Reutlingen Erneut am Plan vorbei entschieden

Reutlingen / ANNE LEIPOLD 26.04.2012
Betonierte Vorgärten, überflüssiges Parkhaus und ein Rahmenplan in der Schublade: Sorgenvoll sieht die Initiative lebenswerte Oststadt die Veränderungen und fordert die Fortführung der Bürgerbeteiligung.

Mit zunehmender Sorge betrachten die Mitglieder der Initiative lebenswerte Oststadt (ILOS) die Veränderungen im Quartier. Veränderungen, mit denen sie nicht einverstanden sind und die gegenläufig zum Oststadtrahmenplan ausgeführt werden. Überhaupt, was ist eigentlich mit diesem Plan, den OB Barbara Bosch und Baubürgermeisterin Ulrike Hotz so gerne im Munde führen? Den Stempel von 2008 trägt dieser Entwurf. Mehr aber auch nicht. Die darin von den Bürgern zusammengetragenen Ideen werden immer mehr "zur Makulatur", wie Karin Zäh anprangert. Die zweite anberaumte Bürgerbeteiligung zu diesem Plan liegt brach - seit fast vier Jahren.

Stattdessen erfährt die Initiative immer mehr Zulauf. Rüdiger Weckmann würde es freuen, wären da nicht die unerfreulichen Anlässe: Zubetonierte Vorgärten, ein neues geplantes Parkhaus an der Berufsschule sowie der Kauf des Geländes um die Leonhardskirche von der Firma Rall. Offen ist, welche Pläne die Firma hat. Eigentlich sollten Kirche samt Leonhardsplatz laut Rahmenplan sinnvoll neu gestaltet werden. Das war bereits 2004 mit der Nürtinger Hochschule in Planung, wie Weckmann erzählt. Vermutlich wisse der Investor nicht einmal von diesem Rahmenplan, der nur in den Schreibtischen liegt, vermuten Rosemarie Herrmann und Karin Zäh.

Des Weiteren plant der Kreis ein Parkhaus an der Berufsschule Krämerstraße/Ecke Charlottenstraße abzureißen und neu sowie höher zu errichten. Unverständlich für Alexandra Schröder, denn im Umkreis von neun Kilometern - das seien zehn bis 15 Minuten Fußweg - gebe es 20 Parkhäuser mit mehr als 50 000 Parkplätzen, wie sie aus einer Erhebung der Stadt von 2009 weiß. Während die Parkhäuser in Spitzenzeiten gerade zu 60 Prozent belegt sind, sind es die Straßenräume zu 90 Prozent. Die "Wildparkerei" hat sich zudem vor die Achalm verlagert. Die ILOS-Lösung: Schülern, die auf das Auto angewiesen sind, verbilligt Monatskarten für die Parkhäuser zur Verfügung zu stellen, anstatt mit dem Bau mehr Verkehr in die Oststadt zu lenken.

Mit Sorge sieht Karin Zäh die Betonierung von Vorgärten. So entstanden beispielsweise Parkplätze vor dem Verwaltungsgebäude der ehemaligen Seidenweberei in der Kaiserstraße oder der ehemaligen Sozialstation in der Aulberstraße. Entsiegelung war das eigentliche Ziel des Plans. "Wir sind auf jedes bisschen Grün angewiesen in der Oststadt", betont Karin Zäh.

Ebenso läuft die Straßensanierung der Uhlandstraße ohne Blick auf den Plan, so Weckmann. Begrünung und Verkehrsberuhigung wären aber im Sinne des Plans. Es mangelt aus Sicht von Herrmann an einem Gesamtkonzept. Es gebe verschiedene Quartiere mit verschiedenen Themen, da müsse im Gesamten gedacht werden.

Die Anwohner jedenfalls haben einen "dicken Hals". Die Planfortführung wird immer wieder verschoben. Und das, obschon im Plan des Scheibengipfeltunnels 1996 steht, dass mit Fertigstellung des Tunnels die Oststadt vom Durchgangsverkehr befreit sein soll, liest Dieter Janz vor. Stattdessen wird der Schöne Weg begradigt und verbreitert, was den Verkehr geradezu anziehe, ist Karin Zäh überzeugt. Deshalb: "Wir werden nicht nachlassen! Wir sind seit zehn Jahren am Thema dran, weil wir unser Quartier lieben", betont Weckmann.

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