Unterschiedlicher könnten die beiden Angeklagten, die unmittelbar vor ihren Verteidigern auf Stühlen sitzen, nicht sein. Der Eine immer wieder grinsend und laut ins Mikrofon sprechend, der Andere mit gefalteten Händen und leiser Stimme.

Seit Mittwoch müssen sich die  zwei Männer vor dem Tübinger Landgericht unter anderem wegen Einbruch, Diebstahl und Sachbeschädigung in ganz Baden-Württemberg verantworten. Gemeinsam sollen sie im Jahr 2017 Einbrüche unter anderem in Nürtingen begangen haben und dabei Wertgegenstände und Schmuck im Wert von rund 26 6300 Euro erbeutet haben.

Goldbarren für 50 000 Euro

Die heute 29 und 27 Jahre alten Angeklagten sollen darüber hinaus auch für einen Einbruch und versuchten Diebstahl in einem Einfamilienhaus in Eningen von vor zweieinhalb Jahren verantwortlich sein.

Gemeinsam mit mindestens einem weiteren bisher unbekannten Mittäter, sollen die beiden Männer versucht haben Wertgegenstände und Goldbarren zu entwenden, wobei das Gold allein einen Wert von knapp 50 000 Euro haben soll. Allerdings blieb es beim versuchten Diebstahl, da die zum damaligen Zeitpunkt eintreffende Polizei die Täter zur Flucht zwang. Der jüngere der beiden mutmaßlichen Täter konnte kurze Zeit später festgenommen werden und sitzt seitdem in der Justizvollzugsanstalt Stuttgart. Der an der Tat ebenfalls mutmaßlich beteiligte 29-Jährige entging jedoch einer Festnahme. In den folgenden zwei Jahren soll dieser vor allem im Raum Freiburg zahlreiche weitere Einbrüche verübt haben, für die er sich nun ebenfalls vor Gericht verantworten muss.

Perspektivlosigkeit und Drogen

Das ihm womöglich eine mehrjährige Haftstrafe droht, scheint den 29-Jährigen am Mittwochmorgen nicht weiter zu verunsichern. Hin und wieder streicht er sich die Haare aus dem Gesicht und nimmt selbstbewusst Stellung zu seinem persönlichen Werdegang. 1990 geboren, brach er seine Ausbildung zum Goldschmied, die er nach der Schule 2004 begonnen hatte, nach zwei Jahren ab und ist seitdem arbeitslos. Zudem kam der regelmäßige Konsum von Drogen.

Drogenerfahrung besitzt auch der mitangeklagte 27-Jährige. Er sei aber, wie er betont, seit zwei Jahren „clean“. Seine berufliche Laufbahn lief mit einer abgeschlossenen Ausbildung zum Metzger und einer anschließenden Anstellung ebenfalls wesentlich erfolgreicher. Allerdings ging der Betrieb insolvent und der junge Mann konnte sich nur noch mit Gelegenheitsjobs auf dem Bau über Wasser halten.

In wie weit sich die scheinbare Perspektivlosigkeit und der Drogenkonsum als Begründung für die kriminelle Laufbahn der beiden Angeklagten auf die Verhandlung auswirken werden, wird sich in den kommenden vier Verhandlungstagen zeigen. Das Urteil des Gerichts unter dem Vorsitz von Richter Ulrich Polachowski, wird für nächste Woche erwartetet.

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