Mario Kay Ocker hat sich nach den Worten von Eugen Hilbertz mit den beiden Konzerten unter dem Titel „An die Freude“ am Wochenende „einen Lebenstraum erfüllt“. Besonders die 9. Symphonie von Ludwig van Beethoven habe es dem Dirigenten und Leiter der Chöre des Liederkranz’ Pfullingen angetan. Und der Musikausschuss des Gesangvereins wollte der Erfüllung dieses großen Traums nicht im Wege stehen.

Was der Frauen- und Männerchor zusammen mit ffortissimo sowie den Projektsängerinnen und Projektsängern am Samstagabend und am Sonntag auf die riesig ausgedehnte Bühne in den Pfullinger Hallen brachten, das war extrem beeindruckend. Ebenfalls Teil des großen Konzerterlebnisses waren nicht allein die rund 100 Sängerinnen und Sänger, sondern auch das Orchester „arcademia sinfonica“ – ein Balinger Zusammenschluss exzellenter Musiker „aus dem ganzen Land mit Profis, Laien und Hochschulmusikern“, wie der Liederkranz-Vorsitzende Hilbertz ausführte. „Wir hatten schon 2013 mit dem Orchester zusammen einen Auftritt hier in den Pfullinger Hallen, seitdem besteht der gute Kontakt.“

Am Wochenende trat das Orchester mit rund 50 Musikern an und überzeugte genauso wie die Chöre oder auch die Solisten voll und ganz. „Auch die Solo-Sängerinnen und Solo-Sänger kennen wir schon länger“, so Hilbertz.

Begonnen hat das Konzert an beiden Tagen bombastisch mit Paukenschlägen. Und sogleich folgte das, was die älteren unter den Zuhörern in dem Hallen-Konzertsaal sofort als „Europa-Hymne“ erkannten – also jenes Lied­stück, das immer dann im Fernsehen gespielt wurde, wenn eine Eurovisionssendung ausgestrahlt wurde. Allerdings war das lediglich die Eröffnung zum „Te Deum“ von Marc-Antoine Charpentier, aus dem sich der gesamte erste Teil des Konzertabends zusammensetzte.

„Bei den Proben hat uns Mario Kay Ocker immer wieder auch die zeitlich-geschichtlichen Zusammenhänge näher gebracht“, führte Eugen Hilbertz aus. Das sei nicht nur hochinteressant gewesen, sondern auch für das Verständnis der Stücke notwendig, so der Liederkranz-Vorsitzende. „Es war wichtig, die Unterschiede herauszuarbeiten, damit wir die Musik verstehen – sonst weiß man ja gar nicht, warum manches so unterschiedlich interpretiert wird.“ Der zweite Teil der beiden Konzerte befasste sich schließlich mit Ockers Lebenstraum, also mit Beethovens 9. Symphonie.

„Unser Dirigent hat sich extrem viel mit Beethoven beschäftigt und bringt hier mit der 9. eine ganz eigene Interpretation“, sagte Hilbertz. Und der Clou: Ocker dirigierte auswendig, „er hat jede Stimme, jeden einzelnen Ton im Kopf“. Unglaublich und kaum vorstellbar, bei mehr als 150 Musikern.

Seit einem halben Jahr haben die Chöre zunächst in kleineren Gruppen wöchentlich geprobt, „ab Oktober dann alle zusammen“, so Hilbertz. Drei Probenwochenenden kamen nach den Worten von Gabriele Raisch, der zweiten Liederkranz-Vorsitzenden, hinzu – die Entwicklung dieses Konzertes war also mit jeder Menge Aufwand verbunden. Und auch mit jeder Menge Kosten, wie Hilbertz ausführte. „Jeder einzelne Zuhörerplatz hier in den Hallen kostet uns 45 Euro.“ Bei maximal 25 Euro für eine Eintrittskarte war von vornherein klar, dass das Konzert ein Verlustgeschäft werden würde – zumindest in finanzieller Hinsicht. „Wenn wir Glück haben, können wir 40 Prozent der Gesamtkosten durch die Eintrittskosten zurückkriegen“, sagte der Vereinsvorsitzende. „So einen Aufwand mit großem Orchester, Solisten und allen anderen Kosten können wir nicht jedes Jahr betreiben.“

Klar sei aber jetzt schon, was der Chor beim nächsten Neujahrskonzert aufführen wird: „Da geht es um Italien“, betonte Gabriele Raisch. Klar sei aber auch, dass der Liederkranz nicht immer klassische Musik aufführt, „wir singen alles“. Freuen können sich die Freunde der Chöre auf jeden Fall jetzt schon auf eine erneute fulminante Aufführung im kommenden Jahr.