Dem selbständigen Handwerker aus Eningen, dessen Mutter nach einem Schlaganfall halbseitig gelähmt ist, gehen viele Fragen durch den Kopf. Wie soll ich die 4000 Euro pro Monat für das Pflegeheim aufbringen? Und wenn ich sie nach Hause hole, wie kann ich das mit meiner Arbeit vereinbaren? Die Veranstaltung im St. Elisabeth-Gemeindezentrum in Eningen, die primär der Erholung von Angehörigen von demenzkranken Menschen dienen sollte, wurde auch zur Plattform, sich zu informieren, auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen.

Die Initiatoren Dr. Barbara Dürr, Susanne Fieselmann und Ralf Egenolf-Stohr vom Netzwerk Demenz in Eningen waren mit der Resonanz noch nicht ganz zufrieden. Nur rund zehn Angehörige waren gekommen. „Aber der Anfang ist gemacht“, resümierte Dürr.

„Früher oder später wird jeder mit dem Thema Demenz konfrontiert“, sagte Bürgermeister Alexander Schweizer in seinem Grußwort. In Deutschland lebten zurzeit 1,6 Millionen Demenzkranke, jährlich kämen 300 000 Neuerkrankte hinzu. „Dennoch befasst sich niemand freiwillig mit dem Thema.“ Es sei wichtig, zu einem selbstverständlichen Umgang mit Demenz zu gelangen. Defizite, die durch den Mangel an Pflegepersonal entstünden, müssten vielfach durch die Familien ausgeglichen werden. „Ein zentraler Pflegestützpunkt als Anlaufstelle ist daher ein wichtiger Punkt in Eningen. Der Gemeinderat wird sich schon am 5. Oktober damit befassen“, so Schweizer. Es ginge nicht mit Verdrängung, sondern nur, indem man sich mit dem Thema Demenz auseinandersetze.

„Das Thema ist in Eningen angekommen“, sagte Fieselmann. Ohne stabile Angehörige gehe gar nichts, deshalb wolle man sie unter anderem mit dem heutigen Nachmittag stützen. „Man kann auch aus einem Krug nicht immer nur ausschenken, sondern muss auch nachfüllen.“ Für das leibliche Wohl war reichlich Kaffee und Kuchen aufgetischt und auch die Gruppe „Duo Zweigerweg zu dritt“, deren Mitglieder selbst aus dem pflegerischen Bereich stammen, schuf mit Schlagern und Evergreens wie „Ich bin verliebt in die Liebe“ oder „Das bisschen Haushalt“ einen Ausstieg aus dem Alltag. Meditative Tänze zu Liedern wie „Weitergehn“, bei denen viel gelacht wurde, dienten der Entspannung.

„Lieder sind für demenzkranke Menschen sehr wichtig“, sagte die evangelische Pfarrerin Regina Lück. „Oft können sie sich an alle Liedstrophen erinnern und sie mitsingen. Auch den Psalm 23 oder das Vater unser können sie mitsprechen, selbst wenn sie ihre Angehörigen nicht mehr erkennen. Dass sie sich noch erinnern, gibt ihnen Sicherheit.“ Vielfach würden die Angehörigen übersehen, die „viel auffangen müssten.“

„Uns im Projekt Gesunde Gemeinde ist es wichtig, dass pflegende Familienmitglieder mal etwas anderes erleben und mit anderen Betroffenen Kontakte knüpfen“, sagte die katholische Gemeindereferentin Gabriele Ruppert. Für den Angehörigen aus Eningen wurde der Nachmittag sehr ertragreich, weil er sowohl Menschen begegnete, die in derselben Situation wie er sind, als auch Hilfestellung durch kompetente Vertreter beispielsweise der Diakonie bekam. „Unser Wohlstand wurde durch unsere Eltern erarbeitet. Deshalb sollen sie es jetzt so gut wie möglich haben“, sagte er.

Eine Teilnehmerin, die zurzeit erleben muss, dass ihr an Alzheimer erkrankter Ehemann zunehmend Termine und Uhrzeiten vergisst, so dass sie mehr und mehr für ihn regeln muss, ist ganz bewusst zur Gruppe hinzugekommen, um sich Rat und auch Hilfe zu holen.