Man könnte fast den Eindruck haben, dass "in Pfullingen ein Nest von Heiligen und Seligen ist", sagt Pfarrer und Dekan Hermann Friedl beim Pressegespräch. Da ist zum einen der Heilige Wolfgang, nach dem nicht nur die Kirchengemeinde in der Echazstadt benannt wurde, sondern auch die in der Nachbarkommune Reutlingen. 1994 wurde der tausendste Todestag von Wolfgang, dem Heiligen, einem gebürtigen Pfullinger, gefeiert. Hinzu kommt die selige Irmengild, die war die erste Äbtissin im Pfullinger Klarissenkloster, wie Ernst-Reinhard Beck als Vertreter des Pfullinger Geschichtsvereins berichtet.

Zwischen heilig und selig gebe es im Übrigen eigentlich keinen Unterschied, "selig ist eher regional und heilig weltweit", betont Friedl. Der Dritte im Bunde der Pfullinger, die im Heiligenkalender auftauchen, ist auf jeden Fall Cuno oder Kuno, "der wahrscheinlich im Jahr 1016 geboren wurde", so Beck. So genau wisse man das dann auch wieder nicht. Aber: Dieser Kuno war auf jeden Fall dem Geschlecht der Grafen von Pfullingen entsprungen und er wurde im Jahr 1066 von seinem Onkel, dem damaligen Kölner Erzbischof, zum Erzbischof in Trier bestimmt. Vetterleswirtschaft?

Das wollte weder dem Adel, noch dem Klerus und auch der Bevölkerung in Trier nicht gefallen, sie fühlten sich übergangen, wie Beck, der Geschichtskundige, erläutert. Ein Empfangskomitee wurde Kuno auf seinem Weg nach Trier entgegengeschickt, der Pfullinger ward festgenommen, auf die Burg Ürzig an der Mosel verschleppt und zwei Wochen lang eingekerkert. Am 1. Juni 1066 wurde Kuno ermordet, allerdings mit Hindernissen: Dreimal soll er von einem Felsen geworfen worden sein, doch er lebte immer noch. Daraufhin half nur noch eins - enthaupten.

"Die Legende behauptet weiter, dass sein Leichnam 30 Tage lang nicht verweste", berichtet Beck. Erst als Kuno in der Abteiklosterkirche unter dem Altar bestattet wurde, hatte es seine Ruhe. Allerdings nicht lange, denn Pilgerreisende fanden heraus, dass Kuno noch im Tode über quasi magische Kräfte verfüge - "da ist seitenweise die Rede von Heilungswundern", sagt Friedl.

"Kuno ist Teil unserer Stadtgeschichte", erläutert Pfullingens Bürgermeister Michael Schrenk den Grund, warum die Kommune sich spontan entschlossen hat, sich an dem "Jubiläum" zu beteiligen. Mit dem unglaublichen 1000. Geburtstag könne auch auf einen anderen Umstand hingewiesen werden: Damals war es nämlich alles andere als üblich, dass weltliche und kirchliche Macht gemeinsam an einem Tisch saßen oder zusammen feierten. Das Gegenteil war der Fall, wie Beck betont: Schließlich sei das elfte Jahrhundert eher durch die Konkurrenz und Feindschaft zwischen Papst und Kaiser geprägt gewesen. Aber: "Kuno hat damals eine reichspolitische Rolle gespielt", betont Ernst-Reinhard Beck. "Da war von Reutlingen noch nicht die Rede", sagt der ehemalige Bundestagsabgeordnete und schmunzelt.

Konkretes lasse sich zu Kuno heute jedoch kaum sagen, wie Hermann Friedl ausführt. "Wir müssen da ein bisschen im Nebulösen bleiben." Aber diese "Vetterleswirtschaft und der Klüngel", der damals gängig war, könnte doch auch darauf hinweisen, dass "wir auch heute noch in der Kirche mehr demokratische Prinzipien bräuchten", so der Dekan. Papst Franziskus wolle nicht umsonst die Strukturen dezentralisieren, "denn als getaufter Christ hat jeder was zu sagen", so Friedl.

Info Gefeiert wird der 1000. Geburtstag des Heiligen Kuno in der katholischen St. Wolfgang-Kirche in Pfullingen am Sonntag, 29. Mai, um 10.30 Uhr. Die Festpredigt hält Mönch und Archivar Frater Wendelinus Johannes Naumann aus der Benediktinerabtei Tholey im Saarland. "Im Anschluss gibt es einen Stehempfang mit Grußworten und Musik", betont Pfarrer Friedl.