Geschichte Entdecken, was uns verbindet

Reutlingen / Von Ralph Bausinger 29.08.2018

Entdecken, was uns verbindet“: Unter diesem Motto steht in diesem Jahr der Tag des offenen Denkmals. In der Vergangenheit  hat die Stadt viele Millionen Euro in den Erhalt ihre Denkmäler gesteckt. Und sie wird es weiter tun (müssen), wenn man an die Häuserzeile in der Oberamteistraße oder die Sanierung des denkmalgeschützten Rathauses denkt.

Seit 1997 beteiligt sich Reutlingen an dieser Reihe, die 1994 von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz ins Leben gerufen worden war. Für Kulturamtsleiter Dr. Werner Ströbele ist dies eine gute Gelegenheit, „Aufmerksamkeit für unsere Gebäude und Sensibilität für das geschichtliche Erbe zu wecken.

Auch in diesem Jahr gibt es eine Premiere – das Haus der Jugend ist erstmals mit von der Partie. Das um 1566 erbaute Haus hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Ursprünglich als „Armenkeller“, als Wirtschaft- und Verwaltungspflege der Reutlinger Armenpflege, errichtet, diente es im 19. Jahrhundert unter anderem als Turnlokal, Kaserne, Polizeistation und Gefängnis. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es mehr und mehr ein Haus der Jugend.

Posterausstellung

Am Sonntag, 9. September, stellen Stadtjugendring, Jugendgeschichtswerkstatt und die heutigen Nutzer Geschichte und Gegenwart des Gebäudes vor, die Jugendgeschichtswerkstatt hat, wie Ardit Jashanica erläutert, eine Posterausstellung dazu erarbeitet. Eine ehemalige Hausbewohnerin lässt in einem Interview, dem in einer Hörecke gelauscht werden kann, die Zeit lebendig werden, als in der Museumstraße 7 eine Polizeistation untergebracht war. Außerdem berichten ehemalige Aktivisten des Hauses der Jugend über die Anfänge der Einrichtung.

Seit vielen Jahren ist die Marienkirche am Tag des offenen Denkmals geöffnet. Das Gotteshaus spiegelt wohl in besonderer Weise die Katastrophen- und Segensgeschichte der Menschen in Reutlingen von der Stadtgründung bis heute wider. Nach den beiden Gottesdiensten bietet Kantor Torsten Wille um 11.30 Uhr eine Orgelführung an, die um 16.15 Uhr für Kinder und Familien wiederholt wird. Mit Mesner Götz Wellhäuser-Frank können Kinder ab acht Jahren in Begleitung und Erwachsene den Dachboden des Reutlinger Wahrzeichens erkunden. Dafür müssen sich Interessierte spätestens bis Donnerstag, 6. September, beim Kulturamt der Stadt unter Telefon (0 71 21) 3 03 27 76 anmelden. Die Teilnehmerzahl ist auf 30 Personen beschränkt. Außerdem gibt es in diesem Jahr wieder die Möglichkeit, gegen eine Gebühr von 1,50 Euro (ermäßigt 50 Cent) den Turm der Marienkirche von 12.30 bis 15.45 Uhr und von 16.15 bis 17 Uhr zu besteigen. Kinder, die daran teilnehmen wollen, müssen acht Jahre alt sein und von einem Erwachsenen begleitet werden.

Ebenfalls geöffnet ist am 9. September die Stephanus-Kirche in Sondelfingen. Heinz Ziegler, ein ausgewiesener Kenner der Geschichte des Gotteshauses, bietet um 14 und 16 Uhr zwei Führungen an. Die Arbeitersiedlung Gmindersdorf, deren Anfänge ins Jahr 1903 zurückreichen, war in ihrer baulichen Gestalt und dem sozialpolitischen Konzept richtungsweisend in Deutschland. Interessierte können um 10 und 14 Uhr einen Spaziergang durch die vom Architekten Theodor Fischer konzipierte Werksiedlung der Firma Gminder unternehmen.

Gerberhäusle geöffnet

Das Gerberhäusle an der Echaz ist am Tag des Denkmals von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Flyer und Hinweistafeln machen auf die besondere Geschichte des Ortes aufmerksam. Von 1926 bis 1943 lebte dort die Sinti-Familie Reinhardt, ehe ein Großteil der Familie nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurde.

Neben dem Landratsamt mit seinem prachtvollen Sitzungssaal und zwei Ausstellungen (wir berichteten) beteiligt sich auch das Amtsgericht am Tag des offenen Denkmals. Richterin Andrea Wimmer und Sabine Kraume-Probst, wissenschaftliche Angestellte beim Landesamt für Denkmalpflege, offerieren um 10, 11, 14, 15 und 16 Uhr jeweils 30-minütige Führungen durch das dreigeschossige Gebäude, dessen Pläne vom Stuttgarter Architekten und Baudirektor Albert von Beger stammen. Treffpunkt am 9. September ist der nichtöffentliche Parkplatz hinter dem Gebäude an der Mauerstraße.

Das 1908 bezogene Gebäude ist ein gutes Beispiel für die damals moderne Architektur, die den Historismus abgelöst hatte. Zu sehen sind nicht nur die Sitzungssäle, die Besucher können auch einen Blick in die Arrestzellen werfen. Um das Motto des Tages aufzunehmen: Die Besucher erleben das Amtsgericht als „Haus, das uns verbindet“.

Info Eine Übersicht über die geöffneten Bauwerke mit Angaben zu Führungen finden sich unter www.reutlingen.de.

Altstadtfreundeskreis zeigt Modell des gläsernen Hauses

Der Altstadtfreundeskreis wird am Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 9. September, von 10.30 bis 16.30 Uhr, ein Modell des gläsernen Hauses zeigen, das die historische Häuserzeile in der Oberamteistraße abstützen soll. Unter dem Motto „Verbinden, was uns verbindet“ werden die Freundeskreis-Mitglieder, unterstützt  von der Ersten Bürgermeisterin Ulrike Hotz über die Konzeption der Sanierung mit diesem  ikonenhaften Neubau informieren. Man erwarte vom Konzept eine nachhaltige Bereicherung der Kulturmeile.

„Wir wollen aber auch auf die vielen denkmalgeschützten Gebäude in der Innenstadt hinweisen“, betonen der Freundeskreis-Vorsitzende Dr. Konrad Kern und sein Stellvertreter Jürgen Robert Klein. Beiden ist wichtig, die Bürgerschaft in die Denkmalrettung miteinzubeziehen.

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