Reutlingen Es hat nicht mehr gepasst

Als Kandidat für Barbara Boschs Nachfolge tritt Dr. Karsten Amann nicht an, dafür wechselt er zu den Grünen.
Als Kandidat für Barbara Boschs Nachfolge tritt Dr. Karsten Amann nicht an, dafür wechselt er zu den Grünen. © Foto: Karsten Amann
Dr / Von Ralph Bausinger 10.11.2018

Dr. Karsten Amann definiert seine „künftige Rolle in der Kommunalpolitik“ neu. Der 45-jährige  Rechtsanwalt sieht seine neue politische Heimat bei den Grünen und Unabhängigen. Er erläuterte gestern Nachmittag in einem Pressegespräch im Kaffeeehäusle den Prozess, was ihn zu diesem Schritt bewogen hat.

Nachdem Oberbürgermeisterin Barbara Bosch Ende Juni ihren Verzicht auf eine erneute Kandidatur erklärt hatte, hätten ihn viele Leute aus der Kommunalpolitik, aber auch aus der Verwaltung, dem sportlichen und kulturellen Bereich aufgefordert, zu kandidieren. Als politischer Mensch habe er sich sehr über den Zuspruch gefreut. Was dazu führte, dass ein „gewisses Feuer“ für die neue Aufgabe entfacht wurde.

Mitte Oktober seien dann der Reutlinger Grünen-Landtagsabgeordnete Thomas Poreski und der frühere Stadtrat der Grünen, Rainer Buck, an ihn herangetreten. Sie wollten wissen, ob Amann sich vorstellen könne, als unabhängiger Kandidat anzutreten, der von den Grünen unterstützt werde. Diese Idee habe einen „unheimlichen Reiz auf mich entfaltet, die Idee als OB-Kandidat anzutreten, habe mich elektrisiert“, sagte Amann.

Die Zeit von Mitte Oktober bis heute „waren die intensivsten Wochen meines Lebens“. Er sei nahe daran gewesen, sich auf das Angebot der Grünen einzulassen. Den Ausschlag, es nicht zu tun, hätten private Gründe gegeben. „Es war die schwerste Entscheidung meines Lebens, aber es war eine Entscheidung für die Familie“, betonte Amann.

In den Gesprächen mit Poreski und Buck, aber auch mit anderen Politikern der Grünen habe man sich auch inhaltlich angenähert. Diese Annäherung auf der einen, bei gleichzeitiger Entfremdung auf der anderen Seite, führte letztlich zu Amanns Entscheidung, die CDU-Gemeinderatsfraktion zu verlassen und sich den Grünen und Unabhängigen anzuschließen. Das bedeutet auch den Austritt aus der CDU.

„Ich habe in den letzten Wochen und Monaten gespürt, dass es für mich in der eigenen Fraktion nicht mehr passt“, analysiert  Amann die Gründe. So habe er schon früher Sympathien für inhaltliche Positionen der Grünen empfunden. Als Beispiele nannte der passionierte Radfahrer Themen wie moderne Mobilität, die Stadtentwicklung, die Transparenz bei Tochterunternehmer der Stadt oder auch Haltung zeigen für eine liberale und offene Stadtgesellschaft“.

Dennoch fiel dem 45-Jährigen, wie er sagt, die Entscheidung nicht leicht, die CDU zu verlassen, für die er seit 1999 im Gemeinderat sitzt. Er habe den Wunsch, zu den Grünen und Unabhängigen zu wechseln, auch mit keinerlei  Forderungen verbunden, sagte der Rechtsanwalt.

Seine bisherigen Fraktionskollegen hat Amann gestern Nachmittag in einer Sondersitzung vor der Pressekonferenz informiert. Das Gespräch, in dem er seine Gründe dargelegt habe, sei in einer „sehr respektvollen Atmosphäre verlaufen“, sagte Amann.

Rainer Löffler nimmt Stellung

„Die CDU-Fraktion hat seine Entscheidung mit Respekt und großem Bedauern aufgenommen und sich für seine Arbeit für die CDU-Fraktion in den vergangenen fast 20 Jahren bedankt“, schreibt  der Fraktionsvorsitzende Rainer Löffler. Amanns hoher Sachverstand werde der CDU fehlen.

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