Reutlingen Es geht an die Parkplätze

Carola Eissler.
Carola Eissler. © Foto: Kiehl
Reutlingen / Carola Eissler 20.01.2018

Reutlingen wird sich verändern. Das Urteil des Sigmaringer Verwaltungsgerichts vom Oktober 2014, initiiert von der keineswegs unumstrittenen Deutschen Umwelthilfe, schlägt jetzt richtig durch. An Reutlingens schmutzigster Ecke, der Lederstraße, wurde die Messstation aufgestellt, um die Schadstoffwerte der Stadt zu messen und einzuordnen. Zwar sieht es schon 50 Meter weiter entfernt davon ganz anders aus, aber das interessiert nicht. Die Werte müssen runter, die Stadt muss einen Maßnahmenkatalog vorlegen und entsprechende Veränderungen in der Stadt durchsetzen. Den vorgeschlagenen Maßnahmenkatalog zur vierten Fortschreibung des Luftreinhalteplans des Regierungspräsidiums hat die Verwaltung am Donnerstagabend in den Bau-, Verkehrs- und Umweltausschuss eingebracht, das letzte Wort hat dann der Gemeinderat.

Die Autofahrt durch die Stadt soll unattraktiver werden. Möglicherweise durch Spurverengungen am Hohbuch-Knoten und auf der Konrad-Adenauer-Straße. Und es soll ein Durchfahrtsverbot für Lkw geben. Kontrollieren müsste das die Polizei, weil das städtische Ordnungsamt nur für den ruhenden Verkehr zuständig ist. Die Polizeibeamten werden sich freuen, wird doch bereits landauf landab beklagt, dass das Personal kaum ausreiche, um der steigenden Kriminalität hinterherzukommen. Ob da noch Polizisten abgestellt werden können, die durchfahrende Lastwagen kontrollieren?

Und dann gibt es freilich noch das Ansinnen, Bürger auf den ÖPNV umzulenken und die Innenstadt für Autos möglichst unattraktiv zu machen. Zum Beispiel durch höhere Parkgebühren, durch eine Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung bis ins Ringelbachgebiet und durch die Reduzierung der öffentlichen Parkflächen um zehn Prozent. Ob dies vom Einzelhandel in der Stadt und dessen Verbandsvertretung unwidersprochen hingenommen wird, bleibt abzuwarten. Den Schwarzen Peter dürften allerdings einmal mehr vor allem die Angestellten in der Innenstadt haben. Denn sie finden keine Parkplätze, die Wartelisten für die Anmietung von Stellflächen in der Innenstadt sind lang. Eine Erhöhung der Parkgebühren wird auch die Frauen treffen, die vor allem im Einzelhandel als Minijobber oder als Teilzeitkräfte ihren Unterhalt verdienen. Ihnen zu sagen, sie sollen dann eben auf den Bus umsteigen, ist unrealistisch.

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