Reutlingen Er steht an der Seite der Unternehmen

Reutlingen / JAN ZAWADIL 05.10.2012
Till Ahnert soll als Berater für Entwicklungszusammenarbeit Unternehmen zur Seite stehen, wenn sie in Entwickungsländern investieren wollen.

Entwicklungs- und Schwellenländer gelten als künftige Märkte. Doch fehlende Infrastruktur, Korruption oder unsichere Machtverhältnisse sorgen dafür, dass das Vertrauen in Entwicklungs- und Schwellenländer bei hiesigen Unternehmen und Investoren oftmals nicht groß ist.

Um mehr Informationen über Land, Leute, Infrastruktur und Möglichkeiten zu erfahren, hat Till Ahnert im Frühjahr seine Arbeit aufgenommen und sein Büro bei der IHK Reutlingen bezogen. Der 31-Jährige ist kein Mitarbeiter der Kammer, sondern vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) entsandt und neben einem Kollegen in Mannheim einer von zwei "EZ-Scouts" in Baden-Württemberg.

Nachdem eine Vielzahl von Kontakten über den Kammerbezirk hinaus bis nach Ulm und Oberschwaben bereits geknüpft worden sind, fällt Ahnerts Bilanz der ersten 100 Tage positiv aus. Denn: "Im Bereich Entwicklung und Zusammenarbeit ist bereits vieles am Laufen." Konkrete Projekte seien darüber hinaus in Arbeit, wie etwa eine Industrieanlage, die ein Unternehmer aus der Region in Indien bauen will.

Ahnerts Aufgabe besteht nicht nur darin, Unternehmern erste Überblicke über das jeweilige Land zu geben. Er stellt auch weiterführende Kontakte zu Partnern in den jeweiligen Ländern her oder gibt handfeste Tipps, wie einen Staat zunächst persönlich kennen zu lernen und dorthin zu reisen.

Während Ahnerts Fokus derzeit auf Afrika liegt, gibt er immer wieder einen Ratschlag: "Dort einsteigen, wo es einfach ist." In demokratisierten Ländern wie beispielsweise Ghana sei es deutlich leichter, ein geschäftliches Vorhaben zum Erfolg zu führen, als in einem instabilen Staat, in dem nicht gewährleistet sei, wie die Machtverhältnisse kommende Woche aussehen.

Der EZ-Scout sieht vor allem die Sub-Sahara-Staaten in den kommenden 20 Jahren im Aufwind. Denn obwohl viel Infrastruktur fehle, wollten sich die Menschen dort nicht mehr in zu starke Abhängigkeiten begeben und setzten bei ihren Kooperationen auf Europa. Da diese Staaten eine Entwicklungsphase übersprängen und beispielsweise bei der Stromversorgung direkt in erneuerbare Energien einstiegen, gehe es hier um hochmoderne Vorhaben wie beispielsweise den Bau von Biomasseanlagen.

Letztlich, so Ahnert weiter, müssten Unternehmen aber das Potenzial selbst ergründen, auch wenn das BMZ aktiv fürs Engagement werbe. Er als Berater für Entwicklung und Zusammenarbeit könne angesichts eines wesentlich erweiterten Horizonts allerdings unterschiedliche Kontakte zu Ansprechpartnern vor Ort herstellen und Vorabinformationen liefern.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel