Reutlingen / Von Ralph Bausinger

Im zentralen Punkt waren sich Thomas Keck, Dr. Christian Schneider und Dr. Carl-Gustav Kalbfell beim ARS-Sporttalk am Montagabend im franz.K einig: Alle drei OB-Kandidaten wollen den Sport in der Achalmstadt stärken und ihn finanziell besser stellen. Schneider und Kalbfell wollen darüber hinaus den Sport zur Chefsache machen. Und auch Keck sieht hier Reformbedarf. Alle drei haben vor, sich mit der ARS an einen Tisch zu setzen und zu überlegen, wie man zu einer schlagkräftigen Förderung gelangen kann.

Schneider regte beispielsweise an zu überlegen, ob die Stadt nicht etwas auf die Übungsleiterpauschale von 500 Euro drauflegen könnte. Daneben möchte der von der CDU unterstützte Kandidat eine personelle Aufstockung des Sportamtes prüfen, über Hallenöffnungen auch in den Ferien nachdenken und die ARS stärken. „Sie sind das Sprachrohr der vielen Vereine“, lobte der 54-jährige Jurist, der  die Einführung eines Reutlinger Sporttages mit Angeboten mitten in der Stadt vorschlug.

Das Sportamt personell aufzustocken – zu dieser Forderung wollte sich Keck, wie er sagte,  „nicht hinreißen“ lassen. Dennoch geht auch der von der SPD unterstützte Kandidat davon aus, dass der Weg zu einer stärkeren Professionalisierung des Breitensports führen wird, was wiederum mehr hauptamtliche Mitarbeiter und eine höhere öffentliche Förderung bedeuten würde. Diese stehe aber unter Finanzierungsvorbehalt. Stattdessen kann sich Keck durchaus vorstellen, einer finanziell besser ausgestatteten ARS mehr Verantwortung zu übergeben. Eine Idee, die der von der FDP unterstützte Kalbfell sofort aufgriff.

Ein weiteres Thema war der ARS-Geschäftsführerin Jutta Fundel angesprochene Sanierungsstau bei den Sportstätten. Kalbfell, Keck und Schneider stimmten überein, dass es zwar gute Sportstätten gebe, dass aber noch einiges gemacht werden müsse. Alle drei sind überzeugt, dass Reutlingen mehr Schwimmflächen braucht – am besten ein wettkampfgerechtes Bad mit 50-Meter-Bahnen. Während Schneider über die Frage Abriss oder Neubau des Achalmbades sinnierte, konnte sich Keck, der auf gar keinen Fall ein Spaßbad möchte, einen Abriss des Bades in der Albstraße nicht vorstellen. Für Kalbfell wäre ein Kombibad im Markwasen eine gute Lösung.

Alle drei Kandidaten sehen durchaus die Notwendigkeit für eine Großsporthalle, die gemeinsam mit umliegenden Kommunen wie Metzingen und/oder Tübingen realisiert werden könnte, wofür Schneider plädierte. „Kirchturmdenken hilft uns hier nicht weiter.“ Und auch Keck räumte ein, dass die interkommunale Zusammenarbeit in der Vergangenheit nicht die „größte Rolle gespielt habe. Das ist ein Versäumnis.“ Konkrete Zusagen, eine Großsporthalle zu bauen, machte jedoch keiner der Kandidaten.

Dr. Karsten Amann, Grünen-Stadtrat und Präsident des SSV Reutlingen, erinnerte daran, dass in den vergangenen Jahren sehr viel Geld in die Sanierung von Sportstätten investiert worden sei. Zwar sehe auch er Kapazitätsbedarf für ein Schwimmbad, man müsse sich aber auch überlegen, ob alle Versprechungen gehalten werden können. Neben einmaligen Investitionskosten gelte es, die permanenten Betriebskosten im Blick zu behalten. „Für zehn Millionen Euro bauen wir ein sehr schönes Schwimmbad“, hielt Bader dagegen und spielte auf die Kosten für den Theaterneubau an.

„Egal wer’s wird: Wir werden tief einsteigen müssen“, betonte  Keck in seinem Schlussstatement. Er schätze Barbara Boschs Arbeit sehr: Aber: „Die Zeit schreitet voran. Wir müssen Neues wagen.“ Sein Kontrahent Kalbfell forderte nicht nur eine Zukunftswerkstatt Sport, er will auch analog dem Sozial- und Kulturfonds einen mit 100 000 oder auch 200 000 Euro ausgestatteten Sportfonds einrichten.

Für Schneider muss der „Sport den Stellenwert bekommen, den er in Reutlingen auch verdient“. Schließlich handle es sich um kommunale Daseinsfürsorge. Ehrenamt und Vereine seien, betonte der CDU-Kandidat, die tragenden Säulen des gesellschaftlichen Zusammenhalts.

Der Dialog zwischen Sportvereinen und der ARS müsse unter einem neuen Oberbürgermeister intensiviert werden. „Sie werden von uns hören“, kündigte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft in seinem Schlusswort an.

Sportvereine haben 29 000 Mitglieder

Ein Viertel der Reutlinger Bevölkerung – 19 000 Erwachsene und 10 000 Kinder – sind in Sportvereinen organisiert, sagt ARS-Vorsitzender Thomas Bader. Rund 1500 Ehrenamtliche bringen sich als Übungsleiter oder Funktionäre in den rund 80 Sport treibenden Vereinen in der Stadt ein.

Die Vereinsmitglieder stellen somit ein beachtliches Wählerpotenzial dar, auf das kein Bewerber verzichten kann. rab