Eningen Enorm viel investiert

Der Bürgermeister ist auch als Chauffeur zu Diensten: Alexander Schweizer hilft Irmgard Krause ins Bürgerauto.
Der Bürgermeister ist auch als Chauffeur zu Diensten: Alexander Schweizer hilft Irmgard Krause ins Bürgerauto. © Foto: Gemeinde Eningen
Eningen / EVELYN RUPPRECHT 06.06.2015
Seit acht Jahren ist Alexander Schweizer Bürgermeister in Eningen. Eine Zeit, die ihre Spuren hinterlassen hat. Äußerlich und innerlich. Und doch: Der 47-Jährige stellt sich am 21. Juni wieder zur Wahl.

Alexander Schweizer fasst sich an den Kopf. "Graue Haare habe ich bekommen", sagt er mit Blick auf seine Wahlbroschüre aus dem Jahr 2007. Viel jünger schaut der Mann aus, der da von dem Foto auf der Titelseite lächelt - so zumindest sieht er das selbst.

2007: Da war Schweizer noch Wirtschaftsförderer bei der Stadt Reutlingen bevor die Eninger ihn im zweiten Wahlgang und ziemlich knapp zu ihrem Gemeindeoberhaupt gewählt haben. Seitdem, sagt Schweizer, habe sich vieles getan, was er damals noch nicht zu hoffen gewagt hatte. Als da zum Beispiel das Bürgerauto wäre, das seit April dieses Jahres durch Eningen rollt. "Das ist ein Riesen-Mehrwert für Leute, die selbst nicht mobil sind", sagt der Bürgermeister.

20 Fahrtage hatte das Gefährt bis jetzt, 63 Fahrten waren's insgesamt. "Also gut drei pro Tag", haben Alexander Schweizer und Hans-Dieter Strobel ausgerechnet. Strobel ist einer der Ehrenamtlichen, die die Eninger durch ihren Ort fahren. Allerdings maximal bis zur Gemarkungsgrenze. "Wir wollen unsere Leute ja nicht in die Nachbargemeinden zum Einkaufen bringen", sagt der Schultes. Das Bürgerauto soll auch Gewerbe und Handel vor Ort zugute kommen. "Und die meisten Fahrten gehen ja auch zu den Ärzten, zur Physiotherapie oder eben zu den Läden", weiß Strobel, der jedoch noch Verbesserungsvorschläge hat. Fahrdienste zu Beerdigungen würde er gern anbieten. Und einen Werbe-Flyer fürs Bürgerauto könne man doch auslegen. Vorschläge, die Schweizer für durchaus sinnvoll hält. Auch weil er selbst schon als Chauffeur unterwegs war. "Da haben sich die Leute fast ein bisschen erschrocken, als sie gemerkt haben, dass der Bürgermeister Fahrdienst hat". Vergangenen Dienstag war das. Kommenden Dienstag will sich Schweizer wieder hinters Bürgerauto-Lenkrad setzen. Doch da, sollte man meinen, hätte er anderes zu tun. Denn am 9. Juni wird er abends auf dem Podium der Grieshaber-Halle stehen und den Eningern bei der Kandidatenvorstellung erklären, warum sie ihn wieder wählen sollen. "Könnte ich morgens nicht Bürgerauto fahren, weil ich abends zur Bewerbervorstellung muss - dann wäre ich ein schlechter Bürgermeister", meint Schweizer. Zumal er die Rede schon beinahe fertig geschrieben hat. Nur überarbeiten muss er sie noch.

Unter anderem wird der Bürgermeister den Eningern dann aufzählen, was er - natürlich immer in Kooperation mit dem Gemeinderat - in den vergangenen acht Jahren auf den Weg gebracht hat. Den Bau der Sporthalle und den der dazugehörigen Anlagen haben die Eninger für sieben Millionen Euro umgesetzt, für 2,7 Millionen Euro haben sie den Johanneskindergarten neu gebaut, die Generalsanierung der Achalmschule ist bis zum Jahr 2016 durchfinanziert und wird ebenfalls sieben Millionen Euro kosten.

"Wir haben enorme Investitionen in die Infrastruktur getätigt", sagt Schweizer auch mit Blick auf den Friedhof, der völlig neu ausgerichtet worden sei. Anfangs, erinnert er sich, habe keiner die Stelen gewollt. "Heute sagen die Leute 'Prominentengrabfeld' dazu, weil dort so viele bekannte Eninger beigesetzt sind", weiß er. Und die stufenweise sanierte Grieshaber-Halle habe nun "eine bombastische Auslastung". 60 bis 70 Belegungen zähle man heute - ein Vielfaches im Vergleich zur Vor-Sanierungs-Zeit.

Und dann verweist Schweizer, der einstige Wirtschaftsförderer noch darauf, dass im Arbachtal ein Gewerbepark entstanden sei, der gut 400 neue Arbeitsplätze gebracht habe. Dass Eningen im vergangenen Jahr an zweiter Stelle bei der Finanzkraft der Kommunen im Landkreis stand und aktuell auf Platz vier liegt, führt Schweizer unter anderem darauf zurück. Gleichzeitig habe die Gemeinde ihre Verschuldung um 67 Prozent reduziert. "All das hatte ich damals, als ich mein Amt angetreten habe, nicht für möglich gehalten", sagt er, der auch für die Zukunft noch einiges in petto hat. Für die Schillerschule, "die ja frei von der schulischen Nutzung wird", könne er sich vorstellen, dass hier Vereine heimisch werden und die Gemeindebücherei einzieht.

Wie organisieren wir den Durchgangsverkehr, wenn der Scheibengipfeltunnel auf ist? Was tun wir fürs Ortsbild und die Wohnqualität? Wie sieht das Leitbild 2025 aus? Das sind Fragen, denen sich Schweizer jetzt noch stellen möchte. So er wiedergewählt wird.