Reutlingen Ein Märchen, ja - nur etwas anders

Heiner Kondschak. Foto: Kipp
Heiner Kondschak. Foto: Kipp
KATHRIN KIPP 06.10.2012
Drachen, Riesen, Frösche, Prinzen, Prinzessinnen und Erbsen: Alles da, was ein Märchen braucht. Doch das Stück "In der Höhle des Prinzen" von und mit Heiner Kondschak ist etwas anders. Heute ist Premiere.

Heiner Kondschaks "Schätzchen der Piratin" läuft mittlerweile schon drei Spielzeiten äußerst erfolgreich an der Tonne - auch diese Spielzeit wird es ins Programm genommen.

Trotzdem wollte das Reutlinger Theater mal wieder ein neues Kinderstück machen. Schließlich sei ein großer Bedarf da, erklärt Tonne-Dramaturgin Karen Schultze. Und so gehts jetzt - wieder mit dem Allrounder Heiner Kondschak - in die "Höhle des Prinzen".

Als dreifacher Vater und nach zwölf Jahren Kinder- und Jugendtheaterpraxis am Landestheater Tübingen (LTT) sei er zu der Erkenntnis gelangt: "Ich kann mich mit den herkömmlichen Märchen nicht anfreunden." Auch wenn noch so viele Pädagogen sie für wertvoll halten: Die meisten Geschichten sind grausig, viele kleine Kinder bekommen Angst und heulen.

"Warum sind sie eigentlich so brutal?", hat sich der Theatermacher deshalb gefragt, und "Was macht ein Märchen überhaupt aus?" Und so hat Kondschak, der sowieso am liebsten seine eigenen Geschichten schreibt und inszeniert, vor zehn Jahren "In der Höhle des Prinzen" geschrieben und auf die Bühne des Badischen Staatstheaters Karlsruhe gebracht - als Märchen-Persiflage. Als reine "Schauspielgaudi" also und vor allem: "Nichts Pädagogisches". Der Höhlenprinz kam dort so gut an, dass sogar eine monatliche Spätvorstellung für erwachsene Märchenfans installiert wurde.

Jetzt an der Tonne spielt Kondschak sogar selbst mit, und zwar in der Rolle des nicht gerade sehr mutigen Titelhelden Prinz Oliver. Weil der sich nicht traut, gegen irgendwelche Drachen zu kämpfen, muss er in einer einsamen Höhle wohnen. Aber mit dem Königsposten wirds sowieso nichts: Seine intriganten Brüder haben ihn längst ganz fies ausgebootet. Jetzt lässt er seinen Frust an den Fröschen aus, die er an die Wand wirft, in der Hoffnung, dass sie sich in ein hübsches Mädel verwandeln.

Da kommt auch schon eine echte Prinzessin um die Ecke, die forsche Livia. Sie ist auch ziemlich unzufrieden mit ihrer Rolle, weil Prinzessinnen immer nur heiraten sollen. Und sie hat Mitleid mit den Fröschen.

So richtig Leben in die Bude kommt, als auch noch die schöne Prinzessin Annegret auftaucht, die eigentlich einen bösen Riesen heiraten soll, sich aber sofort in Oliver verknallt. Und umgekehrt. Aber Livia stellt sich dem vorzeitigen Happy End in den Weg mit einem Erbsentest. Am Ende "kriegt mich eine", verspricht Kondschak, will aber natürlich noch nicht verraten, welche die Glückliche sein wird.

Die Prinzessinnen sind nur teilweise typische Königstöchter: die eine ist liebesmäßig ziemlich desillusioniert und will eigentlich in einem ganz anderen Märchen mitspielen. Die andere wiederum will "nur eins: Prinzessin sein und glücklich sein - obwohl das ja schon zwei Sachen sind", scherzt Kondschak.

Er selbst ist gleich in mehreren Rollen an der Single-Party beteiligt und bringt die Zuschauer unter anderem mit einer blonden Perücke um den Verstand. Und so tauchen viele Märchenmotive auf, wie beispielsweise Heiraten, Konkurrenz, Prinzendasein, Drachen, Riesen, Frösche und zwei Pferde, mit denen wild gespielt wird.

Genauso wie Realität und Märchen kräftig durcheinander geschüttelt werden, wodurch das Stück auch noch einen "hoch philosophischen" Drive bekommt, wie Kondschak behauptet. Die Figuren wehren sich gegen ihre Rollen, es wird mit Klischees experimentiert.

So kommt vielleicht doch noch was Pädagogisches heraus: Die Kids sehen: Aha, es kann auch mal anders laufen. Und es geht um die Frage, ob man durch bestimmte Dinge automatisch glücklich wird.

Kurzum, es gibt durchaus ein paar Nachdenkelemente im Spaß-Stück. Dazu wird gesungen und musiziert. Chrysi Taoussanis spielt die Livia, Dagmar Jesussek, eine freie Schauspielerin aus Tübingen, die Kondschak am LTT "entdeckt" hat, spielt Prinzessin Annegret.