Rommelsbach Einblicke in harte Bauernhofarbeit

Rommelsbach / NORBERT LEISTER 11.07.2016
In Rommelsbach auf dem Drei Birkenhof, da ist gut sein. Vor allem, wenn zum Brunch geladen wird. Hinter der Landwirtschaft steckt aber viel Arbeit

„Es ist beschämend, was Bauern für ihre qualitativ hochwertigen Produkte bezahlt bekommen“, sagte Landrat Thomas Reumann beim Bauernhofbrunch auf dem Hof der Familie Kern. Drei Generationen arbeiten dort zusammen, als der Sohn von Markus Kern mit dem Traktor losfährt, erklärt der Vater: „Er muss los, um den Großvater zu holen, der mit einem Plattfuß an seinem Schlepper liegengeblieben ist.“ Der ganz alltägliche Wahnsinn auf einem Bauernhof. „Doch es gibt auch mal Tage, an denen alles funktioniert“, so Markus Kern.

Bei den Vorbereitungen für den Bauernhofbrunch konnten die Männer der Familie nicht mitwirken: „Wir waren die ganze Woche über auf den Feldern, zur Ernte von Gerste, Heu und Kartoffeln“, erläuterte der Landwirt gestern bei der Führung über den Drei Birkenhof. Das gute und trockene Wetter müsse ausgenutzt werden, kommende Woche soll’s ja deutlich schlechter werden. Kerns Frau war also zusammen mit einer ganzen Schar an Helfern gefordert, um den sonntäglichen Brunch zu organisieren.

Keine leichte Aufgabe – doch was ist schon leicht auf einem Bauernhof? Reumann dazu: Die Verbindung vom mittlerweile 12. Bauernhofbrunch mit der Gläsernen Produktion sei eine geniale Idee – die im Übrigen zum ersten Mal in dieser Art umgesetzt wurde. Ganz konkret und transparent werde dabei aufgezeigt, was für eine Riesenmenge an Arbeit und wie viel Engagement hinter der Lebensmittelproduktion in der Landwirtschaft stecke. „Dabei ist es beschämend, wie wenig Geld die Bauern für ihre Produkte erhalten.“ Grundsätzlich stelle sich die Frage, „ob wir bereit sind, für regionale Produkte ein bisschen mehr zu bezahlen“, betonte der Landrat.

Beim Getreide etwa sei das eine ganz vertrackte Angelegenheit, erklärte Markus Kern bei der Hofführung. „Da kriegen die Landwirte mit 100 Hektar Anbaufläche genauso viel Geld für ein Kilo Weizen wie wir hier auf einem halben Hektar Fläche.“ Dass diese Rechnung kaum aufgehen kann, sei offensichtlich. Zumal, wenn ein so nasser Sommer wie dieser auch noch Schimmel am Getreide nach sich zieht. Zusätzlich zu den Informationen bei der Hofführung gab es noch einen Stand des Landwirtschaftsamts, an dem Kindern und Erwachsenen spielerisch die Produktion von Lebensmitteln im Jahreslauf nahegebracht wurde. Und natürlich gab es obendrein jede Menge gutes Essen – die zahlreichen Gäste ließen es sich sowohl auf dem Drei Birkenhof in Rommelsbach ebenso gut gehen wie auf dem Obsthof Frech in Sickenhausen. Die anderen vier Höfe, die an sich am Bauernhofbrunch beteiligten, lagen zwar auch alle im Biosphärengebiet – aber nicht im Kreis Reutlingen.

Die Lage in der Landwirtschaft ist nach den Worten vom Kreisbauernverbandsvorsitzenden Gebhard Aierstock nicht gerade rosig. Das Wort „Höfesterben“ mag er dennoch nicht: „Der Strukturwandel schreitet weiter voran, inklusive Landwirtschaft 4.0“, betonte er am Rande der Veranstaltung auf dem Drei Birkenhof. Immer größere und effizientere Maschinen könnten nun mal nur auf immer größeren Flächen eingesetzt werden. Beim Blick zurück auf eine Zeit, in der kleine Bauernhöfe noch große Familien ernähren konnten, sagte Aierstock: „Früher war aber auch nicht alles gut.“

Heute sei es auf vielen Höfen schwierig, einen Nachfolger zu finden, so der Kreisbauernverbandsvorsitzende. Wenn von drei Kindern keines den Hof übernehmen will, dann müssten einfach andere Lösungen gefunden werden. „Am Ende steht doch immer, dass man Geld verdienen muss.“ Das gelte für Bauern genauso wie für alle anderen Berufe. Zwar fänden manche Landwirte Nischen – doch das müsse jeder für sich selbst herausfinden. Und auch wollen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel