Es hat sich ausgeläutet – zumindest unter der Woche. Weil der Turm der Martinskirche saniert wird, müssen die Glocken schweigen. Vor allem das anhaltende und schwungvolle 11-Uhr-Läuten dürfte den Pfullingern fehlen, zumal es auf dem Marktplatz derzeit trotzdem nicht gerade ruhig zugeht. Seit Montag sind die Gerüstbauer am Werk, damit die Erneuerung von Turm und Glockenstuhl der Kirche beginnen kann – und bereits seit vergangener Woche wird nur wenige Meter entfernt in Richtung des Paul-Gerhardt-Hauses das Pflaster aufgerissen, weil die Deckenabdichtung der Marktplatz-Tiefgarage ebenfalls saniert werden muss.

Pfullingen

Neuausrichtung des Marktplatzes

Baulärm ersetzt also das Glockengeläut. Und dabei hat die eigentliche Neuausrichtung des Marktplatzes, mit der sich der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung einmal mehr befasst hat, noch gar nicht angefangen. Immerhin: Die Auslobung der Mehrfachbeauftragung zur Umgestaltung des Platzes mit einem Ideen- und einem Realisierungsteil ist jetzt beschlossene Sache. Mark Arnold vom Büro „Architektur 109“, das den Wettbewerb betreut, sprach in der Gemeinderatssitzung von einem „maßgeschneiderten Verfahren, bei dem am Schluss fünf Teilnehmer ihre Konzepte präsentieren können“. Das Büro sortiert die Wettbewerber vor und eine Jury entscheidet, welche der Kandidaten weiter kommen.

Das Preisgericht besteht unter anderem aus Experten für Stadtplanung und namhaften Professoren, aber auch aus dem Bürgermeister, drei Stadträten sowie Vertretern des Denkmalamts und der Kirche. Auch einen detaillierten Zeitplan für das Verfahren gibt es schon. So ist am 11. Juni Bewerbungsende, am 24. Juni tagt das Entscheidungs-Gremium, das einen Tag später bekanntgeben soll, welche Teilnehmer in der Endrunde sind. Einer Zwischenpräsentation am 26. Juli folgt die endgültige Vorstellung der Modelle am 25. September. „Und am Schluss wird einer gewinnen“, so Arnold.

11 200 Quadratmeter groß

Die Fläche, um die es geht, ist insgesamt 11 200 Quadratmeter groß, wobei der Realisierungsteil 5800 und der Ideenteil 5400 Quadratmeter umfasst. Die Stadt erwartet von den teilnehmenden Büros „Vorschläge zur inhaltlichen, funktionalen und gestalterischen Neuordnung.“ Ziel der Entwürfe, so die Vorgabe, sollte es sein, „durch ein freundliches und einladendes Gesamtbild, unter Berücksichtigung des historischen Gebäudebestandes, einen imagebildenden Erlebnisraum als tragfähige Basis für die zukünftige Entwicklung zu schaffen“. Auch die Anregungen der Bürger, die kürzlich zum Marktplatz-Dialog ins Rathaus eingeladen waren, sollen in die Planung einfließen. Jede Menge Vorschläge brachten jetzt allerdings auch die Stadträte ein. Mit Blick auf den Lindenplatz, dessen Umgestaltung sich zeitlich und gestalterisch anschließen soll, wollte Walter Fromm (SPD) wissen, ob es nicht sinnvoll wäre, zu wissen, wo später „das Stadtbähnle fahren soll“. Und Uwe Wohlfahrt (FWV) befürchtete gar, dass eben diese Regionalstadtbahn „unsere Planungen um zehn bis 15 Jahre ausbremst“. Da allerdings hatte Bürgermeister Michael Schrenk gute Nachrichten. Denn was die Trasse angeht, haben sich die zuständigen Behörden gemeldet. „Wir haben die Information, dass wir nicht länger zuwarten müssen. Das kommt sogar noch auf die Tagesordnung des alten Gemeinderats“, ist sich der Bürgermeister im Hinblick auf die Kommunalwahl im Mai sicher. Malin Hagel (GAL) forderte indes einen Bürgerdialog und eine öffentliche Diskussion zur Trasse – um dann wieder aufs Thema Marktplatz zu kommen. Hagel sähe im Entscheidungs-Gremium auch gern einen Vertreter des Gewerbe- und Handelsvereins. Eine Idee, für die sich Mark Arnold so gar nicht begeistern konnte. „Ein GHV-Vertreter wäre vielleicht etwas parteilich“, sagt er, der weiß, dass der GHV gern wieder Autos auf den Marktplatz lassen würde.

Marktplatz aufpeppen

Ute Jestädt (UWV) interessierte sich derweil dafür, was mit der alten Konzeption für den Lindenplatz geschehen sei, „für die wir ja damals auch Geld ausgegeben haben“. Doch die Anregung, den Siegerentwurf aus dem 2008-er-Verfahren in die heutige Planung aufzunehmen, traf bei Arnold auf Zurückhaltung. Schließlich sollen Markt- und Lindenplatz „unter einem Thema“ und aus einer Hand erneuert werden. Zumal die Umgestaltung des Lindenplatzes, die jetzt zum Ideen-Teil der Mehrfachbeauftragung gehört, noch einige Jahre auf sich warten lassen dürfte. Denn jetzt geht’s erstmal darum, den Marktplatz aufzupeppen. Wobei die Planer sogar einen kleinen Rathaus-Anbau mit einplanen dürfen. Ob die Erweiterung des Verwaltungsgebäudes dann tatsächlich an der Stelle realisiert wird, steht allerdings noch in den Sternen.

Was vor mehr als zehn Jahren geplant war


Für die Lindenplatz-Umgestaltung wurde bereits im Jahr 2005 ein Gutachterverfahren in Auftrag gegeben, ein Jahr später ist der Bereich in das Bund-Länder-Sanierungs- und Entwicklungsprogramm aufgenommen worden und 2007 befasste sich der Gemeinderat mit den verkehrstechnischen Details.

Den städtebaulichen Wettbewerb für das Gebiet hatte damals die Arbeitsgemeinschaft Bamberg/Wurst gewonnen. Nach diesen Plänen sollte zum Beispiel der Verkehr nur noch über die Marktstraße geleitet und der Stadtbach offen gelegt werden. lyn