Kunst Eine Frage der Perspektive

swp 25.04.2017

Alles ist eine Frage der Perspektive. Gerade auch in der Kunst. Denn die sollte zumindest eines besitzen: Vieldeutigkeit. Eindimensionale Kunst, darüber herrscht weitgehend Einigkeit, ist nicht wirklich Kunst. Nein, eine künstlerische Arbeit lebt davon, dass sie unterschiedlich betrachtbar, lesbar und deutbar ist.

In diesem Sinne soll auch die Reihe „Blickwechsel“ den Horizont erweitern. Sie heißt im Untertitel „Bilder im Dialog zwischen Kunstwissenschaft und Theologie“. Das Städtische Kunstmuseum Spendhaus wird die Reihe „Blickwechsel“ auch heuer, im Jubiläumsjahr der Reformation, fortsetzen. Insgesamt vier Termine sind angesetzt (Eintritt frei), bei denen jeweils ein Bild sowohl aus kunstwissenschaftlicher wie auch aus theologischer Sicht interpretiert wird.

Am Anfang ein Gerüst

Auftakt dieses Jahr ist am Donnerstag, 27. April, 18 Uhr im Kunstmuseum Spendhaus. Im Mittelpunkt steht da Philipp Hennevogls großformatiger Linolschnitt „Gerüst“. Die Reihe ist eine Zusammenarbeit des Kunstmuseums und der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Reutlingen. Ins Leben gerufen wurde sie 2015 im Rahmen des Themenjahrs „Bild und Bibel“ auf dem Weg zum Reformationsjubiläum 2017. Wieder treten an vier Donnerstagabenden Kunstwissenschaftler aus dem Spendhaus und Reutlinger Theologen in einen Dialog über Kunstwerke aus der Sammlung des Museums.

Sie erläutern – immer das Original im Blick – ihre jeweilige Sichtweise und tauschen sich darüber auch mit dem Publikum aus. Eine dritte Ebene kommt hinzu: Musikalische Beiträge aus Stadt und Region ergänzen die Abende. Über das Konzept heißt es: „Den Kooperationspartnern geht es – im Kontext von Museum und Ausstellungen eher ungewöhnlich – darum, mit existenziellen Fragen und Themen auf vertraute oder unbekannte Werke der modernen und der zeitgenössischen Kunst zuzugehen.“

Am Ende das Weltgericht

Zunächst werden Kunstwerke befragt, die auf christliche Ikonographie zurückgreifen: So wird zum Abschluss im November HAP Grieshabers monumentaler Holzschnitt „Weltgericht“ (1970) besprochen, der noch nie im Spendhaus zu sehen war.

„Fast noch spannender“ sei es, auch solche moderne oder zeitgenössische Arbeiten zu betrachten, „die nicht sofort preisgeben, dass in ihnen auch existenzielle Fragen angesprochen werden“. In der Auswahl für dieses Jahr sind der Berliner Künstler Philipp Hennevogl (Jahrgang 1968) und der Schweizer Franz Gertsch (Jahrgang 1930) mit gegenständlichen Arbeiten vertreten. Im September steht dann ein strenger Holzdruck des amerikanischen Minimal-­Art-Künstlers Donald Judd (1928 bis 1994) im Mittelpunkt der Betrachtungen.

Blickwechsel – Vier Termine 2017 im Städtischen Kunstmuseum Spendhaus

Donnerstag, 27. April, 18 Uhr, „Im Labyrinth“: Philipp Hennevogl, „Gerüst“, 2008;
Martin Burgenmeister, Pfarrer, Evangelische Kirchengemeinde Reutlingen West – Betzingen;
Joana Pape, Volontärin, Kunstmuseum Spendhaus;
Jazzensemble der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde (Leitung: Kantorin Michaela Frind).

Donnerstag, 27. Juli, 18 Uhr, „Im Fluss“: Franz Gertsch, „Wasser“, 1999;
Astrid Gilch-Messerer, Pfarrerin, Evangelische Kreuzkirchengemeinde Reutlingen;
Herbert Eichhorn, Museumsleiter, Städtisches Kunstmuseum Spendhaus Reutlingen;
Duo Shoko Hayashizaki – Michael Hagemann (Klavier).

Donnerstag, 28. September, 18 Uhr, „Endlose Anfänge“: Donald Judd, „Ohne Titel“, 1991/94;
Thomas Münch, Dekanatsreferent beim Katholischen Dekanat Reutlingen-Zwiefalten;
Dr. Ralf Gottschlich, stellvertretender Museumsleiter, Städtisches Kunstmuseum Spendhaus;
Markus Mehl (Saxophones).

Donnerstag, 30. November, 18 Uhr, „Zeiten(w)ende“: HAP Grieshaber, „Weltgericht“, 1970;
Prof. Dr. Jörg Barthel, Professur für Altes Testament, Theologische Hochschule Reutlingen;
Martina Köser-Rudolph, stellvertretende Museumsleiterin, Kunstmuseum Spendhaus;
Thomas Lambeck (Cello).