Reutlingen Ein neues Gebäude und viel Potenzial

Anna Lampert sprach in Reutlingen.
Anna Lampert sprach in Reutlingen. © Foto: Kathrin Kammerer
Reutlingen / Von Kathrin Kammerer 07.11.2018

Da wurde gelobt und gelobt und gelobt. „Potenzial steckt hier drin“, sagte Kulturamtsleiter Dr. Werner Ströbele. „Die Stadt hat einen ganz großen Schachzug gemacht, indem sie dieses Areal erworben hat“, tat auch Gerhard Loew, Vereinsvorsitzender von Netzwerk Kultur Reutlingen, kund. Sogar aus der Landeshauptstadt kam Lob: „Wir in Stuttgart sind neidisch auf ein solches Areal“, sagte Anna Lampert vom dortigen Forum der Kulturen.

Die Rede war von der ehemaligen Paketpost, Unter den Linden, direkt am Ufer der Echaz. Die Stadt hatte das Areal vor zwei Jahren von der Deutschen Post gekauft. Bei der Kulturnacht soll das Gelände eine zentrale Rolle spielen. Und so fand der Runde Tisch Kultur am Montag – ganz authentisch – auch gleich vor Ort statt.

Kulturkonzeption:

Details dazu konnte Kulturamtsleiter Ströbele noch gar nicht nennen, „denn die Konzeption muss erst im Januar dem Gemeinderat vorgestellt werden“. Seit Herbst 2017 ist der Prozess der Fortschreibung der Kulturkonzeption der Stadt Reutlingen im Gange. Durch eine Befragung, 17 Spartengespräche und einen Workshop entwickelte sich seit Herbst 2017 eine Bestandsaufnahme: Wo steht die Reutlinger Kultur? Und wie muss sie sich für die Zukunft aufstellen? Rund 100 Fragebögen seien im Zuge der Kulturkonzeption auch ausgefüllt worden, berichtete Ströbele.

Ein bisschen konnte er den rund 100 Zuhörern beim Runden Tisch Kultur schon verraten: Festivals und ein ausbaufähiges kulturelles Angebot für junge Leute seien beispielsweise Thema gewesen. Oder auch die in Zukunft anstehenden großen Baumaßnahmen (Beispiel: Oberamteistraße oder Wörthstraße).

Kulturelle Teilhabe:

Ein sperriger Begriff stand auf dem zweiten Punkt der Tagesordnung. Anna Lampert vom „Forum der Kulturen Stuttgart“ war hierfür extra aus der Landeshauptstadt angereist. Im Zuge der Kulturkonzeption hatte sich Reutlingen auf das Programm „Interkulturelle Qualifizierung“ beworben – mit Erfolg. Nun soll mit Expertenhilfe aus Stuttgart ausgearbeitet werden, wie verschiedene Kulturen und Vereine in Zukunft besser zusammenarbeiten können. Denn, so betonte Lampert: „Kultur ist für alle da“.

Wie so etwas aussehen kann? Beispielsweise können Theater-Einrichtungen ihre Intendanz für eine gewisse Zeit an Migrantenvereine abgeben. „Zulassen, ertragen, aushalten“, nannte Lampert als Credo. Aushalten, dass nun einfach mal eine andere Art der Kultur im Vordergrund steht, zulassen, dass sich Gewohnheiten eben ändern. Hört sich ziemlich negativ an, oder? Ist es nicht, betonte die Stuttgarterin. „Gesellschaft verändert sich – und wenn sich Kultureinrichtungen nicht verändern, verlieren sie den Anschluss.“ Die Umsetzung des Programms soll im Februar kommenden Jahres starten, sagte Edith Koschwitz, die Geschäftsführerin des Vereins Netzwerk Kultur Reutlingen.

Kulturnacht:

Die siebte Kulturnacht steht in den Planungs-Startlöchern. Das teilte Koschwitz den Zuhörern mit. Am 21. September 2019 soll sie stattfinden. Die ehemalige Paketpost wird ebenfalls als „Kulturhotspot“ integriert, so Koschwitz. „Und wir sind auch daran interessiert, die Räume der Paketpost länger zu halten“, ließ sich durchblicken. Ein Wunsch, der am diesem Abend von vielen Kulturschaffenden wiederholt wurde. Reutlingens Baubürgermeisterin Ulrike Hotz erklärte auf Anfrage unserer Zeitung, dass an dieser Stelle langfristig Neubebauung vorgesehen ist: Und zwar soll die Verwaltung hier einen zweiten Sitz bekommen. Dafür werde im kommenden Jahr ein neuer Wettbewerb gestartet – vor 2020 sei also wohl mit keiner Baumaßnahme zu rechnen.

Aber zurück zur Kulturnacht: Nach einigen Jahren soll nun endlich auch wieder die Pomologie mit einbezogen werden, sagte Ramona Rath, beim Kultur-Verein zuständig für die Kassenführung. „Wir wollen auch an der Lichtkunst festhalten.“  Ach, und bei dieser kommenden Kulturnacht sei auch endlich der Tonne-Neubau mit dabei. „Das gibt dann eine ganz neue Verzweigung“, so Rath weiter. Von rund 80 Veranstaltungsorten war wieder die Rede. Und erneut wurde die ehemalige Paketpost gelobt: „Das wird ein toller Veranstaltungsort sein“, so Rath. Am Freitag vor der Kulturnacht werde es dort schon ein Vorprogramm geben.

Das könnte dich auch interessieren:

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel