Theater-Neubau Ein Meilenstein

Tonne-Intendant Enrico Urbanek (rechts) und Theatervereins-Vorsitzender Thomas Lambeck: Der Theaterneubau ist nicht nur für die Tonne, sondern auch für die Stadt ein Meilenstein.
Tonne-Intendant Enrico Urbanek (rechts) und Theatervereins-Vorsitzender Thomas Lambeck: Der Theaterneubau ist nicht nur für die Tonne, sondern auch für die Stadt ein Meilenstein. © Foto: Carola Eissler
Carola Eissler 12.01.2018

Wir möchten dieses Theater eröffnen“, sagt Intendant Enrico Urbanek. Ein bescheidener Satz für ein großes Werk, auf das die Theaterleute seit 13 Jahren hinarbeiten. In einer Woche, am 19. Januar, wird das neue Theater Tonne eröffnet, am darauffolgenden Wochenende bietet sich nicht nur Theaterkennern, sondern auch Neugierigen, Bürgern, Kulturfans ein Blick hinter die Kulissen des Theaters und ein sattes Kulturprogramm bei freiem Eintritt.

Zum ersten Mal in seiner Stadtgeschichte baut Reutlingen ein Theater. Dort in der Jahnstraße 6, wo einst die alte Listhalle stand, ein vor fünf Jahren abgerissener Zweckbau aus den 1930er Jahren, soll in Zukunft die Kunst das Sagen haben und das Denken dominieren. Fast elf Millionen Euro kostet das neue Zuhause der Tonne. Die Zeiten der Provisorien sind vorbei, wie Urbanek, der seit 17 Jahren Chef der Tonne ist, erleichtert feststellt. 200 Zuschauer fasst der neue Saal. Und es gibt noch etliche Besonderheiten: die bespielbare Probenbühne, die Sprechverbindung zur Garderobe der Künstler, der gigantische Aufzug, das Entree mit dem Grieshaber-Fries. Urbanek hat maßgeblich am neuen Theaterhaus mitgeplant und mitgestaltet. Einerseits deshalb, weil er das Beste aus deutschen Theatern herausholen und in Reutlingen konzentrieren wollte. Andererseits auch deshalb, weil er weiß, dass ein Theaterneubau auch in Zeiten florierender Konjunktur und sprudelnder Steuereinnahmen keine Selbstverständlichkeit ist. Das sei auch der Grund, weshalb die Theatermacher gleich ein ganzes Wochenende lang feiern werden, sagt der 52-Jährige. Und sie werden dabei alle Räume öffnen. Für Interessierte bietet sich die einmalige Chance, in Räume zu schauen, die dann in Zukunft für die Öffentlichkeit verschlossen sind, und Schauspieler bei ihrer Probenarbeit zu beobachten.

Kunst zum Nulltarif, das gibt es am 20. und 21. Januar im neuen Tonne-Theater. Nach der offiziellen Eröffnung mit geladenen Gästen am Freitagabend, 19. Januar, wird zwei Tage lang Kunst und Kultur vom Feinsten geboten. Ensembles, Theatermacher, Nachwuchskünstler bieten Vorstellungen und Workshops und lassen sich in die Karten blicken. Ein Probenbesuch bei Heiner Kondschaks „Von Weimar bis Merkel“ gewährt einen Blick in die Premiere, die dann in der Woche danach auf die Bühne kommt. Das Tanztheater Sculptures, Casa Magica, das junge LTT, Bernd Wegeners Metallwerkstatt, die Tonnellis, das Tonne-Jugendforum, die Theatergruppe des List-Gymnasiums und vieles mehr. Die Ensembles bieten jeweils eine Viertelstunde lang ihr Programm, die Besucher können so von einem zum anderen gehen. „Die Leute sollen kommen, schauen, in Bewegung sein“, wünschen sich Urbanek und Thomas Lambeck, der Vorsitzende des „Theatervereins Reutlinger Theater in der Tonne“. Am Abend wird dann zum „Vorhang auf“ geladen, einem Sammelsurium des ganzen Tages. Allerdings sind die hierfür nötigen Karten bereits weg. Wer die Geschichte des Neubaus im Detail miterleben will, hat dazu bei der Lichtshow „Licht und Schatten“ Gelegenheit.

Am Samstag wird zudem „der Theatergeist von der Planie 22 in die Jahnstraße umgezogen“, wie die Tonne-Leute es ausdrücken. In einem Straßenumzug und begleitet von einer Feuershow der Flames-Fire-Company ziehen Künstler auch über den Marktplatz.

Die Spiegel-Fassade, die in der Planungs- und Bauphase wegen des Naturschutzes mehrmals umgeplant werden musste, wird zur Einweihung des Theaterneubaus nicht ganz fertig werden. Aber das störe nicht, sagt Urbanek, der sich auf das Wesentliche konzentriert: Nicht einmal zwei Jahre nach dem ersten Spatenstich kann das neue Tonne-Theater nun in Betrieb gehen. Ein steiler Aufstieg seit dem ersten Theaterabend 1958 in einem Kellergewölbe.

Festprogramm am 20. und 21. Januar

Die offizielle Einweihung des Tonne-Neubaus ist am Freitag, 19. Januar, um 19 Uhr für geladene Gäste. Am Samstag, 20., und Sonntag, 21. Januar, ist die Tonne für Besucher geöffnet. Alle Räume können besichtigt werden. Außerdem bieten Künstler, Schauspieler, Ensembles Häppchen ihres Repertoires in kleinen Einspielern während des ganzen Tages und zwar am Samstag von 13 bis 20 Uhr und am Sonntag von 12 bis 15.45 Uhr. Am Samstag gibt es von 17 bis 18 Uhr einen Umzug durch die Innenstadt, wobei auf dem Marktplatz eine Feuershow geplant ist. Die Premiere im Neubau findet am Donnerstag, 25. Januar, mit Heiner Kondschaks „Von Weimar bis Merkel“ statt.