Reutlingen Ein Mann mit Qualitäten

Hans Tröster, Bettina Seidel und Rainer Stickelberger wissen das Sozialgericht unter Martin Rother (von links) in den besten Händen. Foto: Anne Leipold
Hans Tröster, Bettina Seidel und Rainer Stickelberger wissen das Sozialgericht unter Martin Rother (von links) in den besten Händen. Foto: Anne Leipold
Reutlingen / ANNE LEIPOLD 04.10.2012
Martin Rother könne eine bemerkenswerte Karriere vorweisen und bringe deshalb eine Vielzahl an Qualitäten für den Job als Präsident des Reutlinger Sozialgerichts mit, lobte Justizminister Rainer Stickelberger.

Hundert Tage ist er bereits im Amt, von der viel gesagten "Bürde der Würde" aber spürt Martin Rother, Nachfolger von Hans Tröster als Präsident des Reutlinger Sozialgerichts, nichts, obgleich die Schonfrist nun zu Ende sei, wie Bettina Seidel, Vizepräsidentin des Sozialgerichts, bei ihrer Begrüßung im großen Sitzungssaal des Landratsamtes vor zahlreichen Vertretern der Justiz, Abgeordneten und Kirchenvertretern bemerkte. Sie wisse das Gericht bei Rother "in besten Händen" und sei zuversichtlich, dass auch weiterhin Lösungen im gemeinsamen Miteinander gefunden werden.

Mit Blick auf Rothers "bemerkenswerte Karriere" kann der baden-württembergische Justizminister Rainer Stickelberger dies nur bestätigen. In nahezu allen Positionen habe der Berufsweg den 52-jährigen Bad Cannstatter geführt. Studium und Referendariat absolvierte Rother in Tübingen. Anschließend arbeitete er ein Jahr am Karlsruher Sozialgericht, bis er dem Sozialgericht der Landeshauptstadt zugewiesen wurde. Nach zwei Jahren wurde er zum Richter auf Lebenszeit ernannt. Das 3. Staatsexamen meisterte Rother laut Stickelberger mit Bravour, 1999 erhielt er den Posten des aufsichtsführenden Richters am Stuttgarter Sozialgericht. Die Karriereleiter stieg Rother 2006 erneut auf, als er zum Vizepräsidenten ernannt wurde. Zwei Jahre später wurde er Vorsitzender Richter am Landessozialgericht.

Mit diesen Stationen in petto hat sich Rother eine Vielzahl an Qualitäten aneignen können, die als Präsident am Reutlinger Sozialgericht gebraucht werden: Organisationstalent, Menschlichkeit, Innovationsfreude und Kreativität sowie Ausgewogenheit, Teamfähigkeit und Loyalität, wie Stickelberger aufführt. Unter Beweis habe er außerdem Fingerspitzengefühl, Belastbarkeit und sein umgängliches Wesen gestellt. Die richtigen Fähigkeiten also, um den sozialen Frieden im Land zu gewährleisten, eine Funktion des Sozialgerichts, die "heute wichtiger denn je" sei. Zwar hat sich die Klageschwemme in Bezug auf Hartz IV vermindert, und die Zusammenlegung der Fachgerichtsbarkeiten konnte abgewendet werden, dennoch setze sich Rother in Reutlingen nicht bequem ins gemachte Nest. Er setze sich den täglichen Mühen aus, die diese Stelle mit sich bringe, wenn auch die Leitung eines Gerichts die schönste Position sei, die man in der Justiz erlangen könne: "Ich weiß, die schwierige Aufgabe ist bei ihnen in den besten Händen."

Willkommen hießen den neuen Präsidenten Landrat Thomas Reumann "im schönsten Landkreis" und Baubürgermeisterin Ulrike Hotz "in der schönsten Großstadt" des Landes. Sie heben auf die wichtige Bedeutung der Fachgerichtsbarkeiten in Reutlingen ab, von denen positive Impulse ausgehen und die ein wichtiger Garant für einen Rechtsstaat seien. Reumann hofft auf die Unterstützung des Sozialgerichts in Bezug auf die UN-Behindertenrechtskonventionen, wenn es gilt, den Rechtsanspruch in allen Lebensbereichen umzusetzen. Eine Aufgabe, die der Landkreis alleine nicht richten könne.

"Lobende und anerkennende Worte tun jederzeit gut", sagte schließlich Rother in seiner Ansprache, denn diese zeugten von "der Würdigung und Wertschätzung der geleisteten Arbeit". Es mache ihm Spaß, die "täglich neu auftretenden Aufgaben zu lösen und zu bewältigen". Für die massive Klageflut, die 2006 über die Sozialgerichte hereingebrochen waren und diese blitzartig in die Öffentlichkeit gerückt hatten, macht er die schlechte Qualität des Hartz-IV-Paktes mit seinen zahlreichen Unklarheiten und Regelungslücken verantwortlich, die auf allen Seiten zu Unsicherheiten führten. Diese Herkulesaufgabe sei in herausragender Arbeit bewältigt worden, nicht zuletzt dank der Unterstützung von außen mit neuen Stellen und der Verlagerung der Stellen aus den Verwaltungsgerichten. Zwar stellt auch er seit 2011 einen leichten Rückgang der Klagen fest, dennoch bleibe er skeptisch, denn die "Dauerbaustelle Hartz IV" werde bleiben - da ist er sich sicher. Wie in der Vergangenheit, werde sich das Sozialgericht Veränderungen offen gegenüber zeigen, sich der Herausforderung der elektronischen Akte stellen, wenn auch der Wegfall der Papierakte ihm schwer falle. Mit Nachdruck setzt er sich für die Verbesserung der Sicherheit in den Gerichten ein. Dringender Handlungsbedarf sei hier gegeben, zumal gerade am Sozialgericht in emotional hochbelasteten Verfahren über existenzielle Fragen entschieden werde.

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