Reutlingen Entwarnung kurz nach 11 Uhr

Reutlingen / Carola Eissler 06.08.2018

Kurz nach 11 Uhr gestern Vormittag kam Entwarnung: Es gibt keine Fliegerbombe unter der Baustelle an der Karlstraße. „Das ist das Beste, was uns passieren konnte“, betonte die Leiterin des Verwaltungsstabes, Bürgermeisterin Ulrike Hotz, in einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz. „Ich bin für alle Beteiligten froh, dass es so lief.“ Die Kunde verbreitete sich in Windeseile, mit einem Lautsprecherwagen fuhr die Polizei durch die Straßen, auch auf der Warn App „Nina“ war kurze Zeit später die Entwarnung zu lesen. Rund 750 Einsatzkräfte, Bedienstete und Helfer waren gestern Morgen einsatzbereit. „Es war alles generalstabsmäßig vorbereitet“, sagt Hotz. Und lobt die „hervorragende Zusammenarbeit“ aller Beteiligten. „Das war die Blaupause“, sagte Feuerwehrkommandant Harald Herrmann. Falls bei der jetzigen extensiven Bautätigkeit die Stadt wieder einmal in dieselbe Situation kommen sollte.

Ein messtechnisch überaus schwieriges Baufeld fanden die Spezialisten der Firma Geomer aus Augsburg, die mit drei Fachleuten vor Ort war, und der Kampfmittelbeseitigungsdienst an der Ecke Karlstraße/Bismarckstraße vor. Zum einen seien sie bei den Aufgrabungen auf zahlreiche Einbauten gestoßen, erklärte Philipp Jäger von Geomer, zum anderen ließen sich dort viele magnetische Feldlinien messen. Ein 20 000 Liter fassender Öltank sowie ein in Stahlbeton gefasster Kabelschacht der Telekom waren dann wohl die Auslöser für die Messungen, die die Fachleute auf einen Bombenfund schließen ließen. „Das sind Störungen vom Tank und vom Kabelschacht“, sagt Joachim Leippert vom Kampfmittelbeseitigungsdienst. Und Philipp Jäger betonte, dass dies nichts Außergewöhnliches sei. „So etwas kommt öfters vor.“ Doch wenn auch nur der geringste Verdacht auf einen Blindgänger besteht, muss das Erdreich geöffnet werden. „Wir haben jetzt wirklich alles geöffnet und nichts festgestellt“, geben die Spezialisten Entwarnung.

Gestern Morgen Punkt 6 Uhr grub sich die erste Baggerschaufel in den Untergrund. Gegen 9 Uhr wollten die Fachleute erste Ergebnisse liefern. Hätte man einen Blindgänger ausgemacht, wäre die größte Evakuierungsaktion der letzten Jahrzehnte in Reutlingen angelaufen. Rund 3100 Bewohner waren bereits vorab informiert worden, dass sie möglicherweise ihre Häuser verlassen müssen.

Doch es herrschte noch lange keine Gewissheit: Kurz nach 9 Uhr kam die Nachricht von der Stadt, dass sich die Arbeiten wegen des Öltanks verzögern. Dann musste der Schacht der Telekom mit Stahlträgern gesichert werden. Die Leitungen der Telekom liegen zudem in sogenannten Kabelformsteinen, die  von Hand abgeschlagen werden mussten. Erst danach konnte weiter gegraben werden. Schließlich herrschte dann kurz nach 11 Uhr Gewissheit. Die Baufirma musste die Baugrube dann wieder stabilisieren und zuschütten.

„Die Arbeiten waren aufwendiger als gedacht“, sagte Philipp Jäger zu seinem Einsatz in Reutlingen. Großer  Aufwand bedeutete dies auch für die Einsatzkräfte. 280 Polizeibeamte , 280 Feuerwehrleute von Berufsfeuer und Freiwilliger Feuerwehr, 172 Einsatzkräfte und Helfer des DRK, zahlreiche Bedienstete der Stadt, des Amts für Öffentliche Ordnung, der Technischen Betriebsdienste Reutlingen, der Fair-Energie sowie des Technischen Hilfswerks standen bereit. In der Stadthalle hatte das DRK bereits eine Notunterkunft für rund 300 Leute eingerichtet.

Trotz dieses enormen Aufwandes: Am Ende waren alle froh, dass sie dann doch nicht gebraucht wurden und sie wieder zusammenpacken konnten. „Ein relativ großer Einsatz“, blickte der Einsatzleiter Heiko Kächele von der Polizeidirektion Reutlingen zurück. „Die Vorbereitungen mit Feuerwehr und Stadt sowie zahlreichen anderen Diensten und Einrichtungen waren nahezu perfekt in allen Bereichen“, lobte er zum Einsatzende.

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