Viele Gäste fanden sich am Sonntag zum Saisonauftakt im Heimatmuseum Eningen ein. Höhepunkt war die Präsentation der beiden Kabinettscheiben von 1655, die jetzt ihrer Bedeutung entsprechend gezeigt werden.

„Bisher hingen die beiden Glasgemälde im Kirchenzimmer und wurden nur wenig beachtet“, sagte Frank Ausmeier. Für sein im Dezember 2017 erschienenes Buch „Kirchengeschichte von Eningen unter Achalm“ hatte er auch im Fundus des Heimatvereins recherchiert und war dabei auf die beiden Exponate aufmerksam geworden.

„Die Bleiverglasung war an einigen Stellen schadhaft, so dass hier das Glas aufeinander rieb“, erläutert der Autor. Als er die beiden Stücke zu einem Restaurator nach Stuttgart brachte, gab es eine Überraschung. „Er ist schier vom Glauben abgefallen.“ Es sei eine Seltenheit, dass dünne bemalte Glasscheiben mit einem Alter von rund 360 Jahren die Geschichte bis heute überdauerten. Zudem entstanden die qualitätvollen Kunstwerke in einer armen Zeit, in der nach dem 30-jährigen Krieg in ganz Europa Verwüstung und Not herrschten. „Erst da wurde uns bewusst, was wir für einen Schatz haben.“ Die Scheiben wurden gereinigt und stabilisiert, für zusammen 3500 Euro, die der Heimat- und Geschichtsverein trägt.

Die erste Kabinettscheibe zeigt Hans Jacob Millheisen mit Hellebarde und Degen in der zeitgenössischen Soldatenuniform, wie man sie beispielsweise aus Darstellungen Wallensteins kennt. Rechts neben ihm ist in prachtvollem Gewand seine Ehefrau Annamaria zu sehen, die ihm einen Trinkbecher reicht. Über dem Paar wird eine Wirtshausszene gezeigt. Auch auf der zweiten Scheibe steht ein Ehepaar, Schulmeister „Johannes Schauffler von Eningen under der Achell“ und seine Frau Barbara, im Mittelpunkt. Über ihnen erscheinen Szenen aus dem Leben Johannes des Täufers, des Namenspatrons des Lehrers. Zwischen den Eheleuten steht in einer Kartusche der Satz „Gott Allein (sei) Ehrr“, der auf den Zweck der beiden Scheiben hindeutet. „Im 30-jährigen Krieg wurde die Andreaskirche zum größten Teil zerstört“, sagte Frank Ausmeier. Ab 1650 erfolgte der Wiederaufbau, für den die  Eninger Bürger dann auch spendeten. Dafür durften sie sich ein Denkmal setzen, indem sie mit Namen und persönlichem Lebensumfeld an exponierter Stelle in einem Kirchenfenster verewigt wurden.

„Insgesamt gab es wohl 15 dieser Scheiben. Eine weitere befindet sich noch im Treppenaufgang der Kirche.“ Wann sie aus den Kirchenfenstern entfernt wurden, ist nicht bekannt. Jedoch weiß man durch die Fachkenntnis des Restaurators, dass die Scheiben in der Reutlinger Werkstatt von Christoph Alt Maurer II angefertigt wurden. Weitere Einzelheiten sind der neuen Veröffentlichung von Frank Ausmeier zu entnehmen, dessen reich bebildertes Buch über die Eninger Kirchengeschichte informiert.

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Jahre alt sind die beiden Kabinett­scheiben aus Glas, die jetzt restauriert wurden und im Heimatmuseum in Eningen zu sehen sind. Eine wahre Rarität, die die Geschichte überdauerte.