Reutlingen Eine Einrichtung mit Zukunft

Reutlingen / Von Ralph Bausinger 04.10.2018

Dekan Marcus Keinath sprach bei der Grundsteinlegung am Dienstagnachmittag von einem „wichtigen Tag für die Marienkirchengemeinde, die Stadt und das Quartier“. Dort, wo das Brenz-Gemeindehaus stand, entsteht in den kommenden Monaten das evangelische Kinderhaus Beethovenstraße. Die neue Einrichtung, wünschte sich Keinath, solle ein Haus der Bildung werden, in dem die Kinder ihre Neugierde pflegen und ihre Fantasie wachsen lassen können.

Das Kinderhaus bietet in vier Gruppen Platz für insgesamt 74 Jungen und Mädchen – bislang waren zwei Einheiten im „Kleinen Brenz“ untergebracht. Neben zwei Gruppen mit verlängerten Öffnungszeiten, die jeweils 22 Kinder umfassen, gibt es noch zehn Ganztagesplätze für Kinder von ein bis drei Jahren, sowie weitere 20 Plätze für Jungen und Mädchen zwischen drei und sechs Jahren.

„Wir brauchen Kindergartenplätze. Wir brauchen Schulplätze“, betonte Robert Hahn mit Blick auf steigende Einwohnerzahlen. Die Stadt sei daher, so  der Reutlinger Sozialbürgermeister, sehr stark daran interessiert, dass sich die Kirchen in der Kinderbetreuung engagieren. Schließlich fehlten zum Beginn des Kindergartenjahres fast 400 Plätze. Hahn erinnerte in seiner kurzen Ansprache aber auch an den langen und anstrengenden Prozess der Umsetzung.

Mit dem Kinderhaus schlage  die evangelische Kirche in Reutlingen ein „neues Kapitel auf“, sagte Prof. Martin Plümicke. Sie steige damit erstmals, so der Vorsitzende des Kindergartenausschusses der Gesamtkirchengemeinde, sowohl in die Betreuung von unter Dreijährigen als auch in die Ganztagesbetreuung ein. Aufgrund der schwierigen finanziellen Lage sei die Kirche gezwungen, die Einrichtung in der Ernst-Reuter-Straße zu schließen. Auch wenn es sich um einen evangelischen Kindergarten handelt ist das Haus für Kinder anderer Konfessionen und Religionen offen. „So hoffen wir, dass wir schon bei den Kleinen einen Baustein für den Frieden zwischen den Religionen legen können“, betonte  Plümicke.

„Wir schaffen den Rahmen, dass ihre Kinder eine schöne Zukunft haben. Für das Beleben sind die Kleinen da“, sagte die Tübinger Architektin Anette Hähnig, die im Kinderhaus stark auf den Werkstoff Holz setzt.

Marienkirchenpfarrer Sven Gallas bezeichnete das Projekt als „starkes Signal gegen Momente der Resignation“, bedingt durch die sinkende Zahl von Kirchenmitgliedern. In die Kiste, die in das neue Haus eingebaut wird, findet sich auch eine Wunschliste. Eine Pommesbude durfte ebensowenig fehlen wie der riesige Garten mit Fußballfeld.

Die Kosten für das Kinderhaus betragen rund 2,9 Millionen Euro, wovon die Stadt Reutlingen 85 Prozent trägt. Er sei froh und dankbar, dass sich die Stadt so einbringe, sagte Keinath. Die Fertigstellung ist für Herbst kommenden Jahres vorgesehen. Nach der Fertigstellung des Kinderhauses wird der „Kleine Brenz“ abgerissen.

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