Reutlingen / Von Norbert Leister  Uhr

Mut machen: Es gibt heute schon genug positive Beispiele für den möglichen Wandel in der Energiepolitik, für die Abkehr von den dreckigen, Luft und Klima verpestenden fossilen Energieträgern. Viele kleinere Initiativen und Projekte beweisen genau das. Dabei gehe es um nicht weniger als die Zukunft, um „die Bewahrung der Schöpfung“, sagte Regisseur Carl-A. Fechner am Mittwochabend. Und genau das war die Hauptaussage seines Films „Power to change – die Energierebellion“, der im Reutlinger „Kamino“ vor ausverkauftem Haus gezeigt wurde. Aber: In Fechners Streifen (der auch den sehr erfolgreichen Dokumentarfilm „Die 4. Revolution“ gedreht hatte) werden die Widerstände gegen den Energiewandel nicht verschwiegen – von zahlreichen Staaten etwa, die nicht allein gigantische Subventionssummen für Kohle, Öl, Gas und Atomkraftwerke ausgeben. Nein, es würden sogar Kriege um die fossilen Energieträger geführt. Wie in der Ukraine. Und das laut Fechner genau in dem Gebiet, in dem riesige Erdölvorkommen sein sollen, die durch Fracking abgebaut werden könnten. Und in Syrien oder im Irak? Dort hätten Dschihadisten und der Islamische Staat Ölförderanlagen und Raffinieren erobert – „wir finanzieren mit unserem Benzin den Terrorismus mit“, so der Regisseur. Widerstand leisten aber auch Lobbyisten aus allen nur erdenklichen Bereichen: Sie wollen mit aller Macht am Bisherigen festhalten. „Der Film zeigt die ganze Bandbreite der Energiewende, auch den besten Weg, nämlich die „Energievermeidung“, sagte Günter Stumpfernagel als Fachmann von der Reutlinger Fair-Energie während der Podiumsdiskussion. Dr. Ulrich Bausch stellte als Moderator am Mittwochabend fest, dass sich ja alle einig seien: Der Veränderungen müssten und könnten auch gelingen. Aber: „Plötzlich gibt es eine weltweite große Koalition der Klimaschutzgegner“, so Bausch in Anspielung auf die ganzen rechtspopulistischen Bewegungen in Europa. Darunter auch die AfD – die den Klimawandel genauso ignoriere wie der neue amerikanische Präsident Donald Trump. „Die nationalistischen Bewegungen leugnen das globale Phänomen“, sagte Fechner dazu.

Das sei „ärgerlich“, bestätigte Dieter Manz. Aber nicht beängstigend. Als Vorstandsvorsitzender der Reutlinger Manz AG denke er, dass „dies ein kurzfristiges Thema sein wird“. Warum? Weil regenerative Energien in nicht allzu ferner Zukunft billiger seien als die fossilen, so Manz. Und dann würden auch endlich Elektro-Fahrzeuge auf dem Vormarsch sein, weil die Batterietechnologie – in der sich die Manz AG seit fünf Jahren engagiert – dann kostengünstig genug für die Serienproduktion von elektrischen Autos sei. „Es gibt keinen technischen Grund, warum sich Elektrofahrzeuge nicht durchsetzen sollten.“

Prof. Frank Truckenmüller von der Reutlinger Hochschule glaube ebenfalls, dass „die Gegner der Energiewende die Entwicklung nicht aufhalten können“. Der Film selbst sei gut, aber auch ziemlich „plakativ“, so der Professor. Sicher sei er sich, „dass wir in zehn bis 20 Jahren keine Großkraftwerke mehr brauchen“, so Truckenmüller. Die Windkraft habe aber einen extrem schwierigen Stand gerade im Landkreis Reutlingen, betonte Stumpfernagel. „Das ist ein ganz schwieriges Thema.“ Dabei müsse und werde die „dezentrale Energieversorgung das Thema der Zukunft sein“. Und das auch, um weitere Flüchtlingsströme zu verhindern, wie Dieter Manz ausführte.

Ob denn die Fair-Energie überhaupt ausreichend Öko-Strom liefern könne, wenn denn alle Reutlinger den haben wollten, fragte einer der Zuschauer im voll besetzten „Kamino“. Günter Stumpfernagel sagte daraufhin: „Das wäre kein Problem – wir könnten genug liefern, auch wenn der Strom dann nicht allein hier in der Region produziert würde“, so der Leiter von Handel und Erzeugung bei der Fair-Energie. Insgesamt könne das Thema Energiewende in der Stadt Reutlingen von der Verwaltungsseite deutlich mehr Unterstützung vertragen und auf der Prioritätenliste deutlich weiter nach oben rücken, war zwischen Film und Podiumsdiskussion aber auch zu hören.