Reutlingen Enthüllung einer Zweigeteilten

Von Evelyn Rupprecht 06.07.2018

Mehr Symbolik geht kaum: Die Skulptur „Wegzeichen“, die am Donnerstag am Südportal enthüllt wurde, steht an einer der belebtesten Verkehrsachsen der Region. Dort, wo die Ausläufer des Scheibengipfeltunnels in Richtung Reutlingen weisen und sich das „Dreiländereck“ interkommunal entfaltet. Pfullingen tangiert das Hajek-Werk zwar nur am Rande, dafür aber spannt es ein Band zwischen dem kleinen Eningen und der großen Kreis­stadt. Denn die Skulptur gründet auf einem Reutlinger Grundstück – das aber liegt auf Eninger Gemarkung.

„Kunst stiftet Gemeinsamkeit – das war ja auch Hajeks Motto. Und tatsächlich haben wir hier eine bemerkenswerte Kooperation“, erklärte Eningens Bürgermeister Alexander Schweizer mit Blick auf das Werk, das nun in zwei Teilen und in rot und blau gehalten gleich neben dem alten Südbahnhof-Gebäude steht. Kaum einen besseren Standort habe man dafür finden können. „Ich freue mich saumäßig“, bekannte der Eninger Schultes und Reutlingens Oberbürgermeisterin Barbara Bosch musste eingestehen: „Das hätte ich nicht besser ausdrücken können“.

„Wir können hier zu einem guten Teil daran anknüpfen, was diese Skulpturenteile über drei Jahrzehnte hin ausgemacht hat“, so Bosch. Denn so lange hat das riesige Werk von Otto Herbert Hajek „ein Ausrufezeichen am östlichen Eingang der Stadt gesetzt.“ Im Jahr 2015 allerdings, als Investor Jochen Welsch das Telekom-Areal aufgekauft hat, mussten die „Wegzeichen“ aus Sanierungsgründen weichen.  „Was für Aufsehen gesorgt hat“, wie die Oberbürgermeisterin am Donnerstag noch einmal betonte. Die Bürgerschaft habe sich offenbar mit der Skulptur identifiziert – „und ihr Fehlen schmerzhaft wahrgenommen“.

Bei der Enthüllung dankte Bosch Jochen Welsch noch einmal dafür, dass er der Stadt das Kunstwerk überlassen hat, das dann – nachdem der Gemeinderat eingewilligt hatte, der Skulptur eine Zukunft zu geben –  erstmal auf einem Übungsgelände der Sondelfinger Feuerwehr eingelagert wurde. Bis Verwaltungsbürgermeister Robert Hahn die zündende Idee hatte.  Er schlug vor, das Werk am Südportal des Tunnels wieder aufzustellen. Die Leidenszeit der „Wegzeichen“ endete nun damit, dass sie nicht nur abgestaubt, sondern von der Firma Geiselhart restauriert und aufgestellt wurden.

Den Leidensweg hat indes auch der Mann mit größtem Interesse verfolgt, der vor gut 30 Jahren überhaupt erst die Idee zu der Skulptur hatte. Werner Petershans, damals Technikleiter des Fernmeldeamts, wollte vor dem Gebäude ein Kunstwerk installieren lassen. „Ein Architekt aus Tübingen ist dann mit Herrn Hajek gekommen und ich war sofort begeistert“, blickt Petershans, der sich am Donnerstag die Enthüllung der Wegzeichen nicht entgehen lassen wollte, zurück. Er freut sich über den Wiederaufbau mindestens genauso wie die „Unternehmen am Südportal“, die dadurch den Standort aufgewertet sehen. Vor der Tunnelöffnung haben sie sich zusammengetan, „um unsere Interessen darzustellen und koordiniert zu kooperieren“, wie es der Sprecher des Vereins, Thomas Braun, formuliert. Die Firmen Anton Geiselhart, D&G-Automobile, Farbtex, FBW, Holz Braun, Küchenkunst, Möck und Taxis möchten „nicht kleckern, sondern klotzen“ – und so auf sich aufmerksam machen.

„Vom Tunnel profitieren wir alle. Wir sind logistisch jetzt unabhängig und liegen direkt an der Durchfahrt zur Stadt“, nennt Braun die neuen Vorteile des Standorts, von dem er betont, dass er eben nicht nur am Südbahnhof, den viele jüngere Leute gar nicht mehr kennen würden, liege, sondern vor allem am „Südportal“. Und genau dort lädt der Verein am Samstag, 7. Juli, von 10 bis 14 Uhr zum Weißwurstfrühstück ein. Am Fuße der Skulptur, die damit auch gleich ihre erste größere Bewährungsprobe nach dreijährigem Tiefschlaf überstehen darf.

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