Reutlingen Eine musikalische Zeitreise

Am Donnerstag feiert die neue Kondschak-Produktion „Von Weimar bis Merkel“ Premiere.
Am Donnerstag feiert die neue Kondschak-Produktion „Von Weimar bis Merkel“ Premiere. © Foto: Theater Tonne
Von Anja Weiß 23.01.2018

Die Eröffnungsfeierlichkeiten des neuen Reutlinger Tonne-Theaters sind am Wochenende erfolgreich über die Bühne gegangen. Am Donnerstag startet der erste Spielplan, das Ensemble wartet mit einer Premiere auf, und die sollte natürlich etwas Besonderes sein, erklärt Dramaturgin Karen Schultze. So kam man schon vor langer Zeit auf die Idee, Heiner Kondschak anzufragen, ob er sich vorstellen könnte, eine Revue über ein Jahrhundert deutscher Geschichte zu machen.

100 Jahre in zwei Stunden

Denn immerhin jährt sich 2018 die Ausrufung der ersten deutschen Republik zum 100. Mal, „Von Weimar bis Merkel“ lautet so denn auch der launige Titel der musikalischen Zeitreise, die natürlich komplett subjektiv ist, sagt Regisseur, Schreiber, Musiker, Komponist und Mitwirkender in Personalunion, Heiner Kondschak. Anders wäre es sicher auch nicht möglich gewesen, sich dem Thema zu nähern, denn immerhin mussten in der zweistündigen Produktion ein Jahrhundert deutscher Geschichte untergebracht werden. Klar, dass man da etliches weglassen musste, um dafür etwas anderes unterzubringen. Da er ohnehin nicht objektiv sein konnte, kam es Kondschak gerade gelegen, dass er seit 40 Jahren Besitzer eines Aktenordners ist, in dem er Lieder und Gedichte sammelt, die ihm am Herzen liegen oder die besonders sind. Tragischkomische Stücke sind dabei, wie Otto Reutters „Nehmen Se `nen Alten“, Kurioses von Claire Waldoff „Wegen Emil seine unanständige Lust“, aber auch Sozialkritisches   von Rio Reiser oder „Ich habe einen Traum“ von Konstantin Wecker, angelehnt an die Rede von Martin Luther King. Auch eigene Lieder hat Kondschak komponiert, zum Beispiel  zu Texten von Erich Mühsam. Dabei ist nicht alles neu, was aufgeführt wird, rund ein Drittel der Szenen stammen aus anderen Kondschak-Produktionen, die sich mit der Geschichte Deutschlands befassen, etwa aus „Du hast den Farbfilm vergessen“.  Das Ensemble habe auch immer wieder angeregte Diskussionen geführt, was sie besonders bewegt an der Historie, immer wieder kamen Dinge rein, andere mussten weichen und eine Woche vor der Premiere waren die letzten eineinhalb Seiten des Skripts noch nicht fertig, wie Kondschak verrät.

„Wir wollen unsere Geschichte erzählen, und das war eine der spannendsten Arbeiten seit langem“, verrät er.  Es sind wichtige Ereignisse dabei, aber auch komplett Unwichtiges. Merkel kommt ebenso in kabarettistischer Form auf die Bühne wie Beckenbauer,  es gibt ein Medley mit den überflüssigsten Liedern aus den 80ern, es wird unterhaltsamer Quatsch geboten, aber auch Nachdenkliches. Kondschak quält sein Publikum mit einer Nicole-Imitation und erfreut mit grandiosen Darstellern und Musikern. Das Bühnenbild wird der untere Teil des Brandenburger Tors sein, besonders die spannenden Jahre der Weimarer Zeit von 1918 bis 33 werden ausführlich erzählt und dargestellt, sie machen die komplette erste Programmhälfte aus, aber auch neue Entwicklungen greift das neunköpfige Ensemble auf. Der musikalisch-darstellerische Rückblick endet mit einer Zukunftsvision  und dazwischen können die Besucher „eine Geschichtsstunde der besonderen Art und einen eindrucksvollen Bilderbogen durch die Vielfalt der Zeiten“ erleben, verspricht das Theater. Die Proben waren übrigens auch spannend, fanden sie doch während des Umbaus statt. So konnte es durchaus passieren, dass ein melancholischer H-Moll-Akkord von einem lauten Bohrer unterbrochen wurde oder dass der Regisseurs nach Probenende rund 20 Minuten damit beschäftigt war, den Lichtschalter zu suchen. Bis zur Premiere am Donnerstag aber wird sicherlich alles reibungslos ablaufen und der Zeitreise nichts im Weg stehen.

Von Weimar bis Merkel: die Termine

Die Premiere für das neue Stück von Heiner Kondschak am 25. Januar ist schon ausverkauft. Weitere Termine sind: 27. und 28. Januar; 23., 24., 25., 27. und 28. Februar. 4., 7., 9., 11., 24., 25. und 29. März, sowie der 2. April. Die Vorstellungen beginnen um 20 Uhr, abgesehen von denen am 24. und 25. Februar (16 Uhr), sowie die sonntags und am Ostermontag, die bereits um 18 Uhr beginnen.
Extras
Am 23. Februar ist um 22.15 Uhr nach der Vorstellung ein Werkstattgespräch und am 9. März, ebenfalls um 22.15 Uhr ein Geheimtipp mit dem Ensemble.

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