Film Ein Schaufenster für das lateinamerikanische Kino

Die Macher des Cine Latino: Berenice Höntzsch, Pola Hahn, Irene Jung, Paolo de Carvalho und Kathrin Frenz (v. links).
Die Macher des Cine Latino: Berenice Höntzsch, Pola Hahn, Irene Jung, Paolo de Carvalho und Kathrin Frenz (v. links). © Foto: Spieß
Reutlingen / Jürgen Spieß 17.04.2018

Ganze 25 Jahre Cine Latino und 15 Jahre Cine Espanol: Das Jubiläumsfestival findet vom 18. bis 25. April in Tübingen, Stuttgart, Freiburg und erstmals auch mit einem durchgehenden Programm im Reutlinger Kamino statt. Zum Auftakt am Mittwoch läuft der brasilianische Spielfilm „Aquarius“ von Kleber Mendonca Filho.

Vor 28 Jahren ließ sich der heute 53-jährige Paulo Roberto de Carvalho in Tübingen nieder, drei Jahre später startete er im Club Voltaire die ersten brasilianischen Filmwochen, die in der Anfangszeit vor allem die Filmgeschichte des südamerikanischen Landes aufarbeiteten. Bald darauf öffnete sich die Filmreihe für Beiträge aus ganz Lateinamerika und firmiert seit 1995 unter dem Namen „Cine Latino“.

Im Jahr 2003 kamen mit dem Cine Espanol noch spanische Filme hinzu. Während Stuttgart und Freiburg schon lange mit im Festivalboot sitzen, zeigt auch das Reutlinger Kamino erstmals an allen Festivaltagen einen Film. Mit den Regisseuren Uli Stelzner (20. April) und dem Brasilianer Marcelo Caetano (25. April) kommen zudem zwei Festivalgäste in die Achalmstadt und stellen ihre Filme persönlich vor.

Festivalleiter de Carvalho setzt wie in den Anfangszeiten auf künstlerisch avanciertes Kino, auf lateinamerikanische Filme, die selbst in ihren Ursprungsländern häufig kaum bekannt sind. Im Jubiläumsjahr bilden so auch neuere Produktionen der brasilianischen Filmszene einen Schwerpunkt des Festivals. Das neben Mexiko und Argentinien stärkste Filmland Lateinamerikas produziert rund 120 Filme im Jahr, allerdings verschlechtere sich die politische und kulturelle Situation unter der neuen Regierung dramatisch, so de Carvalho über sein Heimatland: „Die Filmproduktion wird ab 2020 vermutlich rapide sinken“, prognostiziert der künstlerische Leiter beim Pressegespräch, „denn Blockbuster sind der neuen Kulturpolitik wichtiger“. Zehn brasilianische Filme werden während der acht Festivaltage gezeigt und von den insgesamt zehn Gästen kommen zwei aus Brasilien.

Insgesamt konkurrieren neun Wettbewerbs-Filme um die Gunst des Publikums und die von der Tübinger Sprachschule Vivat Lingua ausgelobten 1000 Euro Preisgeld. Von den von de Carvalho und den beiden Festivalkoordinatorinnen Kathrin Frenz und Pola Hahn ausgesuchten Filmen schafften es 42 ins Festival-Programm, darunter Spielfilme, Dokumentationen und Kurzfilme. Neben dem hoch gelobten Eröffnungsfilm „Aquarius“ von Kleber Mendonca Filho gibt es zahlreiche weitere Film-Highlights, ein Podiumsgespräch über „Medien und Politik im heutigen Brasilien“ (23.4. im Brechtbau) und eine Ausstellung über die Stadtentwicklung in Rio de Janeiro im Foyer des Kino Museums zu sehen. Ein weiterer Schwerpunkt sind Produktionen, die sich mit dem Leben junger Menschen in Iberoamerika beschäftigen. Nicht verpassen sollte man das 2015 erstmals ausgetragene „Open Festival Space“ in der oberen Haaggasse. Dieses Jahr werden am Donnerstag, den 19. April umsonst und draußen Kurzfilme aus Mexiko gezeigt, am Freitag gibt es in verschiedenen Cafés und Kneipen ein „Best of Brasilian Shorts“ und am Samstag steigt im Schlachthaus ab 22 Uhr die große Festivalparty.

Cine Latino: Morgen startet das Festival

Das Filmfestival Cine Latino läuft vom 18. bis 25. April im Kino Museum Tübingen und jeweils um 18 Uhr im Kamino in Reutlingen. Zum Auftakt am Mittwoch, 19.30 Uhr, ist der Spielfilm „Aquarius“ in Tübingen zu sehen.

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