Reutlingen Ein bisschen mehr Würde

Ardit Jashanica und Marie Starke vom Reutlinger Jugendgemeinderat hoffen, dass die jetzt als Pilotprojekt installierten Pfandringe gut angenommen werden. Jan-Uli Kilian (rechts) von den Technischen Betriebsdiensten Reutlingen legte mit Hand an.
Ardit Jashanica und Marie Starke vom Reutlinger Jugendgemeinderat hoffen, dass die jetzt als Pilotprojekt installierten Pfandringe gut angenommen werden. Jan-Uli Kilian (rechts) von den Technischen Betriebsdiensten Reutlingen legte mit Hand an. © Foto: Eissler
Reutlingen / Von Carola Eissler 04.07.2018

Flaschensammler kannte man bis vor einigen Jahren nur aus anderen Ländern, wo vor allem die Alten unter Armut leiden. Inzwischen hat die Not auch Deutschland erreicht. Menschen, die den Müll nach Pfandflaschen durchwühlen, gehören auch in Reutlingen zum gewohnten Bild. Mit bloßen Händen durchsuchen sie die mit Essensresten, benutzten Taschentüchern, Scherben und Windeln vollen Behälter. Ein unwürdiges Schauspiel. Das in Reutlingen bald der Vergangenheit angehören könnte. Denn gestern wurden die ersten neun Pfandringe an Müllbehältern im Volkspark und in der Pomologie angebracht. „Zunächst ein Pilotprojekt“, wie Ardit Jashanica und Marie Starke vom Reutlinger Jugendgemeinderat betonen. Dieser hat in Kooperation mit den Technischen Betriebsdiensten Reutlingen und dem Amt für Tiefbau, Grünflächen und Umwelt der Stadt Reutlingen die Aktion nun initiiert.

„Wir wollen drei Monate testen, wie es angenommen wird.“ Ist die Sache ein Erfolg, könnte sie über die gesamte Stadt ausgebreitet werden. Bereits drei Jahre ist es her, dass der Jugendgemeinderat einen entsprechenden Antrag an die Stadt gerichtet hat. Damit sollte zum einen das entwürdigende Durchwühlen des Mülls unterbunden werden, zum anderen dient es der Umwelt, wenn Flaschen eingesammelt werden. Gerade in der Pomologie und im Volkspark feiern oft Jugendliche. Da bleiben dann nicht selten Flaschen einfach liegen. In Zukunft sollen diese Pfandflaschen in den Pfandring gestellt werden, wo Sammler sie holen können.

Nicht ganz einfach war es für die TBR, entsprechende Halterungen zu entwerfen. Gelungen ist es dennoch und Jan-Uli Kilian konnte gestern fachgerecht die Pfandringe anbringen. Diese sind ursprünglich die Erfindung eines Kölner Designers, der sie als Ring um die Mülleimer legt. In Reutlingen musste dieses Modell etwas abgeändert werden, schließlich darf die Installation ein Entleeren des Müllbehälters nicht behindern.

Jetzt hoffen freilich alle Initiatoren, dass das Pilotprojekt angenommen wird. Bereits in anderen Städten wurden solche Pfandringe montiert, die Aktionen waren nicht immer erfolgreich. Stuttgart und Tübingen haben eher negative Erfahrungen gemacht und in manch einer anderen Stadt, wo viele Flaschensammler unterwegs sind und um ihre Existenz kämpfen, wurden die Pfandringe sogar zu einem Politikum.

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