Reutlingen Ein Film über Flucht und Vertreibung

Reutlingen / OP 06.03.2012

Es geht um ein oft verdrängtes Thema: um den Verlust der Heimat. Heute, Dienstag, 6. März, 19.30 Uhr VHS, zeigt und erläutert die Regisseurin Karin Kaper ihren Film "Aber das Leben geht weiter". Kaper (Jahrgang 1959) ist nach Anfängen im Theater heute als Dokumentarfilmerin in Berlin tätig.

Ausgangspunkt des Films ist Platerówka (ehemals Niederlinde), ein Dorf, rund 25 Kilometer von Görlitz entfernt. Erzählt wird von der Vertreibung zweier Familien im Zweiten Weltkrieg. Von einer deutschen Familie, die in den Westen fliehen musste, wo sie in Bremen eine zweite Heimat fand. Und von einer polnischen Familie, die 1940 von den Russen nach Ostsibirien verschleppt wurde und, zurück in Polen, 1945 den Hof der Deutschen zugesprochen bekam.

Im Gespräch mit unserer Zeitung schildert Regisseurin Karin Kaper die Konzeption des Films, der 2009/10 entstand und im Mai 2011 beim Neiße-Filmfestival in Zittau Premiere feierte. Der Film, so Kaper, erzählt von diesen Schicksalen, in dem er sechs Frauen aus den beiden Familien zu Wort kommen lässt - von der 87-jährigen Großmutter bis hin zu den Enkelinnen und Urenkeln. Ziel war es, "die Frauen reden zu lassen" - und zwar bewusst "ohne einen Kommentar".

Den Anstoß gab ein Treffen der Regisseurin mit Gabriella, der Enkelin der polnischen Familie. Auf Material aus der politischen Historie verzichtet der Film, ebenso auf Gewaltszenen: Nur die Frauen erzählen ihre Geschichten. So sei ein "warmherziger und ruhiger" Film entstanden, meint Kaper, der auch ein Stück Wiederannäherungs- und Versöhnungsarbeit leistet.

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