten – was verworfen wurde.

Fertige Vorschläge hatte die Gemeinde Lichtenstein nicht, was den Gottesacker im ehemaligen Orsteil Oberhausen angeht. Sigrun Hinderer vom Ortsbauamt hatte die Ideen und Gedanken der Bürgerschaft gesammelt und klar gemacht, dass auch in der Folge einer Entscheidung die Bürgerbeteiligung weiter gehen werde. Handelt es sich doch um ein „Starterprojekt“ im Rahmen des Gemeinde-Entwicklungskonzepts.

Nun entschied der Gemeinderat, dass ein – noch mit Inhalten auszufüllender – „Park der Stille“ die beste Lösung sein könnte. Die Idee, den Friedhof gewissermaßen wieder als solchen zu „eröffnen“, dies durch das Anlegen von Urnengräbern, wollte die Mehrheit im Rat nicht.

Dabei hatten die Befürworter dieser Lösung angeführt, dass der Trend zu Feuerbestattungen zunehme, es jedoch auf dem Friedhof im Ortsteil Unterhausen viel zu wenige Urnenstätten gebe. Das brachte Susanne Kromer (Grüne) auf den Gedanken, die alte Ruhestätte in Oberhausen wieder als Friedhof zu nutzen. Der Zugang dort sei immer schon schon barrierefrei gewesen.

Einwände dagegen gab es aber eine Menge. Vor allem würde es in der Reißenbachstraße kaum Parkplätze geben. Bei einer Urnenbestattung wollten jedoch für gewöhnlich viele Menschen anwesend sein.

Arnold Sendler (Grüne) sprang seiner Fraktionskollegin bei: Man könne doch die benachbarte Neuapostolische Gemeinde bitten, dann ihren Parkraum zur Verfügung zu stellen. „Der aufgelockerte Stil eines Friedhofs ist ja auch kommunikativ“, so Sendler, dem Lorenz Allramseder (CDU) beipflichtete:  „Eine Urnengrabstätte und ein Park der Stille sind doch keine Gegensätze“.

Sigrun Hinderer bestätigte auf Anfrage, dass der Friedhof Oberhausen als Grabstätte noch nicht offiziell „entwidmet“ sei. Einer rein formalen Genehmigung des Regierungspräsidiums Tübingen würde an sich nichts im Wege stehen, so Hinderer.

 Aus ganz praktischen und verkehrlichen Gründen sprachen sich jedoch nicht nur Alfons Reiske (SPD) und seine Fraktionskollegin Andrea Henning gegen die weitere Nutzung als Friedhof aus. Es müssten dort dann auf jeden Fall auch Toiletten eingerichtet werden, was kaum realisierbar sei.

Und so entschied sich die Mehrheit für das Projekt „Park der Stille“. Ideen gibt es schon einige: So hatte der Künstler Siegfried Benndorf beim Ortstermin schon Zeichnungen und Skizzen dabei, wie das Areal in angemessener Weise modelliert werden könnte, mit neuen Sitzplätzen und Pflanzen, was Benndorf bereits sehr pietätvoll arrangiert hatte.

Dieser Beitrag wird sicherlich im Gespräch bleiben, denn eines steht fest, darin waren sich alle Beteiligten einig: Mit der Umnutzung muss auf dem alten Friedhof der Charakter eines Ortes der Besinnlichkeit beibehalten werden.