Reutlingen Eine Reise durchs Universum

Das Team: (von links) Frank Rapp, Enrico Urbanek, Heinz Lenhart. Foto: Kipp
Das Team: (von links) Frank Rapp, Enrico Urbanek, Heinz Lenhart. Foto: Kipp
Reutlingen / KATHRIN KIPP 15.12.2012
Raus aus dem Spitalhofkeller, auf ins Planetarium - die Tonne holt ihren Zuschauern ab sofort die Sterne vom Himmel. Und zwar mit einer "poetischen, wissenschaftlichen und klangvollen Reise auf der Milchstraße".

Von hoch oben war der Blick auf die Welt schon immer besser. Deshalb startet das Tonne-Theater nun eine künstlerisch-populärwissenschaftliche Kooperation mit der Reutlinger Sternwarte - ein lang gehegter Wunsch von Intendant Enrico Urbanek, der mit seiner Tonne ja auch gerne mal das Weite sucht und ungewöhnliche Orte bespielt.

Auf sofort offene Ohren ist er dabei bei Heinz Lenhart gestoßen, dem ehrenamtlichen Leiter der Sternwarte, einer Einrichtung des Vereins für Volksbildung. Wo sonst in der Woche bei mindestens drei Führungen die Sterngucker gen Himmel schauen, steigt ab kommenden Montag jeweils zu sternenkonstellationsmäßig interessanten Terminen ein literarisch-musikalisch-astronomischer Himmelsabend namens "Sternsüchtig".

Das Programm verbindet Populärwissenschaft mit Kunst - verschiedene Blickwinkel aufs Universum, und die Sterne erweitern dabei den Horizont. Die Besucher werden schon im Treppenhaus der Steinbeis-Berufsschule mit kosmischer Musik des Experimentalkünstlers Christian Dähn sowie von hymnischem Gesang der Schauspielerin Jördis Johannson empfangen. Danach gibts auf drei Stationen Wissenswertes, Lyrisches, Musikalisches und Philosophisches zum Thema Weltall. Die Menschen sind bekanntlich seit jeher von den verschiedenen Himmelsphänomenen fasziniert, die sie nicht nur zu wissenschaftlichen Beobachtungen, sondern auch zu allerlei Mythenbildungen motiviert haben.

Und so kommen beim himmlischen Theaterabend nicht nur Rilke und der Kleine Prinz zu Wort, sondern es geht auch um ganz Praktisches: Wie kann ich ein Grundstück auf dem Mond kaufen? Und wieso eigentlich sollte ich das tun? Es gibt Eigenkompositionen, "berührende, fantasievolle, unterhaltsame Gedichte, Geschichten und Lieder, die Sehnsüchte, Hoffnungen, Ängste und was sonst noch in den Sternenhimmel projiziert wird, eindrucksvoll transportieren", kündigt das Tonne-Theater an. Auch das Fachliche kommt nicht zu kurz: Das Publikum gelangt sowohl ins Planetarium mit dem "Sternentheater" als auch in den neuen Danzer-Saal mit dem faszinierenden "Omniglobe". Der kann - satellitenunterstützt - nicht nur das aktuelle Wetter auf der gesamten Erde darstellen, sondern beispielsweise auch den Kontinentaldrift der jüngsten (und zukünftigen) paar Millionen Jahre im Schnelldurchlauf.

Mit den ehrenamtlichen Sternwärtern gibt es so auch eine Art Miniführung durch die Anlage. Die führt auch hoch zur neuen Kuppel, wo ein extrem lichtstarkes Teleskop bei gutem Wetter den Blick auf Mond und Sterne ermöglicht. Jeder darf mal durchgucken, sofern einigermaßen klare Sicht herrscht. Sonst gibt es den Mond eben "aus der Konserve" zu sehen. Und andere Bilder. Bei klarem Himmel ist der Saturn mit seinen Ringen zu sehen, die Mondkrater, der Jupiter.

Die Besucher sind jedesmal beeindruckt, erzählen Heinz Lenhart und Frank Rapp. Themen des Sternenschauspiels sind außerdem die Andromeda-Sage und das Perseus-Sternbild. Und andere der offziellen 88 Sternbilder, die es gibt, mit so lustigen Namen wie "Luftpumpe" oder "Chemischer Ofen". Tipp: Warm anziehen, denn es wird frisch, wenn die Kuppel sich öffnet.

Die Sternwarte ist generell offen für Events - etwa auch für Kindergeburtstage. Die leuchtenden Augen der Kinder und Erwachsenen sind Belohnung für viele Stunden ehrenamtlicher Tätigkeit. Und so geht es in "Sternsüchtig" auch darum, was mit einem passiert, wenn man in die Sterne guckt: wie klein wir sind, und wie unwichtig angesichts des Weltalls. Das Publikum ins Universum zu holen und dennoch zu "erden", das ist das Motto des Abends. Mit offenem Ende und der Möglichkeit, Fragen zu stellen und nochmal durchs Teleskop zu schauen.

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