Reutlingen Ein psychiatrisches Leuchtturmprojekt

Prof. Gerhard Längle, Baubürgermeisterin Ulrike Hotz und Architekt Jochen Schmid (von links) freuten sich nach dem Spatenstich vor dem Modell über den Neubau der Reutlinger Psychiatrie in der Lindachstraße.
Prof. Gerhard Längle, Baubürgermeisterin Ulrike Hotz und Architekt Jochen Schmid (von links) freuten sich nach dem Spatenstich vor dem Modell über den Neubau der Reutlinger Psychiatrie in der Lindachstraße. © Foto: Norbert Leister
NORBERT LEISTER 03.12.2015
"Ein in Deutschland einzigartiges Projekt" setzt die Reutlinger Psychiatrie nun in rund 300 Meter Entfernung der PP.rt um - ein Tagesklinik-Ambulanz-Zentrum mit bis zu 100 Plätzen und sieben Spezialambulanzen.

Prof. Gerhard Längle bezeichnete als Geschäftsführer der PP.rt den Neubau des Tagesklinik- und Ambulanzzentrums (EchTAZ) als Leuchturmprojekt. Warum? "Das Besondere ist, neben der Größe des Vorhabens, vor allem die Differenziertheit des Angebotes", betonte Längle am Dienstag kurz vor dem Spatenstich auf dem bislang städtischen Grundstück neben dem Gebäude der Kreishandwerkerschaft - das nahezu unbemerkt über 20 Jahre lang brach lag, wie Reutlingens Baubürgermeisterin Ulrike Hotz betonte. "Nun wird die Lücke städtebaulich geschlossen."

Geschlossen wird auch eine gemeindenahe, niedrigschwellige und ambulante Lücke in Reutlingen, wie Längle betonte. Denn das EchTAZ werde insgesamt rund 100 Tagesklinikpatienten einen Platz bieten und sieben Spezialambulanzen beherbergen. Unter einem Dach vereinigt seien dann also "eine Tagesklinik für Allgemeinpsychiatrie, eine für Depressionserkrankungen und eine für Alterspsychiatrie, jeweils verbunden mit den entsprechenden Institutsambulanzen", so der PP.rt-Geschäftsführer.

Aus der Trägerschaft des ZfP Südwürttemberg komme die Tagesklinik für suchtkranke Menschen hinzu, die Tagesklinik für Migrationspsychiatrie sowie die neu entstehende Tagesklinik für Psychosomatik. Weiterhin werde die Kinder- und Jugendpsychiatrie der Uniklinik Tübingen eine Tagesklinik für Jugendliche mitsamt Ambulanz im EchTAZ-Gebäude einrichten. "Insgesamt eine runde Sache", lobte Längle das Konzept. "Die Abstimmung dieser neu zusammengefassten Strukturen, von denen die meisten bereits jetzt schon an anderen Standorten betrieben werden", betrachtet der PP.rt-Geschäftsführer durchaus als Herausforderung. Deshalb werde parallel zur Bautätigkeit "intensive planerische Konzeptarbeit durchgeführt".

Laut Ulrike Hotz werden mit der neuen Einrichtung "etwa 50 Ärzte, Pflegekräfte und Therapeuten" beschäftigt. Die Kosten für den Bau des sichtbaren dreigeschossigen Gebäudes sowie zwei weiterer unter der Oberfläche belaufen sich nach den Worten der Baubürgermeisterin auf rund zwölf Millionen Euro, "allein drei Millionen davon entfallen auf den Rohbau". Im zweiten UG ist eine Turnhalle geplant, darüber, also im ersten Untergeschoss, soll sich die hauseigene Kantine finden sowie die Tiefgarage. Die Außenanlagen werden das Gelände in verschiedene Zonen wie Patienten- und Therapiegarten gliedern, dazu Innenhöfe sowie Zugangs- und Anlieferbereiche, wie Jochen Schmid als zuständiger Architekt vom Büro Hartmaier und Partner ausführte.

"Unser Ziel ist es, hier zwischen Lindachstraße und Bundesstraße ein freundliches und offenes Gebäude zu bauen, in dem sich psychisch erkrankte Menschen nicht abgeschoben und ausgeschlossen, sondern wohl und integriert fühlen", sagte Schmid weiterhin. Die Reutlinger Psychiatrie PP.rt hat nach den Worten von Klaus Schneider als deren kaufmännischer Geschäftsführer versucht, "in unmittelbarer Nähe zum bestehenden Gebäude was zu finden". Das sei nicht gelungen, bis der Blick auf das brachliegende Grundstück im Eigentum der Stadt fiel. Rund 300 Meter Entfernung zwischen beiden Gebäuden seien überbrückbar, zumal eine Bushaltestelle in direkter Nähe deutliche Vorteile biete. "Es ist nicht selbstverständlich, eine Psychiatrie fast in der Ortsmitte zu bauen", sagte Schneider.