Reutlingen Ein besonderes Gebiet

Die Straßenräume in der Oststadt werden neu konzipiert, Stadt und Gemeinderat setzen auf Verkehrsberuhigung vor allem auf den großen Achsen zwischen Gartenstraße und Charlottenstraße.
Die Straßenräume in der Oststadt werden neu konzipiert, Stadt und Gemeinderat setzen auf Verkehrsberuhigung vor allem auf den großen Achsen zwischen Gartenstraße und Charlottenstraße. © Foto: Eissler
Reutlingen / Carola Eissler 15.06.2018

Die Oststadt wird völlig neu gestaltet. Die breiten Verkehrsachsen werden optisch schmäler, Fußgänger und Radfahrer bekommen mehr Raum. Und auch die Architektur wird neu definiert: Neubauten sollen sich in den typischen Oststadt-Charakter einfügen und selbst für Vorgärten wird es Richtlinien und ein Gestaltungsleitbild geben. Was jetzt dem Bau-, Verkehrs- und Umweltausschuss als Leitbild vorgelegt und vom Büro ISA (Internationales Stadtbau-Atelier) aus Stuttgart erstellt wurde, ist das Ergebnis jahrelanger planerischer Beschäftigung mit der Oststadt einerseits, intensiver Bürgerbeteiligungen andererseits. In einer seiner nächsten Sitzungen wird der Gemeinderat darüber beschließen.

Dr. Philipp Dechow vom Büro ISA stellte jetzt die einzelnen Maßnahmen nochmals im Detail vor. Die Oststadt sei ein ganz besonderes Gebiet betonte er. In die Wohnstraßen der Oststadt wird nur minimal eingegriffen. Die größten Veränderungen wird es auf den Achsen zwischen Gartenstraße und Charlottenstraße geben. Letztere wird, wie mehrfach berichtet, zur Fahrradstraße umgestaltet. In der Kaiserstraße wird die Fahrbahn verschmälert, der Leonhardsplatz verkehrsberuhigt, die Planie als Straße für Mischverkehr ausgewiesen, um nur einige der Maßnahmen zu nennen. Bei Neubauten empfiehlt Dechow die Verwendung hochwertiger Materialien, Vorgärten ohne Parkplätze und einen Verzicht auf Versiegelung. „Der grüne Chrakter der Vorgärten muss erhalten bleiben.“

Gabriele Janz (Grüne) kritisierte, der ganze Prozess habe viel zu lange gedauert. In der Zwischenzeit seien etliche Häuser entstanden, die vom Charakter her nicht in die Oststadt passen. Genannt wurde von Professor Jürgen Straub (WiR) in diesem Zusammenhang beispielsweise das Gebäude der Südwest Metall an der Ecke Schulstraße/Bismarckstraße. Erich Fritz (FWV) sprach die vielen Regelungen und Ausnahmen an „Da wünsche ich dem Stadtplanungsamt viel Freude bei eingehenden Bauanträgen.“ Fritz stellte zudem zur Diskussion, größere Balkone zuzulassen. Denn nach dem neuen Regelwerk wären diese auf 70 mal 250 Zentimeter beschränkt. „Größere Balkone erhöhen den Wohnwert“, ist Fritz überzeugt. Gabriele Gaiser (CDU) gab zu bedenken, dass es auf den Verkehrsachsen, zum Beispiel der Kaiserstraße, immer wieder zu Staus komme, weil Autofahrer rückwärts in Parklücken einparken. Sie schlug deshalb vor, schräge Parkplätze auf einer Seitenseite auszuweisen. Das letzte Wort hat der Gemeinderat.

Die Reutlinger Oststadt

In Zusammenhang mit der Eröffnung des Scheibengipfeltunnels soll die Reutlinger Oststadt verkehrsberuhigt werden. Dazu werden die öffentlichen Flächen umgestaltet. Zugleich wird ein Leitbild für zukünftige Neubauten erstellt. Ziel der Umgestaltung des Straßenraums ist es, den Autoverkehr in der Oststadt zu minimieren, Radfahrern und Fußgängern mehr Raum zu geben.

Die Oststadt umfasst eine Fläche von 118 Hektar mit rund 6500 Einwohnern. 8300 Schüler kommen täglich in die Oststadt, außerdem befinden sich hier 5500 Arbeitsplätze.

Neben der Neugestaltung des Straßenraums wird die unterirdische Infrastruktur, Kanäle und Versorgungsleitungen, umfangreich erneuert, die Oststadt zudem an das Fernwärmenetz angeschlossen.

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