Reutlingen Eine Perspektive fürs Naturtheater

Vereinschef Rainer Kurze erläutert Oberbürgermeisterin Barbara Bosch, wie schlecht die Substanz des Betriebsbaus ist.
Vereinschef Rainer Kurze erläutert Oberbürgermeisterin Barbara Bosch, wie schlecht die Substanz des Betriebsbaus ist. © Foto: Evelyn Rupprecht
Von Evelyn Rupprecht 11.07.2018

Wenn wir nicht in Vorleistung gehen, dann ist das existenzgefährdend“: Deutliche Worte von Reutlingens Oberbürgermeisterin Barbara Bosch, die dem Naturtheaterverein jetzt einen Planungskosten-Zuschuss in Höhe von bis zu 400 000 Euro gewähren möchte. Der Verein muss sein marodes Betriebsgebäude und das ehemalige Gasthaus Waldesslust, das ebenfalls in einem äußerst schlechten Zustand ist,  abreißen und will an Ort und Stelle zwei komplett neue Häuser bauen (wir haben darüber in unserer Samstagsausgabe ausführlich berichtet).

Sechs bis acht Millionen Euro wird das Gesamtpaket wohl kosten. Wobei das Naturtheater bereits knapp 70 000 Euro in die Planungen gesteckt hat. Weil diese Summe längst nicht ausreichen wird, ist Barbara Bosch nun aktiv geworden. Geht es nach ihr, stellt die Stadt schon im Vorfeld maximal jene 400 000 Euro bereit, die der Verein so dringend benötigt. Dass die Verwaltung dem Gemeinderat einen dementsprechenden Beschlussvorschlag vorlegen wird, „das habe ich so entschieden“, erklärt Bosch mit Nachdruck und mit Blick darauf, dass darüber im Rathaus durchaus Diskussionsbedarf bestanden habe.

Jedoch hat der Beschlussvorschlag, über den am 12. und 17. Juli nicht öffentlich in den Ausschüssen beraten und am 19. Juli öffentlich im Gemeinderat entschieden werden soll, noch einen mindestens genauso interessanten weiteren Punkt zu bieten. Dabei geht es um die Investitionskosten, die in den Baujahren 2019 bis 2024 anfallen werden.

Geht man davon aus, dass der Theaterverein selbst eine Million Euro beisteuern kann, bleibt da noch immer die „Rest“-Summe von fünf bis sieben Millionen Euro. Ein Drittel davon, so Bosch, könnte von Seiten der Stadt kommen. Man erwarte aber sowohl vom Land Baden-Württemberg als auch vom Kreis Reutlingen die Mitfinanzierung dieser Investitionskosten zu je einem Drittel. Argumente dafür, dass gerade auch der Kreis seinen Anteil dazugeben sollte, hat die Oberbürgermeisterin durchaus parat. Denn zum einen komme ein guter Teil des Publikums aus dem Kreis Reutlingen, zum anderen habe er auch schon Zuschüsse fürs Theater in Melchingen bewilligt – das außerhalb der eigenen Kreisgrenze liege.

Sollte der Gemeinderat am 19. Juli dem Beschlussvorschlag der Verwaltung zustimmen, würde die nächste größere Entscheidung in Sachen Naturtheater-Finanzierung anstehen, wenn der Doppelhaushalt 2019/20 verabschiedet wird, in dem die anfallenden Investitionsmittel eingestellt werden sollen.

Der Theaterverein um seinen Vorsitzenden Rainer Kurze und den Geschäftsstellenleiter Tilmann Scheck ist derweil, was das Werben um Zuschüsse angeht, schon selbst äußerst aktiv geworden. Sie haben nicht nur Vertreter  der Gemeinderatsfraktionen durch ihr baufälliges Zuhause, das aus den 1940er Jahren stammt, geführt, sondern auch regen Kontakt zum Kreis, den Landtagsabgeordneten und den Ministerien. Beabsichtigt ist unter anderem, in den beiden Neubauten dem Sondelfinger Verein D’Moospritzer eine neue Heimat zu geben. Der wollte eigentlich selbst eine neue Spielstätte bauen, wofür die Stadt bereits 25 000 Euro im aktuellen Etat eingeplant hatte.  Geld, das nun direkt in den Planungskosten-Zuschuss für das Naturtheater fließen würde, dem man jetzt, so Bosch, „eine Perspektive geben kann“.

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