Reicheneck Erwin Bleher ist tot

Lebte und liebte die Geschichte: Erwin Bleher ist im Alter von 88 Jahren gestorben.
Lebte und liebte die Geschichte: Erwin Bleher ist im Alter von 88 Jahren gestorben. © Foto: Archiv
Reicheneck / PETER BUSSMANN 07.07.2016
Der frühere Bezirksbürgermeister von Reicheneck, Erwin Bleher, ist am vorigen Donnerstag mit 88 Jahren gestorben. Er wird heute um 14 Uhr beerdigt.

Erwin Bleher war heimatverbunden. Er hatte sogar zwei Heimaten. Seiner zweiten, Reicheneck, hat er nicht nur 28 Jahre bis Ende 1999 als Bezirksbürgermeister vorgestanden. Dabei sei er mehr zufällig ans Bürgermeisteramt des damals noch selbstständigen 300-Seelen-Weilers gekommen, als Nachfolger seines Schwiegervaters Paul Kehrer nämlich, erzählte sein Amtsnachfolger Johann Scheuer bei Blehers 80.Geburtstag. Bleher trat das Ehrenamt mitten in den Eingemeindungsverhandlungen in den frühen 70ern an, was ihm die Möglichkeit gab, sich gegen die Zuordnung Reichenecks hinüber nach Bempflingen und Pliezhausen stark zu machen. Er brachte 96 Prozent „seiner“ Reichenecker dazu, sich für Reutlingen auszusprechen. Dies habe die kleinste Gemeinde der Großstadt nie bereut. Unter Blehers Ägide entwickelte sich der Stadtteil im Norden zu einem begehrten, lebendigen Wohnort mit über 900 Einwohnern.

Diese Entwicklung hat Bleher selbst 2006 dokumentiert in der 188 Seiten starken Chronik  „Reicheneck – Ein Dorf in der Großstadt Reutlingen“ mit rund 360 Fotos.

Dabei lagen Erwin Blehers Wurzeln auf der Alb. Gruorn war seine erste Heimat, hier wurde er am 19. November 1927 geboren. Als das Dorf dem Truppenübungsplatz weichen musste, verließ auch Bleher als Elfjähriger 1938 mit seiner Familie das Dorf. Doch Gruorn hat er immer die Treue gehalten, nahm an den seit 1968 dort abgehaltenen Pfingsttreffen teil und half als Gründer des Gruorn-Komitees beim Wiederaufbau.

Bleher, der gelernte Werkzeugmacher, war mit 17 zum Reichsarbeitsdienst gekommen und war an die Westfront geschickt worden. Nach der amerikanischen und französischen Kriegsgefangenschaft fand er Lohn und Brot bei Wandel?&?Goltermann in Eningen, wo er als Werkmeister arbeitete und bis zu seinem Ruhestand vor allem die Lehrlingsabteilung führte.