Reutlingen Erfüllt Zelle den Bildungsauftrag?

Reutlingen / PETER U. BUSSMANN 13.03.2014
Der Zoff mit der Stadt scheint ausgeräumt, nun steht der Galerie Zelle der Landkreis auf der Matte und prüft, ob die ihren Bildungsauftrag auch erfüllt.

Seit den 80er Jahren ist die Galerie Zelle e.V. ein vom Landkreis anerkannter Träger der freien Jugendhilfe und sogar Träger außerschulischer Jugendbildung. Diese spezielle Anerkennungsmöglichkeit, die es nur in Baden-Württemberg gibt, ist Voraussetzung für eine finanzielle Förderung der Einrichtung. Vom Landkreis selbst erhält das Jugendzentrum nichts, die Stadt unterstützt die Einrichtung bislang mit 15 000 Euro jährlich, möglicherweise schießt auch das Land etwas zu.

Mit Blick auf die Entwicklung des Jugendzentrums auf der Bobrzyk-Insel stellte sich nun die Kreisverwaltung die Frage: Kommt die Zelle eigentlich ihrem Bildungsauftrag nach? Wie gestern Ordnungsamtsleiter Dr. Hendrik Bednarz im Jugendhilfeausschuss erläuterte, hat der Kreis im Falle der Zuwiderhandlung ordnungsrechtlich keinen Zugriff. Wohl aber steht ihm ein förderrechtliches Instrumentarium zur Verfügung, im äußersten Fall kann der Jugendhilfeausschuss die Anerkennung widerrufen. "Wir werden nicht bei Einzelfällen widerrufen, wichtig ist, ob ein systematischer Verstoß gegen den Bildungsauftrag vorliegt", sagte Bednarz.

Bei der Prüfung des Auftrags gehe es darum, ob beispielsweise die Werte des Grundgesetzes vermittelt werden. Das Kinder- und Jugendhilfe-Gesetz/SGB VIII spricht davon, junge Menschen zur Selbstbestimmung zu befähigen und zu Mitverantwortung und sozialem Engagement anzuregen. Entsprechend diesem Bildungsauftrag bedarf es des fachlich geeigneten pädagogischen Personals, so Bednarz.

Bei einem "konstruktiven Austausch" zwischen Kreisvertretern und Zelle-Vorstand Mitte Februar wurden die jüngsten Vorgänge "problematisiert". Die Zelle-Leute hätten Drogen als Problem eingeräumt und in Folge auf ihrer Homepage darauf besonderes Augenmerk gelegt, berichtete Bednarz gestern.

Bleibt das Problem des pädagogischen Fachpersonals. Bis Mitte März soll die Zelle dazu ein Konzept vorlegen. Je nach dem, wie dieses ausfällt, so Bednarz, gestaltet sich die weitere Zusammenarbeit mit dem Kreis. Momentan, so glaubt er, "sind wir auf dem richtigen Weg".