Rommelsbach Ein Bastler aus Leidenschaft mit Blick fürs Detail

Feilen statt Nüsse knacken: Tüftler und Bastler Jochen Schipke vor seinem selbst gebauten Rommelsbacher Rummelplatz. Foto: Jan Zawadil
Feilen statt Nüsse knacken: Tüftler und Bastler Jochen Schipke vor seinem selbst gebauten Rommelsbacher Rummelplatz. Foto: Jan Zawadil
Rommelsbach / JAN ZAWADIL 03.01.2014
Jochen Schipke ist Bastler aus Leidenschaft. Der neueste Streich des 75-Jährigen: Ein Rummel für Rommelsbach - zwar nur im Miniaturformat, dafür aber mit Riesenrad, Autoscooter und Sprungschanze.

Still da zu sitzen, war noch nie das Ding von Jochen Schipke. In seinem Leben hat ihn stets etwas um- und angetrieben, so dass der zwischenzeitlich 75-Jährige bis heute immer etwas unternehmen oder werkeln muss.

Bei so viel Tatendrang verwundert es nicht, dass der neueste Streich nicht lange auf sich warten ließ. Nun ist es aber ein Rummel für Rommelsbach geworden. Und den hat der studierte Maschinenbauer nicht nur weitestgehend selbst entworfen, sondern gleich noch selbst in die Tat umgesetzt. So ist eine Miniaturlandschaft mit allerlei Sehenswürdigkeiten entstanden. Neben den zahlreichen Buden mit Süßigkeiten oder dem Schießstand sind es der Hau-den-Lukas, der batteriebetriebene Autoscooter oder das strombetriebene Kettenkarussell, das für Bewegung im Keller des rüstigen Pensionärs sorgt.

"Das Riesenrad", meint Schipke, "habe ich trotzdem nach einer fertigen Vorlage gebaut." Denn die Konstruktion sei recht komplex gewesen. Die notwendigen Bauteile habe er hingegen allesamt in Handarbeit gefertigt. Denn während andere vor dem Fernseher sitzen und Nüsse knacken, hat er eben an den hölzernen Miniaturträgern gefeilt.

Dass es ein Rummel für Rommelsbach geworden ist, ist aber einer Wortspielerei zu verdanken. Denn Zirkusse hätten in der Nordraumgemeinde zwar schon gastiert, nur ein Jahrmarkt sei hier noch nie gewesen. Schipke habe deshalb in zahlreichen Stunden eben seinen ganz eigenen Rummelplatz geschaffen. Was Schipke immer wieder antreibt, ist trotzdem die Lust am Kreativen und am Schaffen. Dabei ist er kein Bastler, der von Kindesbeinen an gerne geschraubt, gesägt oder gehämmert hat. Vielmehr habe sich das erst im Lauf seines Lebens ergeben. Die Leidenschaft hat irgendwann aber so weit geführt, dass er sich, als die Rommelsbacher Grundschule im Jahr 2000 einen Lehrbeauftragten für die Werk AG gesucht hat, um die Stelle beworben hat. Und da sei er nicht nur gleich genommen worden sei, er habe für die Kinder auch viele Werkstücke im eigenen Keller vorbereitet beziehungsweise ausprobiert. Schließlich musste vorab getestet werden, ob sich die Ideen überhaupt kindgerecht in die Tat umsetzen lassen.

"In zehn Jahren ist einiges entstanden", erinnert sich Schipke deshalb gern an diese Zeit. Denn nachdem er zwischendurch aus gesundheitlichen Gründen drei Jahre aussetzen musste, gibt es die Werk AG nicht mehr. Die Gründe seien vor allem, dass immer weniger Schüler an der Grundschule sind und die verbliebenen Kinder oftmals keine Zeit mehr gehabt hätten, das freiwillige Angebot zu nutzen.

Während sich deshalb ein wenig Enttäuschung in Jochen Schipkes Augen widerspiegelt, hat sich der passionierte Bastler in den vergangenen Wochen und Monaten darüber hinaus von zahlreichen hölzernen und metallenen Miniatur-Flugzeugen oder -Autos getrennt und sie dem Degerschlachter Kindergarten vermacht. Wobei sich die Kinder über den zusätzlichen Spielzeugsegen riesig gefreut und damit Jochen Schipke eine Freude bereitet hätten. Weil der 75-Jährige ohne Aktivität nicht leben kann und möchte, ist derzeit ein Bastelbuch beziehungsweise -heft in Arbeit. Und das umfasst zwischen 40 und 45 Seiten und enthält unter anderem die Anleitungen, die bei all den Projekten der vergangenen Jahre zusammengekommen sind.

"Wenn nix wäre, wäre es nix", umschreibt Schipke hingegen die positive Unruhe, die ihn nach wie vor um- und antreibt. Außerdem habe ihn die Betreuung der Werk AG sowie die Arbeit mit den Kindern immer jung gehalten. Dementsprechend habe sich Jochen Schipke immer auch ein kleines Stück Kindheit in sich selbst erhalten und jetzt eben den Rommelsbacher Rummelplatz gebaut.

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