Reutlingen Ein europäisches Symbol

Fünf Tonnen wiegt die achteckige Staufer-Stele aus Jura-Kalk, die an der Ecke Zeughausstraße/Mauerstraße, auf Höhe des Kinos Planie, steht. Gestern wurde sie mit einem Festakt eingeweiht.
Fünf Tonnen wiegt die achteckige Staufer-Stele aus Jura-Kalk, die an der Ecke Zeughausstraße/Mauerstraße, auf Höhe des Kinos Planie, steht. Gestern wurde sie mit einem Festakt eingeweiht. © Foto: Eissler
Staufer, 11 / Carola Eissler 22.09.2018

Vor spätmittelalterlicher Kulisse von Zwingerturm, Kesselturm, Zeughaus und Stadtmauerrest mit Wehrgang, an der Ecke Zeughausstraße/Mauerstraße steht sie, die achteckige Staufer-Stele, die gestern Abend im Beisein von rund 100 geladenen Gästen von den Mäzenen Dr. Detlef Guhl und Dr. Lothar Guhl, den Söhnen des einstigen Reutlinger Bürgermeisters Karl Guhl, der Stadt gestiftet wurde. Die fünf Tonnen schwere Stele aus Jura-Kalk zieren staufischer Reichsadler, die Stauferlöwen und das Wappen der Stadt. Zudem wird auf für Reutlingen bedeutende historische Ereignisse der Stauferzeit  verwiesen, auch die Achalm und die Marienkirche finden Erwähnung.

Die Stele soll die historische Verbundenheit der Stadt mit den Staufern dokumentieren. Reutlingen ist die 38. Stadt in nunmehr sechs europäischen Ländern, die eine solche Stele aufgestellt haben. Und damit Teil eines länderübergreifenden Netzwerks von Orten ist, an denen die Staufer Spuren hinterlassen haben.

Den Staufern verdankt Reutlingen das Stadtrecht. Weshalb sich die Stadt und deren Bürger dem Herrscherhaus gegenüber auch loyal erwiesen. Spätestens im Jahr 1240 muss die Stadterhebung erfolgt sein, während der Regentschaft Friedrichs II, des Enkels von Kaiser Barbarossa, einem Staufer. Originaldokumente gibt es nicht mehr, nur nachträgliche Aufzeichnungen, weshalb die staufische Stadterhebung von manchen Historikern auch immer wieder angezweifelt wird. Wie dem auch sei, fest steht, dass die Reutlinger den Staufern die Treue hielten.

Vor 18 Jahren wurde die erste Staufer-Stele in Italien eingeweiht. Ein Komitee der Stauferfreunde hatte sich gebildet, mit namhaften Historikern und Archivaren, die für die Stelen warben. Für jede einzelne Stele muss ein Stifter gesucht werden. Alle 38 Stelen, die es bislang gibt, hat der Stuttgarter Bildhauer Markus Wolf entworfen und gefertigt. Die Stelen sind alle 2,75 Meter hoch, nur die Stele auf dem Hohenstaufen misst als höchste drei Meter. Jede Stele folgt dem selben Prinzip.

Dr. Karl-Heinz Rueß vom Komitee der Stauferfreunde Göppingen betonte, die Geschichte der Staufer verdeutliche, wie die Völker Europas miteinander verbunden sind. Die Staufer-Stele sei deshalb auch ein „übernationales Symbol“. Und vielleicht gebe sie ja Anstoß, über die Vergangenheit nachzudenken.

Reutlingens Bürgermeister Robert Hahn sagte, die Staufer-Stelen seien ein wahres Erfolgsprojekt. „Uns Schwaben schmerzt vielleicht, dass die Staufer eher ein europäisches Herrscherhaus waren als ein schwäbisches“, räumte er ein. Dennoch habe Reutlingen den Staufern nicht weniger als das Stadtrecht zu verdanken.

Ohne das Engagement der Gebrüder Guhl wäre die Staufer-Stele freilich nicht realisierbar gewesen. Ihr Vater Karl Guhl war von 1967 bis 1984 Bürgermeister in Reutlingen. „Er war einer der bedeutendsten Personen der Nachkriegsgeschichte in der Stadt“, betonte Robert Hahn. Insgesamt sieben Jahre hat es gedauert, von den ersten Gesprächen bis zur Enthüllung der Stele. Der Standort war lange umstritten, zunächst hatte man an einen Platz vor dem Tübinger Tor gedacht. Schließlich konnten sich Stadt, Stifter und Stauferkomitee dann auf den jetzigen Standort einigen.

Guhl-Stiftung macht es möglich

Die Reutlinger Stauferstele befindet sich in der Zeughausstraße, gegenüber dem Kino Planie. Stauferstelen werden seit dem Jahr 2000 an Orten staufischer Geschichte aufgestellt. Wappen und Inschriften erläutern die jeweiligen geschichtlichen Zusammenhänge. Reutlingen zählt als staufische Stadtgründung dazu, daran erinnert auch der 1903 geschaffene Friedrichsbrunnen bei der Marienkirche.

Dank der Stiftung der Gebrüder Dr. Detlef und Dr. Lothar Guhl wird Reutlingen nun in die Reihe europaweiter Erinnerungsorte staufischer Geschichte eingebunden. Die Stiftung erfolgt in Erinnerung an den 2008 verstorbenen Ersten und Finanzbürgermeister der Jahre 1967 bis 1984, Karl Guhl.

Bislang gibt es 37 Stauferstelen in mehreren europäischen Ländern. Die meist aus Travertin gefertigten Stelen werden von dem Stuttgarter Bildhauer Markus Wolf geschaffen.

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