Er war farbenprächtig, ein bisschen gruslig aber viel mehr noch fröhlich, sehr laut, mehr als zwei Stunden lang und sehr gut besucht: der Umzug des Männervereins Reutlingen, der die Innenstadt gestern in eine Fasnetshochburg verwandelte.

Mehr als 15 000 Besucher säumten die Straßen im evangelischen (und damit historisch betrachtet eigentlich gar nicht so närrischen) Reutlingen. Bei manch’ einem Besucher hatten die Kassier-Narren von den befreundeten Zünften ihre liebe Mühe, dann auch die drei Euro Eintritt zu bekommen. Denn diese Besucher waren um allerlei Ausreden nicht verlegen – was die Fasnetstreibenden ihrerseits nicht ganz verstehen konnten, denn drei Euro sind für diese fröhliche Unterhaltung ja wahrlich nicht viel Geld.

Bildergalerie Buntes Narrentreiben mit 15000 Zuschauern

55 Zünfte waren nach Reutlingen gereist, aus der nahen und auch aus der fernen Umgebung: Aus Wannweil und Münsingen, aus Eningen, Pfullingen und Gomaringen, aus Nehren, Bad Urach und Oberstetten, aus Stuttgart und sogar aus Nürnberg. „Vor 20 Jahren hatten wir teilweise 30 000 Zuschauer bei unserem Umzug“, erinnerte sich der Männervereins-Vorsitzende Michael Frank. Dann schossen in der ganzen Umgebung dutzende, neue Narrenzünfte aus dem Boden – und damit auch neue (Konkurrenz-)Veranstaltungen. „Aber in diesem Jahr sind wir wieder sehr zufrieden“, sagte Frank, der gemeinsam mit Schriftführerin Karin Kapitel für die Moderation auf dem Sprecherwagen am Marktplatz sorgte. „Das sind mehr Besucher, als im letzten Jahr.“ Da war sogar das Landesnarrentreffen in Reutlingen gewesen.

Und so zogen Bären und Wölfe, Hexen und Dämonen, Weinreben und Kühe, Eulen und andere Gestalten frohgemut durch die Stadt: zunächst bei beißendem Wind aber erstaunlich milden Temperaturen, dann bei Regen und unschönen Böen. Wer eifrig die Narrensprüche aufsagte oder einfach ganz besonders süß aussah oder verkleidet war, der wurde dann allermeistens auch mit einem Bonbon belohnt. Wenn ihm die Hexen nicht gerade die Mütze oder den Haargummi klauten, was durchaus auch vorkam.