Reutlingen / ANNE LEIPOLD  Uhr
Ihrem Ziel, die Region Neckar Alb zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien zu versorgen, ist die Genossenschaft EENA einen Schritt näher: Sie wird die Photovoltaikanlage auf dem Stadthallendach betreiben.

Ab kommendem Dienstag wird die Photovoltaikanlage auf dem Dach der Stadthalle installiert. Ende des Monats soll die Anlage in Betrieb gehen, wie Friedrich Hagemeister und Dr. Martin Schöfthaler, die beiden Vorstände der Genossenschaft Erneuerbare Energien Neckar-Alb (EENA), am Donnerstagabend bei ihrer Informationsveranstaltung in der Citykirche sagten.

Es ist bereits das zweite Projekt der Anfang des Jahres gegründeten EENA. Mitte März wurde die erste Photovoltaikanlage mit einer Maximalleistung von 120,8 Kilowatt auf dem Flachdach der Dietweg-Sporthalle in Betrieb genommen. Jetzt wird eine weitere Anlage auf zwei Flachdachebenen der Stadthalle mit einer Maximalleistung von 64,5 Kilowatt angebracht. Die Genossenschaft, die sich gegen sechs Mitbewerber durchsetzte, erhielt am 9. August den Zuschlag.

Höchste Qualität ist bei der exponierten Lage gefordert, daher kommen 78 Module von Bosch und 140 von Sun Power aufs Dach. Einerseits eine namhafte deutsche und regionale Firma, die nachhaltig und langfristig investiert. Andererseits Module mit höchster Lichtausbeute, höchstem Modulwirkungsgrat sowie der weltweit robustesten Technik, führte Schöfthaler aus. Darüber hinaus bieten beide eine Leistungsgarantie von 25 Jahren, Bosch 10 Jahre Garantie auf das Produkt, Sun Power 25 Jahre Produktgarantie. "Das gibt hohe Sicherheit", betonte der Physiker. Das Nutzungsrecht wird bei 20 Jahren und mehr liegen. Wie die gesetzliche Regelung, die ab 2014 zehn Prozent Eigenverbrauch vorschreibt, mit der Stadt geregelt wird, ist noch offen.

Das zweite Projekt bringt die Genossenschaft nun einen Schritt näher an ihr erklärtes Ziel, den Energiebedarf der Region Neckar-Alb zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien zu decken. Seit der Gründung stieg die Mitgliederzahl von 82 auf 130 Genossen an. Mit ein Zeichen dafür, dass die Bürger ihre Energieversorgung selbst in die Hand nehmen wollen, zumal in den vergangenen drei Jahren die Zahl der Energiegenossenschaften deutschlandweit um das vierfache gestiegen ist.

Baden-Württemberg liegt dabei weit vorne, wie Schöfthaler zeigte. Bereits 2009 wurde das regionale Potenzial mit dem Energieszenario 2030 durch den Verein Sonnenenergie Neckar-Alb erkannt, 2011 fand der erste Klimaschutz-Kongress in Bad Urach mit Günther H. Oettinger und Fritz Kuhn statt.

Regionales Potenzial möchte die Genossenschaft mit engagierten Menschen ausschöpfen. Mit ihrem Konzept bleiben Wertschöpfung und Gewinne in der Region. Die Einstiegssumme haben sie bewusst niedrig gehalten, 100 Euro kostet ein Anteil, bis zu 200 Anteile für 20 000 Euro darf ein Mitglied maximal erwerben. Unabhängig von der Zahl der Anteile hat jedes Mitglied eine Stimme und ist an allen Projekten beteiligt, es wird also gemeinschaftlich vergütet. Regelmäßige Prüfungen machen die Genossenschaft außerdem zu einer sicheren Rechtsform, betonte Schöfthaler.

Weitere Photovoltaikanlagen sollen installiert werden, vor allem auf der Schwäbischen Alb. Erklärtes Ziel der Genossenschaft ist zudem, die Windenergie zu fördern, dafür wollen sie die Bürgerbeteiligung "Windkraft auf der Alb" organisieren. Biogasanlagen stehen indes nicht auf der Agenda, wie Hagemeister auf Nachfrage betonte.