Reutlingen Eine eigenständige Marke

Die Stadt Reutlingen hat einen Theater-Neubau: Gestern Abend wurde mit vielen Lobesreden und kulturellen Beiträgen die neue „Tonne“ eingeweiht. Am Wochenende sind die Türen des Theaters geöffnet.
Die Stadt Reutlingen hat einen Theater-Neubau: Gestern Abend wurde mit vielen Lobesreden und kulturellen Beiträgen die neue „Tonne“ eingeweiht. Am Wochenende sind die Türen des Theaters geöffnet. © Foto: Thomas Kiehl
Reutlingen / Carola Eissler 20.01.2018

Die Stadt Reutlingen hat ein neues Theaterhaus. Das hat zwar fast elf Millionen Euro gekostet, was der Bund der Steuerzahler in der Vergangenheit angeprangert hatte, aber davon war gestern Abend bei der Eröffnung nicht die Rede. Vielmehr übertrafen sich die Gastredner in ihrer Anerkennung für den Neubau und die Kultur, die in Zukunft dort ausreichend Platz haben wird. Lob und Anerkennung für die Stadt Reutlingen gab es nicht nur von Landrat Thomas Reumann, sondern auch von Ministerialdirektor Ulrich Steinbach vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg. Und vielleicht wird ja in Stuttgart Oberbürgermeisterin Barbara Boschs Bitte, das Reutlinger Stadttheater nun in die vom Land geförderten Kommunaltheater aufzunehmen, gehört. Er sage zwar nichts zu, erwiderte der Ministerialdirektor, aber „wir bleiben im Gespräch“.

Es ist ein vorgezogenes Geburtstagsgeschenk, das dem Theater Tonne mit dem Neubau beschert wird. 1958 fand im Keller von Anton Geiselhart die Premiere der Tonne statt, sechs Jahrzehnte später wird nun also ein  Stadttheater nach den Plänen der h.s.d.-Architekten aus Lemgo eröffnet. Bosch betonte, es gehe ein lang gehegter Wunsch nach einer angemessenen Spielstätte in Erfüllung. Der Weg zum Neubau war lang und führte auch über den Bürgerentscheid 2006, als es um Investitionen in Kulturräume ging. Die Bürger gaben damals grünes Licht. „Es ist geschafft. Nach dem soziokulturellen Zentrum franz.k und der Stadthalle weihen wir heute unser Stadttheater ein.“ Als Glanzstück bezeichnete Bosch die Spiegelfassade des Gebäudes. Sie erinnere an Theatervorhänge und signalisiere, dass das gesamte Haus eine spielbare Bühne sei. Das Theater sei sowohl innen als auch außen einer Großstadt würdig. Sie hoffe, sagte Bosch, „dass wir das Profil der Stadt weiter entwickeln und schärfen können“.

Mehr Erfolg braucht mehr Raum

Für Landrat Thomas Reumann ist die Tonne etwas Besonderes, „längst eine eigenständige Marke weit über den Landkreis hinaus“. Kreativität und Erfolg bräuchten Raum, verdeutlichte Reumann. „Und mehr Erfolg braucht mehr Raum.“ Besonders freue er sich, dass die Inklusion beim Tonne-Theater eine wichtige Rolle spielt. Denn die Tonne ist nicht nur eine Spielstätte auch für Schultheater und andere Theatergruppen, sondern gleichsam für Schauspieler mit Behinderung. Schon seit geraumer Zeit arbeitet die Tonne mit der BAFF-Lebenshilfe (Bildung Aktion Freizeit Feste) zusammen.

Die Kreativität des Tonne-Theaters zeigte sich gleich am gestrigen Eröffnungsabend in zahlreichen Kurzbeiträgen von Hamlets Monolog bis zum vertonten Bauzeitenplan. Ebenso erhielten die zahlreichen geladenen Gäste einen Vorgeschmack auf die Premiere am nächsten Donnerstag, wenn „Von Weimar bis Merkel,  100 Jahre deutsche Geschichte“ auf die Bühne kommt.

Neues Zeitalter

Vor allem Architekt Jochen Schmid, Leiter des Reutlinger Büros von Hartmaier & Partner, der den Bau vor Ort begleitet hat, mag gestern Abend ein Stein vom Herzen gefallen sein. Zwar ist die Spiegelfassade noch nicht komplett fertig, der Eröffnung stand dies allerdings nicht im Wege. Für Intendant Enrico Urbanek beginnt nun ein ganz neues Zeitalter der Theaterarbeit. Am Wochenende können sich Besucher vom gelungenen Bau und auch von der inhaltlichen Theaterarbeit überzeugen.

Tage der offenen Tür heute und morgen

Das neue Theater Tonne öffnet seine Türen. Und zwar alle. Heute und morgen haben Besucher Gelegenheit, Theaterluft zu schnuppern und hinter die Kulissen zu blicken. Die Tage der offenen Tür beginnen am heutigen Samstag um 13 Uhr und dauern bis 20 Uhr, am morgigen Sonntag geht es um 12 Uhr los. Die Besichtigung ist dann bis 16 Uhr möglich.

Viele Ensembles sind zu Gast am Wochenende und zeigen kleine Ausschnitte und Installation. Die Kultur-Häppchen dauern jeweils etwa 15 Minuten. Besucher können also Kultur pur erleben und von einer Vorstellung zur anderen wandern. Der Umzug des „Theatergeistes“ ist heute ab 17 Uhr von der Planie 22 bis zur Jahnstraße ins neue Domizil. Die Flames Fire-Company begleitet den Umzug durch die Innenstadt mit einer Feuershow.