Pfullingen Eine Chance für den Süden

Das Thomasareal: Die grüne Wiese soll schon bald überbaut werden.
Das Thomasareal: Die grüne Wiese soll schon bald überbaut werden. © Foto: Evelyn Rupprecht
Pfullingen / EVELYN RUPPRECHT 14.07.2016
Pfullingens Süden hat Nachholbedarf, was die Nahversorgung angeht. Und trotzdem wird der neue  Rewe-Markt kleiner ausfallen als geplant.

Nachdem’s kurz gehakt hatte, „ist jetzt wieder alles im Fluss und wir können weiterarbeiten“:  So umschrieb Bürgermeister Michael Schrenk in der Gemeinderatssitzung am Dienstag den Stand der Planungen zu Markt- und Wohnungsbau auf dem Thomasareal, das direkt an der Stuhlsteige liegt. Gehakt hatte es indes, weil der Regionalverband Neckar-Alb mittlerweile als Genehmigungsgrundlage ein kommunales Standortkonzept verlangt. Das gibt’s nun – und das hat Matthias Prüller von der Imakomm Akademie GmbH jetzt dem Gemeinderat vorgestellt.

Die Ergebnisse der Untersuchung sind nicht wirklich überraschend. Die gute Nachricht: Die Versorgungssituation in der Stadt ist durchschnittlich.  Die nicht ganz so gute Nachricht: Im Norden ist die Lage sehr, ja fast schon zu gut, im Süden gibt’s zu wenige Einkaufsmöglichkeiten. Das Fazit des Experten: „Es besteht ein Ungleichgewicht“.  Das Verkaufsflächenpotenzial für Pfullingen liegt bei rund 10?800 Quadratmetern, vorhanden sind aber bereits 10?600. „Sehr viel mehr geht also nicht“, so Prüller. Trotzdem soll der Süden jetzt gestärkt werden – nicht nur, um die Nahversorgung dort zu optimieren, sondern auch, um die Verkehrsströme besser zu verteilen. Das Konzept sieht demnach zwei Versorgungsgebiete vor: Das schon bestehende, das an Reutlingen und Eningen grenzt, und das für die Innenstadt, an das auch das Thomasareal angegliedert sein wird. Allerdings gibt’s noch weitere Vorgaben: Denn der Lebensmittelmarkt muss, um als Nahversorger durchzugehen, mindestens 80 Prozent seines Umsatzes aus der direkten Umgebung  erzielen, womit maximal 500 bis 1000 Meter oder zehn Gehminuten gemeint sind. Doch, so Prüller, die Vorgaben wird Rewe nicht schaffen. Aus dem vorgegebenen Gebiet seien nur 71 Prozent des Umsatzes zu generieren. Weshalb der Markt mit seinen geplanten 1600 Quadratmetern nicht genehmigungsfähig wäre und jetzt auf 1400 Quadratmeter runtergefahren wird. Womit es, so der Bürgermeister, auch neue Grundlagen für den Bebauungsplan gibt, der am Dienstag auf der Tagesordnung stand. Es ging darum,  den Auslegungsbeschluss zu fassen für das Gelände, auf dem die Baugenossenschaft Pfullingen neben und über dem Lebensmittelmarkt in drei Gebäuden 39 Wohnungen – 20 davon sind für sozial Schwachere gedacht – erstellen möchte.

Das Vorgehen auf dem Thomasareal stieß indes nicht bei allen Stadträten auf ungeteilte Zustimmung. Gert Klaiber (CDU) tat sich schwer mit der „Methodik und der Argumentation“ und ärgerte sich über die „durchgestylten Regelungen“, die mittlerweile für viele Bereiche gelten würden. „Ich zweifle nicht am Konzept, aber ich tue mich schwer mit den Zielen und der Umsetzbarkeit“. Er wollte wissen, ob zum Beispiel der Inselladen dann überhaupt noch zulässig sei. „Ist er“, konnte der Imakomm-Fachmann beruhigen. Schlicht weil der Inselladen unter 799 Quadratmeter groß sei und damit zur „kleinflächigen Nahversorgung zählt“. Und auch die Märkte im Norden Pfullingens müssten, um ein Gleichgewicht zum Süden zu schaffen, nicht abgebaut werden. „Denn sie haben Bestandsschutz“.

Bedenken hatten aber auch gleich mehrere Räte, was das gesamte Projekt inklusive Wohnungen angeht, als der Bebauungsplan zur Diskussion stand. Martin Fink (UWV) begrüßt zwar das Vorhaben, ist aber schon gespannt auf die Details der Freiflächenplanung und wünscht sich ein „offenes, lebendiges Stadtteilzentrum“. Malin Hagel (GAL) kündigte indes an, dass sie zwar für den Nahversorger und die Sozial-Wohnungen stimmen könne, nicht aber für den Bebauungsplan. Sie verwehrt sich gegen die Flächenversiegelung. „Zu viel Beton“, kommentierte sie die Pläne. Gert Klaiber argumentierte zwar von einer anderen Seite her, sieht die Verdichtung aber kritisch.  An der Stuhlsteige befinde sie sich gar schon in einem grenzwertigen Maß. Zugestimmt hat er trotzdem. So wie Margrit Vollmer-Herrmann (SPD), die  den Eingriff in Bestand und Fläche zwar sieht,  in dem Projekt „aber auch die Chance für eine wohnortnahe Versorgung“ erkennt. Britta Wayand (FWV) hätte die Gebäude gern anders angeordnet, damit am Pfarrhaus mehr Platz bleibt und eine zusammenhängende Grünfläche entsteht. Gerd Mollenkopf (CDU) würde gar, damit das Ensemble harmonischer wirkt,  „ein Geschoss wegnehmen“.

All das freilich irritierte sowohl den Bürgermeister als auch Meinrad Riedlinger von der Stadtplanung. Michael Schrenk sah sich gar gezwungen, „dazwischenzugrätschen“ und dem Publikum zu erklären, dass man durchaus nicht das erste Mal über das Projekt rede. Er rechnete sogar mit einem „heftigen Anruf der Baugenossenschaft“, wenn sie den Verlauf der Diskussion nachlese. Überrascht von der Debatte war auch der Mann vom Planungsamt. Schließlich sei es doch erstaunlich, „dass man so ein Projekt  in der heutigen Zeit überhaupt noch hinkriegt“. Zumal es sich bei dem neuen Rewe durchaus nicht um „Gebrauchsarchitektur“ handle.  Was  Hans-Dieter Losch (UWV) allerdings nicht davon abhalten konnte, gegen den Bebauungsplan zu stimmen, „weil unser Thomaskirchengebäude hinter den Neubauten versäuft“.

Mehrheitlich stimmten die Räte denn aber doch sowohl dem Standortkonzept als auch der Auslegung des Bebauungsplans Thomasareal zu.

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