Reutlingen Er legte den Grundstein

JAZ 16.02.2015

Gustav Werners Eintreffen in Reutlingen vor 175 Jahren war Anlass für eine große Feier (siehe der Beitrag oben). Das Theaterstück mit seinen 120 Akteuren schlug einen Bogen zwischen Geschichte und heutiger Bruderhaus-Diakonie. Dabei könnten die Unterschiede zwischen der Arbeit mit Behinderten und Benachteiligten vor 175 Jahren und heutzutage kaum größer sein. Doch für alles braucht es erst mal einen Grundstein - genau den hat Gustav Werner gelegt.

Einblicke ins Leben und Wirken des Pioniers bot das groß angelegte Theaterstück. Wie Werner in Reutlingen eintraf, wie er seine Schutzbefohlenen entgegen widrigster Umstände durchbrachte, war genauso Thema wie die Arbeit, die die Bruderhaus-Diakonie heute leistet.

Es gelang Regisseur Paul Siemt, einen Bogen zwischen damals und heute zu schlagen. Er setzte nicht nur bedrückende Ereignisse wie beispielsweise die Euthanasie im Dritten Reich minimalistisch und eindrucksvoll in Szene. Vor allem die Einbindung der ganz unterschiedlichen Gruppen und Bereiche der Diakonie boten einen schwungvoll kurzweiligen Abend, in dessen Mittelpunkt die Menschen standen.

Rap-Einlagen, Capoeira-Showkämpfe wechselten sich mit Nachdenklichem und Amüsantem ab. Behindertensportler und Teilnehmer der Paralympics zogen durch den Saal, auch an die Zeit der Automobilpioniere Wilhelm Maybach und Gottlieb Daimler beim Bruderhaus wurde erinnert. Hätte sich bei Letzterem der Berufsweg anders entwickelt, würde es heute nicht "Mercedes-Benz-Karra", sondern "Bruderhaus-Limousine" heißen, wurde auf der Bühne gescherzt.