Wer wissen wollte, was eine Elektrikerlehre mit einer Wuchtl zu tun hat, wurde von Michael Mittermeier in seinem aktuellen Programm aufgeklärt. Es ist 22 Jahre her, dass Mittermeier auf einer Reutlinger Bühne stand, und zwar auf der des Naturtheaters. Nun war er mit „Lucky Punch – die Todes-Wuchtl schlägt zurück“ wieder zu Gast. Gleich zu Beginn zeigte der 52-Jährige, aus welchem Genre er kommt: Stand-up.

Ein Mäzen, der die Karten gezahlt hat?

Zu Beginn gab es nicht allein eine Anekdote aus Mittermeiers Privatleben, sondern auch den einen oder anderen Schwabenwitz. So schlussfolgerte der Stand-up-Komiker, dass es wegen der Sparsamkeit keinen schwäbischen Nikolaus geben könne. Kommentiert wurde das mit einem herzhaften Lachen seitens des Publikums. Zunächst musste aber der „Heilige Geist“ dafür herhalten: Er sei der katholische Pumuckl, befand der 52-Jährige. Schließlich würde der Heilige Geist in Bayern für so manchen Schabernack verantwortlich gemacht werden. Dabei stellt sich die Frage: Wenn Eltern ihren Kindern erzählen: „Der heilige Geist war es“, sind das dann die ersten Fake News, die publik gemacht wurden? Bei diesem Thema darf selbstredend ein Name nicht fehlen: Donald Trump. Manche Menschen hätten gar in den vergangenen Jahren eine Trumpophobie entwickelt. Mittermeier selbst bezeichnete den amerikanischen Präsidenten als jemanden, der seine Orangenhaut mitten im Gesicht trägt, wobei auch die Rede von einer „Hosenburka“ war. Das Reutlinger Publikum zollte dieser Erklärung nicht nur Applaus, sondern auch viele Lacher. Im Besonderen als Mittermeier sagte: „Ich verneige mich vor dem Komiker“.

Trumpophobie in der Stadthalle

Es braucht schon einen Donald Trump, der der Auffassung war, man müsse Lehrer bewaffnen, um Schulen sicherer zu machen. Aber nicht jeden Lehrer, am besten noch ehemalige Marines. Semper fi. Auf die Frage: Sind Lehrer im Publikum? War es zunächst ruhig in der Reutlinger Stadthalle. Nach kurzer Zeit meldete sich ein Mann. „Welches Fach?“, fragte Mittermeier, die Antwort: „meine Frau“. Die Grundschullehrerin war aber nicht allein, irgendwo im Saal saßen noch Technik- und Biologielehrer. Michael Mittermeier machte sich eine Freude daraus, die gängigen Lehrersprüche auszuteilen, darunter auch der Klassiker: Nicht mit einer Gegenfrage zu antworten.

Reutlingen Michael Mittermeier in der Stadthalle

Raus- statt Reinwählen

In gewohnt sprunghafter Art hüpfte der Komiker über die Bühne, verzog sein Gesicht und teilte einen Punch nach dem anderen aus. Und es wäre nicht Mittermeier, wenn es nicht auch einen christlichen Seitenhieb geben würde: „Es ist eine Politik der offenen Grenzen, es gibt keine Volldeppen-Quote“, beschrieb er den Himmel. Bevor sich die Deppen aber dahin aufmachen würden, landen sie erst mal im Fernsehen: Wie beim „Bachelor“. Dort treffen „25 paarungsbereite Girls, die Bitchies“ auf einen Junggesellen, bis letztlich nur noch eine übrig bleibt. Das System des Rauswählens würde Mittermeier zufolge auch die Wahlbeteiligung der doch eher politikverdrossenen Deutschen steigern.

Von Sicherungen und Elektrikern

Aber was hat das alles mit einer Wuchtl, einer österreichischen Pointe, zu tun? Ganz einfach: Dieser Pointe ist nichts entgegenzusetzen. Zur Erklärung: Als Michael Mittermeier in Österreich in einem Biergarten saß und das Licht ausfiel, kam ihm der Gedanke: Das hat der Kellner jetzt mit Absicht gemacht, damit wir gehen. Als der Mann wieder an den Tisch kam und das Tablett abstellte, hakte der Komiker wegen des Lichtes nach. Wahrscheinlich hatte Mittermeier mit vielen Antworten gerechnet, aber nicht mit einer Wuchtl: Der Kellner stellte klar, dass er schnell eine Elektrikerlehre machen würde, dann käme er wieder und schaltet das Licht an, denn es war wohl eine Sicherung herausgeflogen, von Absicht keine Spur.

Der glückliche Schlag

Wobei ein „Lucky Punch“ der Schlag ist, den der unterlegene Gegner im Boxsport macht und damit gewinnt. So war auch das Programm aufgebaut, Schlagabtausch folgte auf Schlagabtausch bevor es an die Wuchtln ging. Wer beim Nasebohren in der U-Bahn erwischt wird, kann locker mit „das zieht sich“ kontern und weitermachen. „Eine echte Wuchtl braucht eben Herz und Leidenschaft“, betont Mittermeier.

Pro oder Kontra Aquaman?

Nach den Politikern, Poplern, der Zwiebelkönigin und Lehrern waren auch die neuen Superhelden ein gefundenes Fressen für den Komiker. Wobei es Aquaman besonders schwer traf. Von einem Helden, der sich so nennt, erwarte man die Fähigkeit, unter Wasser atmen zu können, für mehr reiche es wohl aber nicht. Kein Vergleich also zu den klassischen Superhelden wie Batman und Superman. Obwohl das Publikum allerdings einen Narren an Aquaman gefressen hatte. Immer wieder fiel der Name aus den Zuschauerreihen. Kommentierte wurde das von Mittermeier oft mit einem wohlbekannten Augenrollen.

Ein Video als Geschenkle

In seiner Zugabe stellte sich der 52-Jährige den Fragen des Publikums, bevor er sein Abschiedsgeschenk für das Reutlinger Publikum in Angriff nahm: ein Video. Fehlen durften hierbei weder Aquaman, Spätzle noch das Naturtheater, wo Mittermeier 1997 auftrat. „Ich befinde mich heute im Epizentrum der Kässpätzle, Reutlingen. Das ist hardcore Schwaben“.

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