Eningen Ein Mann der prägnanten Worte geht

Nach 22 Jahren wird Günter Fischer von Alexander Schweizer aus dem Gemeinderat verabschiedet. Fischers Platz nimmt Uwe Moßig ein. Foto: Anne Leipold
Nach 22 Jahren wird Günter Fischer von Alexander Schweizer aus dem Gemeinderat verabschiedet. Fischers Platz nimmt Uwe Moßig ein. Foto: Anne Leipold
Eningen / ANNE LEIPOLD 31.03.2012
Er geht mit einem guten Gefühl: Nach 22 Jahren im Gemeinderat zieht Günter Fischer seinen Hut und macht seinen Platz frei. Im Gemeinderat wurde er nun verabschiedet. Seine Nachfolge tritt Uwe Moßig an.

"Ich gehe mit einem guten Gefühl", sagte Günter Fischer kurz bevor er offiziell im Gemeinderat verabschiedet wurde. Die Entscheidung fällte er bereits im November, der tatsächliche Zeitpunkt zu gehen war aber zufällig. Lediglich den Haushalt mitzubeschließen war ihm ein Anliegen. Aber er habe so viel in den 22 Jahren im Rat gemacht, da könne er guten Gewissens gehen. Einige seiner Weggefährten waren extra zur öffentlichen Sitzung gekommen.

Als Betriebsratsvorsitzender und Mitglied der Geschäftsführung einer Reutlinger Firma ist er beruflich sehr stark eingespannt, Freizeit hat er auch aufgrund der Sitzungen kaum noch. Er wollte raus aus dem Hamsterrad und nicht mehr nur zu den Sitzungen hetzen. "Ich kann für die Gemeinde nichts mehr bewegen", hat er für sich festgestellt, "aber das ist der Punkt, um aufzuhören ohne traurig zu sein." Er geht ohne Wehmut, wenn er den Rat zunächst sicher noch vermissen wird. Außerdem hat er in den vergangenen zwei Jahrzehnten viel mitbewegen können. Die Sanierung des ehemaligen Wandel-Goltermann-Geländes fällt ihm ein, ebenso der Widerstand gegen die NPD-Geschäftsstelle in der Schillerstraße. Doch hierbei ist ihm so manches Verhalten der Räte in dieser Sache noch immer unverständlich. Einziges Ärgernis bleibt in seinen Augen die nicht voranschreitende Entwicklung der Schule, da die Schulleiterin die künftige Entwicklung blocke. Aber deswegen weiter im Rat bleiben? "Sie müssen irgendwann einen Punkt setzen", sagt Fischer. Sein Ausscheiden aus dem Gemeinderat ist aber nicht gleichbedeutend mit dem Ausscheiden aus der Politik. Hier will er weiterhin aktiv bleiben.

1989 wurde Fischer das erste Mal in den Gemeinderat gewählt, nur wenige Tage vor dem Fall der Mauer, blickte Bürgermeister Alexander Schweizer am Donnerstag zurück. Auf die Ehrung für 20 Jahre ehrenamtliches Engagement im Gemeinderat verzichtete der 57-jährige Maschinenbaumeister. Für ihn sei das eine sinnvolle Beschäftigung in der Freizeit, hat er damals gesagt. Eher sollte man die ehren, die 20 Jahre zuvor in der DDR lebten und auf die Straße gingen. Er selbst sagt von sich, er sein kein Mitläufer, oft sogar derb, "eine Aussage, die ich nur unterschreiben würde, sie sind halt ein echter Eninger", so Schweizer. Fischer habe dem Gemeinderat als demokratisches Gremium gut getan, mit ihm verliere der Rat einen führenden Kopf. Als Wertschätzung seiner Arbeit überreichte Schweizer ihm zum Abschied das gerahmte "Urtier" von H. A. P. Grieshaber.

"Du hast den vollen Durchblick", würdigte Annegret Romer die Arbeit ihres Parteikollegen. Sie wird nach einstimmiger Wahl seinen Posten als dritten Bürgermeister übernehmen. Eigentlich wollte sie keine von Fischer gefürchtete Romersche Laudatio halten, ein wenig wurde es ihre Rede dann doch. Derb empfindet sie ihn nicht, eher "schwäbisch prägnant". Sie bewundert seinen "Riecher für Situationen und das Fingerspitzengefühl, wann man was sagt". Das "Ende einer Dienstfahrt" von Heinrich Böll war ihr Abschiedsgeschenk. Wein, Blumen sowie ein Wochenende "mit uns allen auf der Alb" gab es von Simone Büttner und Fischers Nachfolger Uwe Moßig.

Selbst die CDU-Fraktion hatte sich ein Abschiedspräsent ausgedacht. Gerade Fischer Kollegialität weiß Florian C. Weller zu schätzen. Etwas mit Natur und grün sollte es sein. Es wurde ein schwarzer Vogelkasten mit Vogelfutter im grünen Säckchen, das Weller überreichte. Reichlich und anhaltenden Applaus erntete Fischer zum Abschied.

Fischer wünscht sich, dass Rat und Verwaltung sich jetzt gemeinsam auf die Arbeit konzentrieren und nicht meinen, den Job des anderen machen zu müssen. "Ich glaube wir haben was aufgebaut und die Gemeinde vorwärts gebracht", sagte er.

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