Tübingen/Reutlingen Einvernehmlicher Treff?

Tübingen/Reutlingen / SIMON WAGNER 19.07.2016
Vertreter einer Online-Community sagten gestern vor Gericht aus. Ein 45-Jähriger soll im Internet Mädchen angesprochen und später missbraucht haben.

Der 45-jährige Reutlinger suchte und fand seine Opfer offenbar in der Online-Community Kwick. Dort soll er Mädchen zwischen 13 und 16 Jahren angesprochen und sie später per Handy-Chat zu Treffen überredet haben. Gegen ihren Willen, so bezeugten es Mädchen hinter verschlossenen Gerichtstüren, seien sie dabei zu sexuellen Handlungen genötigt worden. Angeklagt sind schwerer sexueller Missbrauch eines Kindes sowie Missbrauch und Vergewaltigung von drei jugendlichen Mädchen.

Für die ersten Kontakte nutzte der Angeklagte die Online-Plattform mit Sitz in Weinstadt und umging dabei offenbar bewusst ihre Jugendschutzvorkehrungen. Obwohl deutlich älter, gelang es ihm mit Einträgen in die Nutzerprofile der Mädchen, Kontakt  aufzunehmen. Er bat sie, ihn mit einer Privatnachricht anzuschreiben. Von den Mädchen einmal kontaktiert, stand dem Austausch nichts mehr im Wege.

Diese Form der Kontaktaufnahme sei seit November 2014 nicht mehr möglich, sagte die 38-jährige Geschäftsführerin von Kwick und der leitende Entwickler der Plattform am Montag vor der 3. Jugendschutzkammer des Landgerichts aus. Seitdem könnten Nutzer über 21 Jahren generell keine Einträge mehr bei Mitgliedern hinterlassen, die jünger als 15 Jahre sind. Doch bezeichnete es der 44-jährige Plattform-Entwickler für nicht nachprüfbar, ob die Angaben der Nutzer bei ihrer Anmeldung der Wahrheit entsprächen. Mit derlei „Fake-Profilen“, hat sich der Angeklagte nach 2014 selbst als Jugendlicher ausgegeben, um mit den Mädchen in Kontakt zu treten und den Dialog per Whatsapp fortzuführen. Teils versprach er ihnen ein neues Handy oder Geld fürs Shoppen.

Bislang schwieg der Angeklagte vor Gericht. In vorangegangenen Vernehmungen jedoch bezeichnete er die Zusendung von pornografischem Material wie auch sexuelle Kontakte mit den Mädchen als einvernehmlich. Über seinen Anwalt Achim Unden, will er sich am Donnerstag, erstmals äußern.

Anwalt Unden war es auch, der gestern zwei Beweisanträge stellte. Sie richten sich gegen die Aussagen zweier, betroffener Mädchen. Sie gaben an, vom Angeklagten zum Sex gezwungen worden zu sein. Doch trotz des erzwungenen Kontakts hätten sie sich in der Folge erneut mit seinem Mandanten getroffen. Vor diesem Hintergrund bezeichnete Unden die Vorwürfe für „nicht nachvollziehbar“ und „frei erfunden“. Er geht von einem einvernehmlichen Kontakt aus.  Er will die Aussagen der Mädchen deshalb im Rahmen eines aussagepsychologischen Gutachtens überprüft wissen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel