Viele Reutlinger schätzen den  Markwasen als attraktives Naherholungsgebiet. Mit dem Wildgehege und den alten Eichen, die vermutlich 1648 als Dank für den Westfälischen Frieden gepflanzt worden sind, stellt er ein Naturparadies in unmittelbarer Stadtnähe dar. Allerdings sind die Bäume in die Jahre gekommen, es haben sich Hohlräume und Löcher gebildet, und es besteht die Gefahr, dass Äste herabfallen. Daher ist der Eichenhain im vergangenen Jahr eingezäunt worden, wie Thomas Vorwerk bei einem Vor-Ort-Termin am Mittwoch sagte. Gemeinsam mit der Biologin Dr. Heike Jakob (Amt für Tiefbau, Grünflächen und Umwelt) und Stefano Cenni (Amt für Wirtschaft und Immobilien) informierte der Revierförster über den Stand, inwieweit die Pflege- und Nutzungskonzeption bereits umgesetzt ist und welche Vorhaben noch ausstehen.

243 Holzkäferarten

Doch zunächst ein kurzer Abstecher in die Historie: Im Jahr 2014 hatte der Diplombiologe Ulrich Bense das Gebiet als Lebensraum für Vögel und Käfer untersucht. Sein Gutachten wies 243 unterschiedliche Holzkäferarten nach, darunter 29, die wie der Juchtenkäfer oder der Feuerschmied landesweit auf der Roten Liste stehen. Im Markwasen finden sich somit auf einer Fläche von etwas mehr als fünf Hektar über 60 Prozent der im Biosphärengebiet nachgewiesenen Holzkäferarten. Damit nimmt das Areal bezüglich der Biodiversität landesweit einen Spitzenplatz ein.

2017 war es dann die Pfullinger Fachfirma „Förster-Werkstatt“, die im Auftrag der Stadt  eine Pflege- und Nutzungskonzeption für Wildgehege und Umgebung mit konkreten Vorschlägen entwickelte. Das Gebiet erhält eine Doppelfunktion: Einmal soll es als Lebensraum für geschützte Tierarten bewahrt werden und gleichzeitig als Naturerlebnis- und Erholungsraum für die Bevölkerung dienen.

Die Konzeption sieht eine gezielte Lenkung der Besucher durch eine Wege- und Beweidungskonzept vor. Dabei sollen auch die ökologischen Besonderheiten herausgestellt werden.

Waldweide für Schafe

Einige Punkte des ambitionierten Projekts wurden bereits im vergangenen Jahr umgesetzt. Eichen, die zusammengewachsen waren, haben die Forstarbeiter wieder freigeschnitten. Um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten, hat die Stadt die Eichenhaine eingezäunt. Und auch der Waldparkplatz wurde zurückgebaut. Zusätzlich wurde im Frühjahr des vergangenen  Jahres eine Schaf-Waldweide eingezäunt und einen Unterstand für die Schafe aufgestellt. Barbara Zeppenfeld von der Arche Schäferei aus Bronnweiler lässt dort ihre Schafe weiden. Derzeit sind noch fünf Böcke alter Schafrassen vor Ort. „Es geht darum, dass die Fläche gepflegt wird. Wiesen, die beweidet werden, sind  feuchter und humusreicher“, sagt Zeppenfeld.

Einige andere Punkte der Konzeption stehen jetzt an: Um zu vermeiden, dass die Zufahrt zum Wildgehege immer komplett zugeparkt ist, plane die Stadt einen Weg vom Schützenhaus zum Naturtheaterparkplatz, erläutert Vorwerk. Die Realisierung soll in den kommenden  Monaten erfolgen.

Wildgehege wird erweitert

Die derzeitige Zufahrt zum Bogenschützenhaus entfällt, die Bogenschützen erhalten eine neue Zufahrt, die am Ende des Zauns nördlich des Schützenhauses verläuft. Der bisherige Weg wird voraussichtlich 2020 zurückgebaut, sodass das Damwildgehege in Richtung Schützenhauses erweitert werden kann. Dafür stehen 50 000 Euro im Doppelhaushalt 2019/20 bereit.

Aussichtsplattform für Besucher

Ab 2021 könnte die Stadt sogenannte Kronenplattformen errichten lassen – erhöhte Aussichtsplätze für Besucher, die auf Stegen ins Wildgehege hineinführen. Damit die Besucher auch wissen, welche Schätze aus Fauna und Flora vor ihnen liegen, stellt die Stadt Informationen bereit – sei es  nun über Infotafeln, QR-Codes oder eine Smartphone-App. Diese Wissensvermittlung sei wichtig, sagt Heike Jacob. „Nur was wir kennen, lieben wir. Nur was wir lieben, schützen wir.“

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