Reutlingen Es geht weiter aufwärts

Der Vorstand der Wafios AG Martin Holder (Produktion), Dr. Uwe-Peter Weigmann (Vorstandssprecher) und Vertriebschef Dr. Christoph Müller-Mederer zeigten sich sehr zufrieden über das Jahresergebnis für 2015.
Der Vorstand der Wafios AG Martin Holder (Produktion), Dr. Uwe-Peter Weigmann (Vorstandssprecher) und Vertriebschef Dr. Christoph Müller-Mederer zeigten sich sehr zufrieden über das Jahresergebnis für 2015. © Foto: Norbert Leister
Reutlingen / NORBERT LEISTER 23.07.2016
Während der Beginn des vergangenen Jahres noch düstere Wolken am Horizont für Wafios parat hatte, geht die Entwicklung seitdem steil nach oben.

Die Sonne scheint seit dem zweiten Halbjahr 2015 wieder über dem Reutlinger Maschinenbau-Unternehmen Wafios. Dabei hatte es zu Beginn des vergangenen Jahres gar nicht gut ausgesehen. „Es war ruhiger angelaufen“, betonte Vorstandssprecher Uwe-Peter Weigmann am gestrigen Freitag während eines Jahrespressegesprächs. Gegriffen hatte damals allerdings eine mit der IG Metall abgestimmte Betriebsvereinbarung: Die heute insgesamt 612 Mitarbeiter in den drei Werken am Standort Reutlingen sowie 90 in Marktredwitz konnten bis zu 150 Minusstunden sammeln, gingen an einigen Tage früher nach Hause – bei vollem Lohnausgleich.

Gleichzeitig können sie auf ihrem Arbeitszeitkonto aber auch bis zu 300 Plusstunden sammeln, die sie bei eventuell schlechterer Lage dann wieder „abfeiern“. Ob die Beschäftigten damit ohne Murren umgingen? „Natürlich gab es Gespräche, aber wir hatten das Glück, dass damals schon deutliche Anzeichen da waren, dass die Nachfrage wieder anziehen wird“, sagte der Vertriebsleiter der Wafios AG, Christoph Müller-Melderer. „Unsere Mitarbeiter haben sehr schnell geschätzt, dass wir nicht mit Kurzarbeit kamen“, betonte auch Produktionsleiter Martin Holder.

Ungefähr die Hälfte der angesammelten Minusstunden sei mittlerweile wieder abgebaut, im ersten Halbjahr 2016 boomt das Geschäft – wie auch schon im zweiten Halbjahr 2015. Der Umsatz der AG für das vergangene Jahr sank zwar um 1,2 Prozent auf rund 117 Millionen Euro, „das lag aber allein an der Verlagerung des Nagelprogramms zum Tochterunternehmen der Wafios Umformtechnik nach Wuppertal“, so Weigmann. Im Konzern mit den Standorten WPT Reutlingen, WTA Simonswald / Apolda, Wafios Umformtechnik Wupptertal und den Auslandsstandorten in Brasilien, USA und China beschäftigt die Wafios-Gruppe insgesamt fast 950 Mitarbeiter, 2014 waren es 886.

2015 belief sich der Gewinn auf 4,8 Millionen Euro „und lag damit 32 Prozent über Plan und ist im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent gestiegen“, so Uwe-Peter Weigmann. Dieses Ergebnis sei nach dem verhaltenen Start in 2015 nicht zu erwarten gewesen, für das laufende Jahr prognostiziert der Vorstand eine moderate Steigerung des Umsatzes. Extrem positiv entwickle sich die Position von Wafios in den USA und in Mexiko, „das ist einer der spannendsten neuen Auslandsmärkte“, so Müller-Melderer. Gut laufe auch das Geschäft in China, dort hat das Reutlinger Unternehmen im vergangenen Jahr eine Produktionsgesellschaft gegründet, die vor allem den asiatischen Markt bedienen soll.

Als weniger gut entwickeln sich nach den Worten des Vertriebschefs hingegen die Nachfragen aus der Türkei – was vor allem mit Restriktionen dort seit zwei Jahren zusammenhänge. Ähnlich sei der russische Markt zu sehen, „Brasilien ist ganz schlimm, das fehlt uns richtig“, so Müller-Melderer. In den Iran setzt Wafios jedoch große Hoffnung, „die anderen Automotive-Firmen sind schon da, für uns kann das Motto also nur lauten – hingehen“. Zwei Neugründungen sowie zwei Firmenzukäufe im vergangenen Jahr seien in der Gruppe getätigt worden, weil der Maschinenbauhersteller für das Biegen, Winden und Richten von Draht und Rohren „nach einem sehr klaren Wachstumsplan vorgeht“, sagte Martin Holder.

Wichtig sei aber auch die Weiterentwicklung im Bereich von IT und Software, so Weigmann. Mit sogenannte iQ-Lösungen bietet das Reutlinger Unternehmen die Möglichkeit der weltweiten Vernetzung von Maschinen zur Produktivitätssteigerung und zu Problemlösungen. Dafür hat Wafios erst vor kurzem den „Industriepreis 2016“ kassiert. „Wir haben schon in diesem Feld geforscht und Lösungen gefunden, bevor es den Begriff Industrie 4.0 überhaupt gab“, sagte Weigmann nicht ohne Stolz.